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Di., 26.11.2019

Nur zwei Trainer im deutschen Profifußball sind älter als Arminias Trainer Neuhaus im Klub der 60er

Grund zum Feiern: Arminia-Trainer Uwe Neuhaus wird am Dienstag 60.

Grund zum Feiern: Arminia-Trainer Uwe Neuhaus wird am Dienstag 60. Foto: Thomas F. Starke

Von Dirk Schuster

Bielefeld (WB). Der vergangene Samstag war wieder so ein Tag, an dem Uwe Neuhaus sehr bewusst geworden ist, warum es keinen besseren Beruf für ihn gibt als Trainer einer Profifußballmannschaft zu sein.

Obwohl er mit dem Ergebnis des Spiels seiner Arminia gegen Sandhausen nur bedingt zufrieden sein konnte, kommentierte er das 1:1 hinterher mit der Gelassenheit eines 59-Jährigen: »Ich bin weder enttäuscht noch traurig. Ich freue mich einfach über ein tolles Fußballspiel.« Am heutigen Dienstag wird Neuhaus 60 Jahre alt.

Gewinnen ist nicht alles

Natürlich hätte er lieber gewonnen. Und natürlich hätte er die gerade erst eroberte Tabellenführung in der 2. Fußball-Bundesliga ebenso gern verteidigt. Doch war gleich alles schlecht, bloß weil das nicht geklappt hat? Natürlich nicht. Wenn Neuhaus eines gelernt hat in seinen 60 Lebensjahren, dann dass Gewinnen nicht alles ist.

Für ihn zählt, dass er auch nach 26 Trainerjahren jeden Tag gern zur Arbeit kommt: »Es muss mir gut gehen, wenn ich rausgehe an die frische Luft. Und genau so ist: Mir macht das riesig viel Spaß.«

So viel Spaß, dass er an seinem Ehrentag weder sich noch seinen Spielern eine Auszeit gönnt. »Nur weil der Geburtstag rund ist? Es gibt definitiv keinen freien Tag. Darauf wird keine Rücksicht genommen. Für mich ist das ein ganz normaler Arbeitstag.« Er würde ja sonst »mit schlechtem Beispiel vorangehen«, sagt Neuhaus. Und außerdem: »Wie soll das gehen? Wir kämen ja aus unserem Rhythmus raus. Da möchte ich die Schlagzeilen lesen, wenn wir das nächste Spiel verlieren...«

Arminia ist die achte Trainerstation

Bisher liest Neuhaus fast nur Positives, seit er im Dezember 2018 das Traineramt bei Arminia übernommen hat. Kein Wunder angesichts dieser saisonübergreifenden Bilanz: 32 Spiele, 18 Siege, 9 Unentschieden, nur 5 Niederlagen. Die Spieler folgen ihm. »Man muss immer hellwach sein und jeden Tag so viele und vielfältige Entscheidungen treffen«, umreißt er, was ihn fit hält. Und mit Blick auf sein Alter fügt er hinzu: »Mit einem gewissen Erfahrungsschatz lassen sich Dinge meistens souveräner lösen, als wenn man sie das erste Mal erlebt.«

Friedhelm Funkel (65) und Lucien Favre (62) würden ihm in diesem Punkt ganz gewiss recht geben. Die Trainerkollegen von Fortuna Düsseldorf und Borussia Dortmund sind die einzigen beiden in den drei deutschen Profiligen, die älter sind als Neuhaus. Im Klub der 60er heißen sie den DSC-Coach nun herzlich willkommen.

Arminia ist Neuhaus’ achte Trainerstation. »Was du hier aufgebaut hast, ist aller Ehren wert, das ist fantastisch, also genieß den Geburtstag«, lobte und empfahl sein Sandhausener Trainerkollege Uwe Koschinat (48) am Samstag. Dabei ist der DSC-Coach hier noch lange nicht am Ziel. In Kürze wird Neuhaus seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag wie berichtet um zwei Jahre verlängern. Sein großer Wunsch ist und bleibt der Aufstieg in die Bundesliga. Und Neuhaus weiß: In der Saisonabrechnung kann so ein 1:1 gegen Sandhausen schon noch einiges wert sein.

Große Sause bleibt aus

60 – für den gebürtigen Hattinger (Ruhrgebiet), der sich selbst als »geerdet, locker, entscheidungsfreudig« bezeichnet, ist das bloß eine Zahl. »Das Alter ist mir relativ egal«, betont Neuhaus. »Wichtig ist, wie man sich fühlt. Zumal ich glaube, dass die Menschen heute größtenteils jünger bleiben, auch wenn sie ein hohes Alter erreicht haben.« Er habe sich darum auch »kein Limit gesetzt«. Wobei: »Mit 70 – das kann ich versprechen – werde ich nicht mehr Trainer sein.«

Neuhaus sagt, er erwarte am Dienstag zahlreiche Glückwünsche. Die große Sause bleibt aber aus. »Der einzige Geburtstag, den ich richtig gefeiert habe, war der 50. – das war zu meiner Zeit bei Union Berlin. Meine Frau Britta hatte das organisiert und es war schön.« Was er sich zum 60. wünscht? »Gesundheit für meine Familie und für mich. Dass alles so bleibt, wie es ist. Dass ich weiter tagtäglich auf dem Platz stehen kann. Dass es Spaß macht. Den Rest werden wir uns schon selbst organisieren.«

Kommentare

Happy Birthday!

Neulich meinte eine Kollegin über jemanden, sein Körper sei jünger als sein Kopf. Und das war bissig gemeint: der ist längst nicht mehr à jour. Bei Neuhaus als Trainer habe ich einen ganz anderen Eindruck. Der ist vom Kopf her jünger als sein Körper. Er hat frische Ideen und ist dabei nicht starrsinnig. Daher traue ich Neuhaus auch noch einige Jahre als Trainer zu. In diesem Sinne, Happy Birthday, Herr Neuhaus, und bitte weitermachen!

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