>

Mo., 27.01.2020

Aufstiegskampf in der 2. Bundesliga: So haben Arminias Konkurrenten aufgerüstet Arabi: „Wir sind nicht neidisch“

Der Bielefelder Geschäftsführer Sport Samir Arabi während des Trainingslagers des DSC Arminia Bielefeld in Benidorm.

Der Bielefelder Geschäftsführer Sport Samir Arabi während des Trainingslagers des DSC Arminia Bielefeld in Benidorm. Foto: Thomas F. Starke

Von Dirk Schuster

Bielefeld (WB). Haben wir uns richtig vorbereitet? Halten die Nerven? Und haben wir richtig eingekauft? Erste Antworten auf diese Fragen erhalten die Topklubs der 2. Fußball-Bundesliga in dieser Woche. Am Dienstag startet die Rest-Rückrunde. Und das mit ein paar neuen Gesichtern. Auch die fünf Aufstiegskandidaten haben aufgerüstet. Ein Überblick:

Arminia Bielefeld

Der Spitzenreiter setzt auf Bewährtes. Denn die im Winter verpflichteten Oscar Linner (Torwart) und Sebastian Müller (Stürmer) sind Investitionen in die Zukunft. Weitere Transfers bis zum Frist-Ende am 31. Januar zeichnen sich nach Auskunft von Sportgeschäftsführer Samir Arabi derzeit nicht ab – weder Zu- noch Abgänge. Die personellen Veränderungen, die die Konkurrenten im Winter bisher vornahmen, hat Arabi im Blick, aber: „Es gibt keinen Grund, uns aus der Ruhe bringen zu lassen, geschweige denn, uns unter Druck gesetzt zu fühlen.“ Deutlich betont der 40-Jährige: „Wir wehren uns dagegen, wenn irgendwer glaubt, dass wir auch nur annähernd in die Dimensionen vorstoßen können wie der VfB Stuttgart oder der Hamburger SV.“ Die Verpflichtung von Joel Pohjanpalo, der auf Leihbasis vom Erstligisten Leverkusen zum HSV wechselt, diene dafür als das beste Beispiel. „Aber wir sind nicht neidisch“, betont Arabi. Zudem erklärt er selbstbewusst: „Wenn wir anknüpfen können an die starke Hinrunde und die Mannschaft sich bewusst ist, wie wir uns entwickelt haben und wie wir da hingekommen sind, dann brauchen wir uns nicht zu verstecken.“

Hamburger SV

Leihspieler Joel Pohjanpalo (Bayer Leverkusen) soll das Teil sein, das dem HSV im komplizierten Aufstiegspuzzle noch fehlt. Der Finne hat einigen Grund, sich voll reinzuhängen: Pohjanpalo will im Sommer zur EM. Aber: Nach einem Innenbandanriss muss sich noch zeigen, wie wertvoll der frühere Düsseldorfer für die Norddeutschen sein wird.

Im Visier hatte Hamburg auch Simon Terodde. Doch sein Verein, der 1. FC Köln, lehnte ebenso ab wie der 31-jährige Stürmer selbst.

Vor Pohjanpalo hatte der HSV in dem offensiven Mittelfeldakteur Louis Schaub (1. FC Köln) und Rechtsverteidiger Jordan Beyer (Borussia Mönchengladbach) bereits zwei weitere Erstligaakteure ausgeliehen – ein klares Signal, dass die Hanseaten lieber nichts dem Zufall überlassen wollen.

VfB Stuttgart

Die Abgänge der Schwaben sind prominenter als die bisherigen Zugänge. Mittelfeldspieler Santiago Ascacibar wanderte zum Bundesligisten Hertha BSC ab. Und auch dessen argentinischer Landsmann Emiliano Insua (Los Angeles Galaxy) hat sich verabschiedet. Dafür kam Flügelstürmer Darko Churlinov vom 1. FC Köln (Ablöse 200.000 Euro).

Der wichtigste Winterzugang ist aber ohnehin der kurz vor Silvester verpflichtete Trainer Pellegrino Matarazzo (42, vorher Co-Trainer beim Erstligisten 1899 Hoffenheim). Vorgänger Tim Walter wurde im Dezember entlassen.

1. FC Heidenheim

In Tobias Mohr vom Ligakonkurrenten Greuther Fürth angelte sich der Zweitliga-Vierte einen entwicklungsfähigen und zudem gefährlichen Mittelfeldspieler. Mohr erzielte im bisherigen Saisonverlauf ein Tor für die Fürther, fünf weitere bereitete er vor.

Erzgebirge Aue

Arminia und Heidenheim sind in der 2. Liga überraschend gut dabei. Doch die Sensation im Unterhaus heißt Erzgebirge Aue. Obwohl die Sachsen nur zwei Pünktchen Rückstand auf die gefühlten Erstligisten HSV und Stuttgart haben, spricht man im Erzgebirge weiterhin nur vom Klassenerhalt. Es wird spannend zu beobachten, wie schnell der Däne Jacob Rasmussen, der auf Leihbasis vom italienischen Erstligisten AC Florenz ins Erzgebirge kommt, sich im Auer Abwehrverbund akklimatisiert.

16 Spieltage bleiben noch, dann stehen die zwei direkten Aufsteiger in die 1. Liga fest. Der Druck wird ab jetzt immer mehr zunehmen. Arminias Sportchef Arabi sagt: „Es kann ein Faustpfand für uns sein, dass, wenn es eng bleibt, die Angst vor dem Versagen an anderen Standorten immens sein wird.“ Der HSV ließ sich bereits vor einem Jahr davon erdrücken, als er auf der Zielgeraden noch Paderborn und Union Berlin den Vortritt lassen musste. Den Hanseaten soll das bloß nicht noch einmal passieren. Darum haben sie im Winter mehr investiert als jeder ihrer Konkurrenten.

Kommentare

Erwartungsphantome

Zitat Arabi: „Wir wehren uns dagegen, wenn irgendwer glaubt, dass wir auch nur annähernd in die Dimensionen vorstoßen können wie der VfB Stuttgart oder der Hamburger SV.“

Gut, sicher. Nur wer hat denn im Umfeld solche Erwartungen? Meines Erachtens niemand. Es scheint mittlerweile Methode zu haben, dass Arabi und Rejek - überzogene - Erwartungen zurückweisen, die nur keiner hat. Vielleicht brauchen die beiden einfach mehr Austausch mit der Basis, falls das Fehlwahrnehmungen sind. Dass sie einen sehr guten Job machen, ist davon unbenommen.

Von diesen Bemerkungen unbenommen ist allerdings auch meine Auffassung, dass ein weiterer Offensivspieler, der Arminia weiterbringt, im Winter verpflichtet werden sollte, um die Chance auf den Aufstieg zu steigern. Dafür muss man nicht in die finanziellen Sphären von HSV oder VFB vordringen.




1 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7220405?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2536432%2F