Warum die „billige“ Arminia die 2. Liga anführt
Das Geheimnis ihres Erfolgs

Bielefeld (WB). Der VfB Stuttgart und Arminia Bielefeld spielen nicht in einer Liga – zumindest finanziell. Während der Erstligaabsteiger aus dem Schwabenland in der aktuellen Saison etwa 40 Millionen Euro für die Lizenzspieler-Abteilung ausgibt, sind es beim DSC bescheidene 13 Millionen.

Montag, 09.03.2020, 05:00 Uhr aktualisiert: 09.03.2020, 10:38 Uhr
Mit ihrer mannschaftlichen Geschlossenheit wollen die Arminen auch beim VfB Stuttgart bestehen. Foto: Thomas F. Starke
Mit ihrer mannschaftlichen Geschlossenheit wollen die Arminen auch beim VfB Stuttgart bestehen. Foto: Thomas F. Starke

Und dennoch sind die Arminen vor dem Duell an diesem Montag (20.30 Uhr, Mercedes-Benz-Arena) Tabellenführer der 2. Liga, mit sechs Punkten Vorsprung auf den VfB und den Hamburger SV (Etat von etwa 27 Millionen Euro).

Bielefelds Trainer Uwe Neuhaus versucht sich an einer Erklärung, warum seine günstige Mannschaft vor dem sechsmaligen Deutschen Meister HSV und dem fünfmaligen Deutschen Meister VfB steht. „Das ist eine Dynamik, die im vorletzten Dezember angefangen hat. Wir hatten nur drei Tage Zeit, dann haben wir in Kiel gespielt – und waren sehr erfolgreich. Das schafft sofort den Glauben an die eigene Stärke. Das hat sich in der Rückrunde fortgesetzt, genauso in der Vorbereitung. Dann entwickeln sich viele Dinge“, erinnert der DSC-Coach. Neuhaus hatte Mitte Dezember 2018 die Nachfolge von Jeff Saibene angetreten und das erste Spiel in Kiel 2:1 gewonnen. Zwar verlor Arminia dann das letzte Spiel des Jahres 1:2 gegen Heidenheim, doch mit Beginn des Jahres 2019 begann eine Erfolgsgeschichte, die immer noch nicht beendet ist.

„Mentalität schlägt Qualität“

Neuhaus hatte der Mannschaft in kürzester Zeit ein neues Spielsystem (4-3-3) schmackhaft gemacht, in der Rückschau vergisst er aber auch Saibene nicht. „Die Spielweise von Jeff Saibene war perfekt als Vorbereitung für mich: defensive Grundordnung, gut gegen den Ball arbeiten. Wir wollten dann mit dem Ball arbeiten. Beides kombiniert ist eine ganz gute Mischung. Er hat gute Arbeit geleistet, das habe ich schon immer gesagt“, lobte Neuhaus seinen Vorgänger vor dem Spiel gegen Stuttgart nochmal ausdrücklich.

Der Punkteschnitt des 60-Jährigen seit seinem Amtsantritt liegt bei 2,00 Punkten in 42 Spielen, in dieser Spielzeit bei 2,1 Punkten (50 Zähler aus 24 Spielen). Vielleicht passt hier der Spruch „Mentalität schlägt Qualität“, oder mit Neuhaus’ Worten: „Wir sind von den Einzelspielern sicher nicht die am besten besetzte Mannschaft. Aber der Erfolg, der Glaube daran, kann schon einiges bewirken. Ich glaube, dass uns die wenigsten zugetraut hätten, wie die Saison bisher gelaufen ist.“

Zehn von zwölf Heimspielen gewonnen

Sollte nun auch noch in Stuttgart gewonnen werden, würden vermutlich auch die größten Pessimisten unter den Arminia-Fans an den Aufstieg glauben. Doch die Hürde VfB ist wohl die höchste, die die DSC-Profis noch überspringen müssen während ihres Laufes zum großen Ziel. Stuttgart hat zehn von zwölf Heimspielen gewonnen, die vergangenen sechs in Serie. Trainer Pellegrino Matarazzo kann auf den besten Kader der Liga zugreifen (Gesamtmarktwert laut Transfermarkt.de: 69 Millionen Euro, Arminia: 22,25 Millionen), beim VfB spielen Stars wie Mario Gomez, Daniel Didavi oder Holger Badstuber. „Sie haben exzellente Fußballer“, sagt Neuhaus über den Gegner.

Doch schon im Hinspiel Ende September war der DSC nah dran an zumindest einem Punkt. Es stand bis zur 90. Minute 0:0, obwohl die Gastgeber nach einer Gelb-Roten Karte gegen Fabian Klos seit der 60. Minute in Unterzahl waren. Eine Unachtsamkeit der nun müden Bielefelder nutzten die Stuttgarter zum Siegtreffer. Es war die erste Saisonniederlage der Arminen, bis dato folgte nur eine weitere (0:3 beim FC St. Pauli am 18. Spieltag).

Vor einem Jahr 1:5 in Köln

Für die Bielefelder wird die Partie heute die mit der bislang größten Kulisse dieser Saison. Mehr als 51.000 Zuschauer wollen beim Spitzenspiel dabei sein, etwa 1500 DSC-Fans machen sich auf den Weg nach Stuttgart. Auf den Tag genau vor einem Jahr spielte Arminia vor 50.000 Zuschauern beim 1. FC Köln und verlor 1:5. Dass die große Kulisse seine Mannschaft beeindrucken oder gar hemmen könnte, glaubt Uwe Neuhaus nicht. „Es ist nichts Besonderes. Klar ist es ein größerer Rahmen, aber eigentlich hat man doch noch mehr Motivation und noch mehr Leidenschaft, weil es viel mehr Spaß macht vor mehr Zuschauern.“

So könnten sie spielen

Ortega Moreno - Brunner, Pieper, Nilsson, Hartherz - Prietl - Edmundsson, Hartel - Clauss, Klos, Yabo

Kommentare

Klaus Müller  schrieb: 09.03.2020 15:15
Bielefeld hat Fabian Klos und Uwe Neuhaus
Der eigentliche Unterschied ist nicht das Gehalt der Spieler. Stuttgart hat jetzt auch nicht unbedingt überragend eingekauft. Arminia profitiert einfach von einem stabilen Team und einem sehr guten Trainer.... und von Fabian Klos, den viele Arminen vor einem Jahr noch los werden wollten.
Man kann nur hoffen, dass Klos sich nicht noch auf den letzten Metern vor Saisonende verletzt. Dass wäre das einzige, was Arminia aktuell noch aufhalten könnte.
1 Kommentare
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