Um das Stadion richtig voll zu bekommen, ist ein bisschen mehr nötig
Arminia allein genügt (noch) nicht

Bielefeld (WB). Der Tabellenführer öffnet die Türen zum Heimspiel, und die Zuschauer strömen in Scharen. Soweit der Wunsch. Die Wirklichkeit sieht etwas anders aus: Fast ein Drittel der Plätze in der Schüco-Arena (Fassungsvermögen 26.515) blieb beim jüngsten Heimspiel gegen Jahn Regensburg (6:0) leer. Ein irritierendes Bild. Nur 18.160 Besucher waren zur Zweitliga-Partie gekommen, darunter 250 aus Regensburg. Doch woran liegt es, dass Arminias Aufstiegskampf nicht noch mehr Fans auf die Alm lockt? Eine Analyse.

Donnerstag, 13.02.2020, 07:21 Uhr aktualisiert: 13.02.2020, 08:58 Uhr
Ausverkauft! So sieht es aktuell nur bei wenigen Heimspielen von Arminia Bielefeld aus. Foto: Thomas F. Starke
Ausverkauft! So sieht es aktuell nur bei wenigen Heimspielen von Arminia Bielefeld aus. Foto: Thomas F. Starke

Erster gegen Siebter – den nackten Zahlen zufolge hatte das Duell zwischen Arminia und Jahn durchaus seinen Reiz. Doch obwohl die Oberpfälzer eine gute Saison spielen, ist Regensburg kein Publikumsmagnet. Und dass der Name des Gegners erheblich mitentscheidet darüber, wie voll die Bielefelder Arena wird, ist offensichtlich. So sind für die kommende Heimpartie gegen Hannover 96 (Sonntag, 23. Februar) bereits mehr als 22.000 Tickets verkauft. Zwar spielen die Niedersachsen eine enttäuschende Saison. Doch anders als Regensburg hat der Name Hannover in den Ohren vieler noch immer einen gewissen Klang. Und das wiegt offenbar sogar schwerer als der Ticketpreis: Gegen Hannover kostet die teuerste Sitzplatzkarte stolze 39 Euro, gegen Regensburg betrug der Preis in der selben Kategorie 33 Euro.

Zu hohe Ticketpreise?

Ausverkauft war die Alm in dieser Saison erst ein Mal – beim 1:1 gegen Hamburg. Stellt sich die Frage, ob die Ticketpreise insgesamt zu hoch sind. Arminias Finanz-Geschäftsführer Markus Rejek (51) sagt: „Nein. Wir haben vor eineinhalb Jahren ein neues Preissystem eingeführt mit einer besseren und wie wir finden gerechteren Differenzierung. Mit 19 Euro bieten wir einen sehr günstigen Sitzplatzpreis an, der in der 2. Liga in der Form kaum zu finden ist.“ Allerdings gelten die 19 Euro nur für ausgewählte Spiele wie demnächst gegen Wehen Wiesbaden.

Im Familienblock könnten laut Rejek zudem „Kinder und Jugendliche zu sehr reduzierten Preisen unsere Spiele besuchen. Die Preise für die Stehplätze haben wir nicht angehoben und verfolgen hiermit eine deutliche Haltung.“

Ein weiterer Faktor neben der mangelnden Attraktivität des Gegners, der den Kartenverkauf für das Regensburg-Spiel hemmte, war zweifelsfrei das Wetter. Wegen Sturmtief Sabine dürfte bei dem einen oder anderen Unentschlossenen das Pendel in Richtung Couch anstatt in Richtung Stadion ausgeschlagen haben.

Was allerdings auffällt: Nicht nur der Besuch gegen Regensburg blieb hinter den Erwartungen zurück. Auch beim vorherigen Heimspiel gegen Bochum (2:0) gelang es nicht, die 20.000er-Marke zu knacken. Rejek: „Natürlich hätten wir uns über eine noch vollere Schüco-Arena bei den ersten beiden Spielen gefreut. Die, die nicht gekommen sind, werden sich im Nachhinein vielleicht ärgern.“

Faktor Anstoßzeiten

19.685 Besucher sahen das traditionsreiche Westfalen-Derby, darunter 1500 Gästefans aus Bochum. Bleiben demnach 18.165 Arminia-Anhänger – also nur unwesentlich mehr als gegen Regensburg (17.910). Doch auch hier gibt es für die Zurückhaltung einen Grund. Dienstagabend, 18.30 Uhr ist für viele Arbeitnehmer, Kinder und Auswärtsfans ein K.o.-Kriterium. Rejek glaubt: „Eine spätere Anstoßzeit hätte sicherlich 1000 bis 2000 Fans mehr angezogen.“

Eine Erkenntnis aber hat Arminia aus diesen zwei Partien gewinnen können: Auf einen Stamm von rund 18.000 Fans kann sich der DSC immer verlassen – egal an welchem Tag, egal um welche Zeit, egal bei welchem Wetter. Knapp 11.500 dieser Fans sind übrigens im Besitz einer Dauerkarte.

Doch die Zahlen verdeutlichen auch: Arminia allein genügt nicht, um die Alm voll zu bekommen. Das ist an anderen Zweitligastandorten anders. Obwohl der FC St. Pauli und Dynamo Dresden im Keller feststecken, ist der Besucherschnitt dort deutlich höher.

