Arminia bezwingt Hannover in einer Regenschlacht – sechs Punkte vor Platz drei
Allen Widrigkeiten getrotzt

Bielefeld (WB). Sicher gab es viele gemütlichere Plätze, um am Sonntag seinen Nachmittag zu verbringen. Und doch wird später, vielleicht mit Ausnahme der aus Hannover angereisten Fans, mit großer Wahrscheinlichkeit niemand bereut haben, den Widrigkeit in der ausverkauften Schüco-Arena getrotzt zu haben. Eben auf den Rängen auszuharren und dabei Gas zu geben, so wie es die Spieler des DSC Arminia parallel auf dem Platz taten.

Montag, 24.02.2020, 07:35 Uhr aktualisiert: 24.02.2020, 07:38 Uhr
Wasserschlacht in Bielefeld: Fabian Klos (links) und Hannovers Waldemar Anton kämpfen um den Ball. Foto: Thomas F. Starke
Wasserschlacht in Bielefeld: Fabian Klos (links) und Hannovers Waldemar Anton kämpfen um den Ball. Foto: Thomas F. Starke

Erneut stellte der Spitzenreiter mit seiner Performance unter Beweis, warum kein Weg am Ex-Bundesligisten vorbeiführt, wenn es um den Bundesligaaufstieg geht. Der DSC trotzte am Sonntag nicht nur dem Regen, der mit Windböen durch das Stadion peitschte, sondern auch einem tiefen, kaum bespielbaren Platz. Zudem einem starken Gegner Hannover 96, den man am Ende dank Joker Reinhold Yabo mit 1:0 (0:0) bezwingen konnte.

„Das zeigt, was die Mannschaft zu leisten im Stande ist. Auch kurzzeitig den Schalter umzulegen und zu sagen: Dann machen wir es komplett anders, dann spielen wir lange Bälle“, lobte Stürmer Fabian Klos. Denn es waren alles andere als gewöhnliche Umstände, die das Spiel begleiteten. Lange stand nicht einmal fest, ob die Partie überhaupt ausgetragen werden kann, weil der vom Regen geflutete Platz in einem desolaten Zustand war. Erst gegen 13.20 Uhr entschied Schiedsrichter Robert Hartmann, dass angepfiffen wird – mit 30 Minuten Verzögerung.

Mentalität und Brechstange

23. Spieltag: DSC Arminia vs. Hannover 96 (1:0)

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Weder Bielefeld noch Hannover konnten auf dem klitschnassen und tiefen Rasen spielerisch glänzen. Vor allem der DSC, sonst Freund des gepflegten Kurzpass- und Kombinationsspiels, tat sich mit den Bedingungen schwer. Hannover passte sich schneller an und kam durch Sebastian Jung (3. Minute) und John Alberto Guidetti (6.) schon früh zu guten Chancen.

„So macht es weniger Spaß. Einfach abzusagen ist auch schwierig. Aber wenn ich die Wahl gehabt hätte, hätte ich nicht angepfiffen. Der Fußball blieb so auf der Strecke“, sagte Arminias Trainer Uwe Neuhaus zu den erschwerten Umständen.

Gefragt waren am Sonntag also vor allem Mentalität und Brechstange. Anscheinend auch eine Kombi, die der DSC – wenn es sein muss – beherrscht. Denn obwohl Bundesligaabsteiger Hannover lange Zeit besser im Spiel war, setzte sich am Ende doch Bundesligaaspirant Arminia durch.

„Ich glaube, dass uns die Wechsel gut getan haben. Wir haben in der Phase vorher kaum zweite Bälle bekommen, sind nur noch hinterher gerannt. Wir hatten überhaupt keine Entlastung mehr“, analysierte Neuhaus. Vor allem Reinhold Yabos Hereinnahme belebte das Bielefelder Spiel extrem. Nach 76 Minuten zielte die Offensivkraft noch knapp daneben. Sieben Minuten später ließ Yabo mit seinem Abstauber zum 1:0 die Alm beben. „Als ich reinkam habe ich das Gefühl gehabt: Hier geht noch was! Das war bei jedem Einzelnen das Gefühl, dass wir einen Dreier holen können“, sagte der Matchwinner.

Bundesliga-Sehnsucht förmlich spürbar

Anscheinend ist in der DSC-DNA der Glaube tief verwurzelt, Berge versetzen zu können. Oder eben Regen, Wind und Hannover zu trotzen. „Wir haben uns in der Halbzeit vorgenommen: fighten ohne Ende, keinen Ball verloren geben, Fehler akzeptieren, irgendwie einen über die Linie drücken und den Sieg dann über die Zeit retten. Es macht mich natürlich glücklich, dass wir das geschafft haben“, stellte Uwe Neuhaus zufrieden fest, dass der Plan voll aufgegangen war.

Ein ausverkauftes Stadion, die Kulisse stimmungsvoll, die Atmosphäre erstklassig: An Tagen wie diesen ist Bielefelds Bundesliga-Sehnsucht förmlich spürbar. Und sie wird immer realer. Sechs Punkte beträgt der Vorsprung auf den Tabellendritten Hamburger SV (41), drei Zähler sind es bis zum Zweiten VfB Stuttgart (44).

Ganz klar, dass der DSC Stadtgespräch ist und jetzt erst recht bleibt. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass viele nicht über den Aufstieg reden. Aber wie soll das auch gehen, wenn wir seit Wochen oben in der Spitzengruppe stehen. Vom Reden allein steigt man aber nicht auf. Wir müssen jede Woche neu ans Limit gehen“, betonte Fabian Klos. Das 1:0 gegen Hannover diente dafür als Musterbeispiel.

Kommentare

advocatus_diaboli  schrieb: 24.02.2020 09:47
Arminia zeigt großen Willen
Fußball ist mehr als ein 1:0. Mich hat es sehr gefreut, wie sich gestern ein ganzes Stadion Fanlager übergreifend schon in der Ansprache von Stadionsprecher Wiese mit lautem Beifall zu Toleranz und Weltoffenheit und gegen Rassismus eindeutig positioniert hat. Hier darf es gerade unter dem Eindruck der brutalen Morde von Hanau keine Relativierungen geben. Arminia- und H96-Fans jedenfalls stehen zu Migranten und gegen Ausgrenzung.
Zum Spiel: Die Platzverhältnisse ließen Arminias unter Trainer UN erworbenes gepflegtes Kurzpassspiel nicht zu. Wer in Führung geht, war klar im Vorteil, es ging primär über den Kampf. Es hat mich sehr gefreut, dass Reinhold Yabo nach seiner Einwechselung für frischen Wind sorgte, und auch so ein nach außen selbstverständliches Abstaubertor will erst einmal im Team erarbeitet sein, hier stand ein Offensivspieler mit Torjägerqualitäten sicher nicht zufällig goldrichtig.
Weil Soukou ein technisch guter Kicker ist und der tiefe Boden seiner Spielweise diametral entgegenstand und zudem auch Klose einen schweren Stand gegen eine aufmerksame 96-Deckung hatte, war Arminia im Sturm eher harmlos, Hannover hatte indes nicht das Glück des Tüchtigen, ein Remis hätte den wechselseitigen Leistungen gerecht entsprochen, umso schöner, dass Arminia nun 6 Punkte Vorsprung vor dem Dritten Hamburger SV hat und sogar 9 Zähler vor dem 4. Heidenheim steht.
UN’s Mannschaft hat großen Willen gezeigt, Arminia wird uns mit diesem Kampfgeist und dieser spielerischen Klasse noch viel Freude machen!
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