Coronavirus: Wie sich Arminia auf das Spiel gegen Wiesbaden vorbereitet – mit Video
„Rassismus noch gefährlicher“

Bielefeld (WB). 20.400 Karten hat Arminia schon verkauft, der DSC rechnet beim Heimspiel der 2. Fußball-Bundesliga an diesem Sonntag gegen den SV Wehen Wiesbaden (13.30 Uhr, Schüco-Arena) mit mehr als 22.000 Zuschauern – trotz Coronavirus.

Samstag, 29.02.2020, 08:13 Uhr aktualisiert: 29.02.2020, 08:16 Uhr
Arminia-Trainer Uwe Neuhaus. Foto: Starke
Arminia-Trainer Uwe Neuhaus. Foto: Starke

„Wir befinden uns im täglichen Austausch mit dem Gesundheitsamt der Stadt Bielefeld. Wir sind auf die Experten angewiesen, weil wir keine Mediziner sind“, erklärte Klubsprecher Daniel Mucha am Freitag. „Unser Stand ist, dass das Spiel stattfindet. Es gibt keine anderen Anzeichen derzeit.“ Die Ordner und auch die Einlaufkinder werden mit Handschuhen ausgestattet, ergänzte Mucha.

DSC-Trainer Uwe Neuhaus hat für die Mannschaft und das Team drumherum klare Hygieneregeln aufgestellt. „Sie haben ja schon bei der Begrüßung gemerkt, dass ich keinem die Hand gegeben habe“, sagte er am Freitag bei der turnusmäßigen Spieltags-Pressekonferenz gegenüber den Journalisten und erklärte: „Die heutige Zeit bringt mit sich, dass man große Sorgfalt walten lassen sollte. Vielleicht wird es ein klein wenig übertrieben, Deutschland steht ein bisschen Kopf. Auf der anderen Seite: Was passiert, wenn der erste Spieler von einem deutschen Verein das Virus hat? Fällt dann das Spiel aus? Muss die ganze Mannschaft 14 Tage in Quarantäne? Die Folgen sind noch nicht absehbar, deshalb sollte man nicht leichtfertig damit umgehen.“ Übertreiben sollte man es mit der Hysterie wiederum auch nicht. Der 60-Jährige scherzte: „Ich müsste eigentlich besonders aufpassen, weil ich gehört habe, dass das Virus insbesondere für ältere Menschen gefährlich ist.“

Kein Jubelverbot

Ein Jubelverbot hat Neuhaus für das Wiesbaden-Spiel nicht erlassen. „Wir sind nicht so ängstlich. Wenn jemand ein Tor schießt, freue ich mich mit demjenigen und fasse ihn beim Jubeln auch an“, sagte Marcel Hartel. Es sei wichtig für jeden Einzelnen, so der Mittelfeldspieler, sich streng an die Hygieneregeln zu halten und regelmäßig die Hände zu desinfizieren.

Neuhaus und Hartel bezogen auch zu einem anderen bedeutenden Thema, das den Fußball derzeit stark bewegt, Position. In den vergangenen Monaten hatten sich rassistische Beleidigungen gegen dunkelhäutige Spieler wie Hertha-Profi Jordan Torunarigha oder Leroy Kwadwo vom Drittligisten Würzburger Kickers auch in Deutschland gehäuft. Zudem schockierte die rassistisch motivierte Gewalttat von Hanau.

„Für mich hat Rassismus nirgendwo etwas zu suchen. Doch leider gibt es diese Fälle, auch wenn es nicht sein dürfte“, sagte Hartel, der betonte: „Jeder Mensch ist gleich.“

Zwar wisse er nicht genau, wie er konkret reagieren würde, wenn einer seiner Spieler rassistisch beleidigt werden würde, sagte Neuhaus. Dafür erklärte er deutlich: „Das Thema ist vielleicht genauso akut wie Corona – und ich glaube noch wesentlich gefährlicher. Das braucht kein Mensch.“

Als Profi mit Thema Rassismus konfrontiert

Ob er seine Mannschaft vom Platz holen würde, sollte sich einer seiner Spieler rassistischen Beleidigungen ausgesetzt sehen, „würde ich nicht alleine entscheiden wollen“, so Neuhaus. „Ich müsste mich mit Sportgeschäftsführer Samir Arabi und den anderen zuständigen Leuten besprechen. Die Entscheidung, wie ich reagieren würde, habe ich für mich noch nicht getroffen.“

Neuhaus erinnerte sich daran, wie er sich zu seiner Zeit als Profi mit dem Thema Rassismus konfrontiert sah. „Als Spieler in Wattenscheid habe ich damals erlebt, dass die berühmten Laute aus der Kurve gegen Samy Sané auf dem Platz zu hören waren. Das gibt es schon sehr, sehr lange.“

Die Medienlandschaft sorge heute dafür, dass Themen dieser Art schneller präsent seien. „Das hat sich in den 30 Jahren seitdem brutal verändert. Wir haben die Brandbeschleuniger wie Social Media, die alles x-fach potenzieren“, sagte Neuhaus: „Aber in solchen Fällen kann es eigentlich nicht groß genug sein, um sowas aufzudecken und es auch möglichst einzudämmen.“

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