Gegen Regensburg war die Alm nur zu 68 Prozent ausgelastet (Saisonschnitt 77 Prozent). Zum Vergleich: Die beiden anderen Spitzenteams VfB Stuttgart (50.848 Zuschauer gegen Aue) und der Hamburger SV (49.581 Zuschauer gegen Karlsruhe) verzeichneten am vergangenen Samstag gegen ähnlich attraktive Gegner eine Auslastung von 84 beziehungsweise 87 Prozent.

Hoffnung auf neuen Besucherrekord

Dennoch: Die Gesamtentwicklung im Zuschauerbereich bei Arminia ist positiv. Der Heim-Besucherschnitt in der laufenden Serie beträgt bislang rund 20.600. „Wir konnten in den letzten zwei Spielzeiten immer wieder neue Zuschauerrekorde aufstellen und sind in dieser Saison dabei, einen neuen Bestwert zu erreichen“, betont Rejek. „In diesem Winter haben wir mit 1905 Rückrunden-Dauerkarten einen weiteren neuen Rekord erzielt. Anders als der Ligadurchschnitt, der eher stagniert, entwickeln wir uns aktuell in den meisten Bereichen mit sehr gutem Wachstum.“

Die Hoffnung auf einen neuen Zweitliga-Besucherrekord ist berechtigt. Zwar gastiert in Wehen Wiesbaden noch ein weiterer überschaubar attraktiver Gegner in Bielefeld. Doch sowohl gegen Hannover als auch gegen Osnabrück wird der aktuelle Schnitt deutlich überboten werden. Und sollten die Ostwestfalen bis zum Schluss im Aufstiegsrennen bleiben, dürfte es auch bei den letzten beiden Heimspielen gegen Darmstadt und Heidenheim voll werden.

„Wir erleben seit fast zwei Jahren einen beachtlichen Aufschwung. Auf der anderen Seite haben wir in den vielen Jahren davor nicht unbedingt Bäume ausgerissen. Durch die Jahre der Krisen haben wir den ein oder anderen Fan verloren oder jüngere Generationen haben sich anderen Vereinen zugewandt“, erklärt Rejek. „Es ist unsere Aufgabe, die Begeisterung, den Stolz und die Identifikation der Menschen in Bielefeld und in Ostwestfalen-Lippe für ihren Verein wieder zu entfachen. Es braucht Zeit. Aber ich finde, wir sind auf einem guten Weg.“

Kommentare

Horvat  schrieb: 13.02.2020 13:07
Immer die selben ausreden
Ich gehe seid 25 Jahren zur Alm und jedes Jahr wird immer das selbe diskutiert, zu teure Karten, Manschaft muss in Vorleistung, falsche Führung, Leistung passt nicht. All dies ist nicht endscheidend wenn mann zu einem Klub steht. Das ist das Problem wir sind keine Fussball Stadt obwohl wir uns so sehen und bezeichnen, die Fakten und die Wirklichkeit sind andere. Natürlich haben wir viele Anhänger an andere Vereine verloren. Der Bielefelder sollte zu seiner Stadt stehen und nicht noch schlecht reden, sondern stolz sein und dies auch nach aussen vertreten. Dann entstehen auch keine Verschwörungs Theorien. Erst dann werden wir ernst genommen von aussen. Eine Stadt wie Bielefeld sollte einen Zuschauerschnitt egal was für ein Gegner bei 20000 haben. Man sollte bei sich anfangen und den Verein unterstützen und so ein Fundament bauen und nicht Erdbeeren mit Kirschen zu vergleichen. Gerade jetzt wo es so possitiv läuft gibt es keine Ausreden mehr, es sei denn man steht nicht zur Stadt. Ich danke den ca. 18.000 Menschen die meistens unseren Verein begleiten.
Hans-Joachim Krumrey  schrieb: 13.02.2020 10:27
nur teilweise richtig
Anstoßzeiten,Wetter,Preise sind nicht der wahre Grund für die schwachen Besucherzahlen.M.M.n.wird der Hauptgrund im letzten Abschnitt von Rejek genannt.Die Auslastung des Stadions,das zu bemängeln,sorry,ist Blödsinn.Umgekehrt könnte man auch sagen unser Stadion ist zu groß,also zurück bauen dann klappt's auch mit der Auslastung.Die Schüco Arena fasst 7,6% der Bielefelder Bevölkerung,das Volksparkstadion 3,35 %,das R.-H.Stadion in Dresden 5,6%,logisch das es da mit der Auslastung besser steht.Hätten wir z.b.ein Stadion wie Dresden,für 5,6% der Einwohner dann dürfte das Fassungsvermögen der Schüco Arena nur ca. 19.000 betragen,wir wären also zu 100% ausgelastet.Letztendlich zählt doch nur das wir wiederholt den Zuschauerschnitt steigern,21.000 werden es diese Saison werden,für Bielefeld und 2.Liga ein hervorragender Wert.
Dieter Pete  schrieb: 13.02.2020 08:04
Angebot und Nachfrage
Zuwenig Stehplätze, keine Stehplätze auf der Längsseite. Die Gegengerade war früher meistens rappelvoll, mit gutem Grund: gute Sicht bei niedrigen Preisen. Bombenstimmung gabs dazu. Es war ein Fehler, die neue Tribüne nur mit Sitzplätzen zu bestücken (Frauenfußball-Länderspiele hin oder her): am Bedarf vorbeigeplant.
3 Kommentare
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