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Do., 12.03.2020

Geisterspiel und Coronavirus: Arminia Bielefelds Trainer Neuhaus kritisiert Entscheidungsträger – Rejek ruft zu Solidarität auf – mit Video „Keiner traut sich, Entscheidungen zu treffen“

Arminias Geschäftsführer Markus Rejek (links) und Trainer Uwe Neuhaus.

Arminias Geschäftsführer Markus Rejek (links) und Trainer Uwe Neuhaus. Foto: Jens Brinkmeier

Von Sebastian Bauer und Jens Brinkmeier

Bielefeld (WB). „Es ist ein Spiel für den Kopf”. Für Arminia Bielefelds Geisterspiel am Freitag gegen den VfL Osnabrück hat die Aussage von DSC-Trainer Uwe Neuhaus eine doppelte Bedeutung. Nicht nur der Gegner wird die Arminen beschäftigen, sondern auch die ungewohnte, wohl gespenstische Situation in der Schüco-Arena.

„Ich habe mir Gladbach gegen Köln angesehen. Das ist schon eine andere Sportart. Ich habe in dieser Woche immer probiert, den Fokus auf den Sport zu lenken und ich hoffe, dass mir das gelungen ist. Ich darf die Gedanken bei Spielern gar nicht zulassen, was das Geisterspiel bedeutet. Wenn wir auf dem Platz stehen, muss jeder wissen, dass wir diese Gedanken nicht brauchen“, betont Uwe Neuhaus und ergänzt: „Man kann ohne Leute Fußball spielen, aber das macht deutlich weniger Spaß.“

Am Dienstag wurde entschieden, dass die Partie unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen werden muss. Lediglich 300 bis 400 Menschen werden am Freitagabend im Stadion sein. „Das sind nur Menschen, die eine Funktion haben: Mitarbeiter der Geschäftsstelle, Ordnungsdienst, Sanitäter, Medienvertreter und die engsten Angehörigen der Spieler“, sagt Arminias Finanz-Geschäftsführer Markus Rejek.

Zu weiteren Szenarien und künftigen Spielen wollten sich Rejek noch nicht konkret äußern: „Wir haben uns vorgenommen, erst über die Faktenlage zu entscheiden. Ich halte nichts davon, irgendwelche Szenarien an die Wand zu malen. Wir tun gut daran, jetzt von Spieltag zu Spieltag zu denken. Es geht ja um die Gesamtentwicklung, nicht nur in Deutschland. Am Ende müssen auch wir unseren Teil beitragen, die Ausbreitung der Epidemie einzugrenzen.“

Kritik an zögerlichen Entscheidungen

Aber es wurde auch Kritik an der aktuellen Entscheidungsentwicklung deutlich. „Ich habe das Gefühl, es traut sich keiner in Deutschland, Entscheidungen zu treffen. Das fängt ganz oben an. So kommen wir nicht weiter“, betont Uwe Neuhaus. Und Markus Rejek ergänzt: „Meiner Meinung nach muss man auch soweit gehen und fragen, was mit der Europameisterschaft ist. Man muss fragen, ob eine EM zu diesem Zeitpunkt und unter diesen Bedingungen überhaupt Sinn macht.“

Auch um den Sport ging es bei der obligatorischen Spieltags-Pressekonferenz, denn immerhin steht ein Derby gegen den VfL Osnabrück an. Und der kommende Gegner nötigt Neuhaus trotz eines sportlichen Tiefs Respekt ab: „Osnabrück hat zuletzt nie schlechte Leistungen gezeigt. Die Mannschaft glaubt immer daran, noch etwas bewirken zu können.“

Kommentare

Geld,Geld,Geld

Muss ich alles aufzählen was bereits abgesagt wurde? Erspar ich mir.Einzig der Fußball macht weiter.Fairerweise muss man dazu sagen das alles was bisher abgesagt wurde zusammen nicht annähernd den Betrag ausmacht um den es beim Fußball geht.Fußball ist nun mal der Massenmagnet,die Sportart Nr.1 in Deutschland.Ein Milliarden Geschäft an dem zig tausende Arbeitsplätze hängen.Die Wettbewerbsverzerrung ist bereits gegeben.Kann man eine zu 3/4 gespielte Saison einfach annullieren?Die Gesundheit aller muss vorgehen,keine Frage,wo aber bleibt die Fairness? Ein sofortiger Abbruch hätte weitreichende Konsequenzen, Insolvenzen wären vorprogrammiert.Die Fussballlandschaft würde sich zu gunsten der großen weiter verschieben.Eine vernünftige Lösung muss her,dringends.

Der Corona-Virus hat selbst entschieden

Es gibt nun einen 2. mit Corona infizierten Spieler bei Hannover 96 (Horn). Die ganze Mannschaft von Hannover muss14 Tage in Quarantäne. Keiner weiß im Moment, wann Horn sich angesteckt hat (Inkubationszeit (mind.) bis zu 14 Tagen). Der hat z.B. in Bielefeld auch gespielt. Danach gegen Kiel. Und letzte Woche in Nürnberg. Kiel wiederum hat letzte Woche dann gegen Fürth gespielt. Damit ist jetzt doch jetzt klar, dass die 2. Liga nicht weiterspielen kann. Und zwar gar nicht mehr in dieser Saison. Was muss da noch entschieden werden von unseren Funktionären? Der Virus hat selbst schon entschieden. Gott sei Dank, könnte man zynisch sagen. Die Fußball-Funktionäre drücken sich ja um die unvermeidbare Entscheidung.

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