>

Mi., 25.12.2019

2019 lief bei Arminia vieles sehr gut – aber einen Makel gibt es doch Tore, Teamgeist und ein großer Traum

Uwe Neuhaus (rechts) und Fabian Klos (Mitte) haben Spaß. Der Trainer stellte bei Arminia das System um – sehr zu Gunsten von Torjäger Klos. Das freut auch Co-Trainer Peter Nemeth.

Uwe Neuhaus (rechts) und Fabian Klos (Mitte) haben Spaß. Der Trainer stellte bei Arminia das System um – sehr zu Gunsten von Torjäger Klos. Das freut auch Co-Trainer Peter Nemeth. Foto: Thomas F. Starke

Von Dirk Schuster

Bielefeld (WB). Fan von Arminia Bielefeld zu sein, ist nicht immer so ganz einfach. Das zu Ende gehende Jahr jedoch hat den Anhängern des Fahrstuhlklubs einigen Grund geliefert, stolz zu sein auf den Sportclub der Ostwestfalen. Kein anderer Fußball-Zweitligist war 2019 erfolgreicher als der DSC. Der Traum vom Aufstieg in die Bundesliga lebt.

34 Punktspiele haben die Bielefelder in den vergangenen zwölf Monaten saisonübergreifend bestritten. Mehr als die Hälfte davon haben sie gewonnen. 18 Siegen stehen nur fünf Niederlagen gegenüber. Elf Mal gab es ein Unentschieden.

„Das ganze Jahr 2019 war sehr gut von Arminia Bielefeld“, sagt Fabian Klos. Der Kapitän ist seit 2011 beim DSC und war schon immer eine Schlüsselfigur. Doch seit Trainer Uwe Neuhaus im Dezember 2018 das Traineramt übernahm und auf ein 4-3-3-System mit drei Angreifern umstellte, erleben die Anhänger den besten Klos aller Zeiten. Der gebürtige Gifhorner ist im Angriff nicht mehr der Alleinunterhalter. „Für einen Stürmer gibt es nichts Geileres als ein 4-3-3. Eigentlich müsste ich dem Trainer jeden Tag danke sagen“, erklärt der 32-Jährige.

Nur eine Niederlage in der Hinrunde

Um Klos’ Enthusiasmus nachzuvollziehen, genügt ein Blick in seine persönliche Jahresbilanz. 25 Tore hat er selbst erzielt, weitere 14 bereitete er vor. Ganz klar: 2019 war sein Jahr.

Nur eine Partie wird der Angreifer nicht so gern in Erinnerung behalten: die gegen den VfB Stuttgart. In der Begegnung des achten Spieltags sah er die Gelb-Rote Karte. Als Klos das Feld verlassen musste, stand es 0:0, am Ende 0:1. „Wir haben die Hinrunde mit nur einer Niederlage überstanden – und die ist auch noch höchst unglücklich und höchst fragwürdig zustande gekommen“, sagt Klos.

Das kann man so sehen, muss man aber nicht.

Auch Samir Arabi glaubt, dass der Platzverweis den DSC um eine niederlagenfreie Hinserie gebracht hat: „Es ist natürlich hypothetisch, aber ich glaube, wenn wir das Spiel mit elf gegen elf beendet hätten, hätten wir nicht verloren.“

Krönung der Trainerkarriere?

Arabi ist dennoch hochzufrieden mit dem bisher Erreichten. „Wir haben mit Beginn der aktuellen Saison nahtlos da weitergemacht, wo wir am Ende der Vorsaison aufgehört haben.“ Neuhaus hatte Arminia aus der Abstiegsregion auf Abschlusstabellenplatz sieben geführt und nun sogar zum Herbstmeister geformt. Der Aufstieg mit Arminia in die 1. Liga, sagt er, wäre die Krönung seiner Trainerkarriere.

Auswärts sind die Bielefelder unter Neuhaus das mit Abstand beste Team der Liga. In der Heimtabelle aber belegt der DSC nach den ersten 18 Spielen nur den 13. Rang. Wenn es also etwas auszusetzen gibt, dann dass „wir zu Hause sicherlich zu wenig Punkte geholt haben“, sagt Arabi. Doch woran liegt’s, dass der DSC auswärts (23) mehr als doppelt so viele Punkte gesammelt hat wie daheim (11)? Zum einen natürlich daran, dass die Ostwestfalen inklusive des ersten Rückrundenspiels (0:3 auf St. Pauli) zweimal häufiger in der Fremde antraten als in der Schüco-Arena. Und sonst? Neuhaus unternimmt einen Erklärungsversuch: „Wir haben auswärts regelmäßig sehr viel Geduld und Selbstvertrauen an den Tag gelegt. Zu Hause fühlt die Mannschaft sich vielleicht herausgefordert, ein höheres Risiko zu gehen, weil doch etwas Unruhe aufkommt, wenn man dreimal quer spielt.“

Das Heimpublikum hat sich im Laufe des Jahres mehr und mehr an den unter Neuhaus praktizierten Ballbesitzfußball gewöhnt. Dem einen oder anderen wird bei den vielen Passstafetten, die durch die eigene Abwehrreihe und nicht selten auch über Torwart Stefan Ortega Moreno laufen, aber immer noch angst und bange.

Teamgeist als bedeutender Faktor

„Wir sind nicht Bayern München, Manchester City oder der FC Liverpool, die jeden Gegner in jeder Situation beherrschen. Das ist nicht machbar“, sagt Neuhaus. Aber der 60-Jährige lässt sich von seinem Weg nicht abbringen. Und: Der Erfolg gibt ihm recht.

Sportchef Arabi würde sich sogar wünschen, dass die Profis den eingeschlagenen und auswärts bislang so erfolgreich beschrittenen Weg „auch zu Hause genauso konsequent geht“. Zumal der 40-Jährige den Eindruck hat, dass die Mannschaft in dem einen Jahr unter Neuhaus „reifer geworden ist in der Art, wie sie die Spiele bestimmt“.

Ein anderer bedeutender Faktor für den Erfolg ist der ausgeprägte Teamgeist. Neuhaus sagt, dass jeder Einzelne sein Ego dem großen Ziel Erstligaaufstieg hinten anstellt: „Viele Spieler, auch die, die nicht so regelmäßig spielen, erkennen, in welcher Situation wir sind. Sie verhalten sich so mannschaftsdienlich, dass hintenrum kein Stunk verbreitet wird. Da würde ich für jeden meine Hand ins Feuer legen.“

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7153405?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2536432%2F