Doch kein Geisterspiel in Bielefeld: So lief das mit der Absage – mit Video
Die DFL setzt dem Spuk ein Ende

Bielefeld (WB). Der Absage-Tweet der Deutschen Fußball Liga ist gerade zwei Minuten in der Welt, als um 16.15 Uhr Philipp Heithölter sein Klub-Köfferchen unbeirrt in Richtung Stadioneingang zieht. Arminia Bielefelds Video-Analyst hat von der kurzfristigen Entscheidung, den 26. Spieltag in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga zunächst einmal komplett ausfallen zu lassen, noch nichts mitbekommen. Ein Journalist ruft ihm die Info zu. Der 37-Jährige überprüft das via Handy, macht dann auf dem Absatz kehrt und wünscht ein schönes Wochenende. Noch am Vormittag hatte die DFL verkündet, dass der Spieltag durchgeführt wird. Und nun das.

Samstag, 14.03.2020, 05:18 Uhr aktualisiert: 14.03.2020, 05:40 Uhr
Die TV-Produktionsverantwortliche Sarah Reinhold bespricht sich mit DSC-Sprecher Daniel Mucha (links) und Christian Venghaus, Leiter Organisation und Spielbetrieb bei Arminia.

Arminias-Ex-Profi Heithölter ist nicht der einzige Vereinsangestellte, der in Erwartung des ersten Geisterspiels der Arminia-Geschichte gegen den VfL Osnabrück bereits an der Schüco-Arena eingetroffen ist. Physiotherapeut Mario Bertling hat seinen Pkw geparkt und ist in den Stadionkatakomben verschwunden. Und auch Benjamin Schmedes, Sportdirektor des VfL Osnabrück, ist gerade im Begriff, seinen SUV auf den Parkplatz zu steuern.

DFL-Versammlung am Montag

„Angesichts der Dynamik mit neuen Corona-Infektionen und entsprechenden Verdachtsfällen in direktem Zusammenhang mit der Bundesliga und 2. Bundesliga hat das Präsidium der DFL Deutsche Fußball Liga (DFL) kurzfristig beschlossen, den ursprünglich am Freitag beginnenden 26. Spieltag in beiden Ligen zu verlegen. Damit fällt das für heute um 18.30 Uhr angesetzte Heimspiel des DSC Arminia Bielefeld gegen den VfL Osnabrück aus”, gibt wenig später dann auch der DSC über seine Klubmedien die DFL-Entscheidung weiter. Zudem heißt es dort: „Alle weiteren Entscheidungen, die den Spielbetrieb der Bundesligen betreffen, werden am kommenden Montag auf der DFL-Mitgliederversammlung getroffen.“

Die Absage spricht sich schnell herum. Streifenwagen und Krankenwagen, die bereits ihre Stammplätze im Stadionbereich eingenommen haben, fahren davon. Und auch Physiotherapeut Bertling sowie Stadionsprecher Sebastian Wiese machen sich auf den Rückweg. Mit seinen Durchsagen, den Jingles, dem Verkünden der Mannschaftsaufstellungen hatte Wiese wenigstens ein bisschen Stadionatmosphäre transportieren wollen und sollen. Alles hätte auf Wunsch des Gastgebers so normal wie möglich ablaufen sollen angesichts der alles andere als normalen Umstände an diesem sonnigen Abend im Bielefelder Westen.

Eigentlich perfektes Fußballwetter also – sowohl für die Teams als auch für die Fans. Doch schon auf dem Weg zur Arena, wo sich auf der Stapenhorststraße und den übrigen Zufahrtswegen sonst Stoßstange an Stoßstange reiht und die Autos nur im Schneckentempo zu den Parkplätzen gelangen, ist kaum etwas los.

Hinter der Südtribüne an der neuen Almhalle, wo es an Spieltagen um diese Zeit normalerweise nach Bier und Bratwurst riecht, wo sich die Wege der Kutten- und Trikotträger kreuzen, wo die Menschenmassen aus dem U-Bahn-Schacht an der Oetker-Halle strömen, sind gerade einmal eine Handvoll Leute unterwegs, zwei gehen mit ihren Hunden Gassi. Statt der Fangesänge hört man nur das Zwitschern der Vögel.

DSC-Profis erfahren bei Spaziergang von Absage

Die Arminia-Profis vertreten sich drei Kilometer Luftlinie entfernt bei einem Spaziergang gerade die Beine, als die Sportliche Leitung des DSC die Absage-Information der DFL via Telefon übermittelt bekommt. 20 Minuten vor dem offiziellen Tweet ist Sport-Geschäftsführer Samir Arabi derjenige, der die Nachricht als Erster erhält und intern weitergibt. Der Mannschaftsbus fährt die Spieler vom Teamhotel in der Bielefelder Innenstadt zum Stadion, wo die Profis ihre Pkw geparkt haben. Von dort fahren sie nach Hause.

Wann sie sich in der nächsten Woche an der Friedrich-Hagemann-Straße zum Training treffen, haben Arabi, Trainer Uwe Neuhaus und dessen Assistenten am späten Freitagabend beratschlagt. Natürlich und insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass laut DFL bis einschließlich 2. April der Spielbetrieb in der 2. Liga ebenso wie in der 1. Liga ausgesetzt ist. Ob es dann wirklich weitergeht und wenn ja, ob Zuschauer dabei sein dürfen, ist offen.

Für Freitag, 3. April ist das Heimspiel der Arminia gegen Dynamo Dresden (28. Spieltag) terminiert. Doch dass an jenem Abend um 18.30 Uhr auf der Alm dann auch tatsächlich der Ball rollen wird, vermag noch niemand vorherzusagen.

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