Arminia will in der Rückserie die Heimbilanz aufhübschen
Herbstmeistertitel wie Modeschmuck

Bielefeld (WB). So ein Herbstmeistertitel ist ja ein bisschen wie Modeschmuck: auf den ersten Blick ganz hübsch anzuschauen, unterm Strich aber nicht viel wert. Und dann ist da ja auch noch diese vermaledeite Statistik.

Montag, 09.12.2019, 07:12 Uhr aktualisiert: 09.12.2019, 07:22 Uhr
Verhaltene Freude: Joakim Nilsson (rechts) klatscht Joan Simun Edmundsson nach dessen Tor zum 2:2-Endstand ab. Foto: Thomas F. Starke
Verhaltene Freude: Joakim Nilsson (rechts) klatscht Joan Simun Edmundsson nach dessen Tor zum 2:2-Endstand ab. Foto: Thomas F. Starke

„Belohnung? Das ist keine Belohnung“, sagte Uwe Neuhaus mit ernster Miene über den inoffiziellen Halbzeittitel, denn: „Die letzten drei Herbstmeister sind alle nicht aufgestiegen.“ Dann setzte Arminia Bielefelds Trainer ein Lächeln auf und meinte: „Es macht Spaß, auf die Tabelle zu gucken.“

Sich in dieser immens ausgeglichenen 2. Fußball-Bundesliga derart konstant in der Spitzengruppe zu behaupten und als Herbstmeister in das letzte Hinrundenspiel gehen zu können, „ist eine richtig gute Leistung“, sagte Neuhaus. Die Stimmung bei der Weihnachtsfeier am Samstagabend in der Bielefelder Event-Location „Lenkwerk“ war entsprechend gut. Aber natürlich weiß der 60 Jahre alte Coach auch, dass es bis zum Aufstieg noch ein ganz weiter Weg ist: „Viele Herbstmeister hatten in der Vergangenheit noch mehr Punkte als wir.“

Heidenheim rückt näher an die Spitze

Auf maximal 36 Zähler könnten es die Ostwestfalen bringen. Zum Vergleich: Der Hamburger SV hatte in der Vorsaison bei Halbzeit 37 – am Ende wurden die Norddeutschen nur Vierter und guckten in die Röhre. Apropos Hamburg: Mit ihrer 0:1-Heimpleite im Parallelspiel am Freitagabend gegen Heidenheim machten sie den vorzeitigen Gewinn des Herbstmeistertitels für die Arminen erst möglich. Ob es wirklich gut war, dass Heidenheim diese Partie gewann, das wissen die Arminen erst am Saisonende.

Denn mit dem Dreier beim HSV hat der FCH den Kreis der ernstzunehmenden Aufstiegsaspiranten auf vier erweitert. Und klar ist: Ihrem Triumph in Hamburg werden die Heidenheimer am Samstag gegen Bielefeld direkt einen weiteren folgen lassen wollen. Verloren haben die Baden-Württemberger zu Hause gegen Arminia übrigens noch nie: 6 Spiele, 3 Siege, 3 Unentschieden.

Ausbaufähige Bilanz

Da kommt ein richtig schweres Stück Arbeit auf die Ostwestfalen zu. Nach ihrer nervenaufreibenden Schlussphase beim jüngsten 2:2 gegen Karlsruhe dürften die Bielefelder allerdings ausreichend gestählt sein für den nächsten Härtetest.

1:2 in der 91. Minute, 2:2 in der 93. Minute – „ich denke, es war ein Spiel, mit dem sich die Zuschauer identifizieren können. Es waren viele Emotionen drin“, befand Neuhaus und nutzte nach dem letzten Heimauftritt des Jahres die Gelegenheit für einen kleinen Gruß an die Fans: „Ich bedanke mich bei allen Zuschauern ganz, ganz herzlich für die tolle Unterstützung. Ich glaube, dass wir ein geniales Fußballjahr 2019 erlebt haben. Im neuen Jahr wollen wir dann versuchen, unsere Heimbilanz besser zu gestalten.“

Das 2:2 gegen Karlsruhe war bereits das fünfte Remis vor eigenem Publikum. Hinzu kommen zwei Siege und eine Niederlage. Eine ausbaufähige Bilanz. Warum es gegen den KSC wieder nicht reichte zu einem Dreier, erklärte der Trainer so: „Die Effektivität, die wir auswärts an den Tag legen, haben wir zu Hause nicht.“

Lohn für starke Hinrunde

Chancen hatte Arminia zu genüge. Immerhin bewahrte Joan Simun Edmundsson mit seinem Schuss in den Winkel den DSC vor der zweiten Saisonniederlage. „Wir haben eine besondere Mentalität“, sagte der Färinger über die Comeback-Qualitäten des DSC.

Fabian Klos, Torschütze zum 1:1, warf bereits einen Blick voraus. „Wir haben immer noch die Möglichkeit, im zweiten Saisonteil zu Hause eine Serie zu starten.“ Die Wahrscheinlichkeit eines Aufstiegs würde das natürlich signifikant erhöhen. Kapitän Klos: „Träumen ist erlaubt, da werde ich auch nicht mit aufhören.“

Sport-Geschäftsführer Samir Arabi sieht im Gewinn der Herbstmeisterschaft den Lohn für eine schon jetzt ganz starke Hinrunde. Aber weder werde er deshalb „dreimal um das Rathaus laufen, noch eine Mallorca-Tour machen“. Zumal im Mai das Wetter dort sowieso viel schöner ist.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7119920?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2536432%2F
Krisenstab mietet Wohnsiedlung für positiv getestete Tönnies-Mitarbeiter an
Symbolbild. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker