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Mo., 16.03.2020

Individualtraining, Homeoffice, Online-Handel – aber einen Verdachtsfall gibt es noch nicht Das Virus und die Folgen für Arminia

Das Stadion bleibt leer, die Arbeit geht weiter: DSC-Finanz-Geschäftsführer Markus Rejek.

Das Stadion bleibt leer, die Arbeit geht weiter: DSC-Finanz-Geschäftsführer Markus Rejek. Foto: Thomas F. Starke

Bielefeld (WB). Für die Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen beginnen heute die „Corona-Ferien”. Wirklich frei haben die Pennäler aber nicht. Laut Schulministerium wird empfohlen, die Kinder und Jugendlichen mittels diverser Digital- und Onlineangebote „in der Zeit bis zum Beginn der Osterferien zum Lernen zu Hause anzuhalten“. So ähnlich läuft das auch bei Arminia Bielefeld. Vorerst bis zum 2. April ruht der Spielbetrieb . Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Thema, wie der Tabellenführer der 2. Fußball-Bundesliga mit dem Coronavirus umgeht, haben die WESTFALEN-BLATT-Redakteure Sebastian Bauer, Jens Brinkmeier und Dirk Schuster zusammengetragen.

 

Wie läuft das Training der Profimannschaft ab?

Die Arminen trainieren bis auf Weiteres jeder für sich und nicht gemeinsam auf dem Platz. Einen geplanten Termin, wann das Team sich wieder auf dem Trainingsgelände an der Friedrich-Hagemann-Straße versammelt, gibt es laut Klubsprecher Daniel Mucha nicht. Jeder Spieler hat, ähnlich wie in der Vorbereitung, einen individuellen Trainingsplan bekommen. Die Überwachung erfolgt auf digitalem Weg. Die Trainingsdaten können sozusagen in Echtzeit auf dem Computer des Trainers abgerufen werden. Bei Uwe Neuhaus laufen die Fäden zusammen. Der Chefcoach steht mit seinen Assistenten regelmäßig in Kontakt. Die individuellen Trainingspläne beinhalten Laufeinheiten im Freien sowie Stabilitätsübungen. Fitnessstudios sind für die Profis tabu.

 

Wie kommunizieren Trainer- und Funktionsteam, Mannschaft, Ärzte und Geschäftsstellenmitarbeiter untereinander?

Teamsitzungen gibt es nicht. Stattdessen machen sich die Arminen die modernen Kommunikationsmöglichkeiten zunutze, zu denen Videochats und Whatsapp-Gruppen gehören. Die Mannschaft hat schon lange eine eigene Whatsapp-Gruppe, auch das Trainer- und Funktionsteam sowie die Geschäftsstellenmitarbeiter sind umfangreich miteinander vernetzt.

 

Ist es Spielern oder Mitarbeitern der Geschäftsstelle erlaubt, Kurzreisen ins Ausland zu unternehmen?

Den Spielern sind Auslandsreisen aktuell untersagt. Geschäftsstellenmitarbeiter seien laut Mucha verpflichtet, ihr Reiseziel zu benennen, damit der Arbeitgeber die damit verbundenen Risiken besser einschätzen kann.

 

Wird den Spielern empfohlen, Bielefeld derzeit nicht zu verlassen?

Empfohlen ja, vorschreiben aber kann der Klub den Spielern nicht, in der Stadt zu bleiben.

 

Gibt es bei Arminia bereits einen Corona-Verdachtsfall?

„Nein, es gibt bisher im gesamten Verein keinen Verdachtsfall”, sagt Klubsprecher Mucha.

 

Sind bereits alle Mitarbeiter und Profis auf Corona getestet worden?

„Einen Pflichttest hat es bisher nicht gegeben”, sagt Mucha. Dieser sei auch (noch) nicht geplant.

 

Kurzarbeit, Schichtarbeit, Einteilung in Gruppen: Wie gestaltet sich der Arbeitsalltag der Geschäftsstellenmitarbeiter?

In der Arminia-Geschäftsstelle sind circa 50 Mitarbeiter beschäftigt. Einige arbeiten von zu Hause, andere weiterhin in der Geschäftsstelle. „Es gibt bei uns kleinere Büros, in denen normalerweise bis zu fünf Personen gleichzeitig sitzen. Das vermeiden wir, indem einige Kollegen von zu Hause arbeiten“, erklärt Mucha. So haben unter anderem die Mitarbeiter des Nachwuchsleistungszentrums auf Homeoffice umgestellt, da die Jugendteams den Spielbetrieb vorerst einstellen mussten. Die frei gewordenen Räume werden nun von jenen Mitarbeitern, die noch zur Geschäftsstelle kommen, genutzt, um sich bestmöglich verteilen zu können.

 

Gibt es neue Öffnungszeiten für den Fan- und Ticketshop oder wird dieser gar für einen längeren Zeitraum geschlossen?

„Eine Schließung des Fanshops ist bislang nicht beschlossen worden“, sagt Mucha. Man setze in den kommenden Wochen dennoch verstärkt auf den Online-Handel.

 

Wie geht Arminia mit öffentlichen Terminen, also mit Presse-, PR- und Sponsorenterminen um?

Mucha: „Sämtliche Termine dieser Art haben wir erst einmal abgesagt.”

 

Haben die Vereine der 1. und 2. Liga eine Versicherung, die bei Geisterspielen und Spielausfällen die Verluste im Bereich Ticketing ausgleicht?

„Ich glaube, ich kann behaupten, dass kein Verein der 1. und 2. Liga dagegen versichert ist”, sagt Finanz-Geschäftsführer Markus Rejek. „Gegen so eine höhere Gewalt gibt es keine Versicherungen.”

 

Muss Arminia aufgrund des Coronavirus und den Folgen den finanziellen Kollaps befürchten?

„Arminia Bielefeld wird leiden. Wir sind zwei Jahre nach der Sanierung nicht soweit, dass wir bis zu drei Millionen Euro Verlust einfach wegstecken könnten”, hatte Rejek bereits am vergangenen Donnerstag erklärt. Dabei bezog er sich auf fehlende Zuschauereinnahmen, die Arminia dann drohen würden, wenn die restlichen fünf Heimspiele dieser Saison ohne Publikum oder gar nicht stattfinden würden. In einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ sagte der 51-Jährige nun, er setze bei der außerordentlichen Versammlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) mit den 36 Profiklubs an diesem Montag in Frankfurt auf den „Solidaritätsgedanken“: „Es wird dabei auch um Klubs gehen, um die es derzeit schlechter bestellt ist als um Arminia Bielefeld. Wir haben uns zumindest sportlich etwas erarbeitet, auf das wir stolz sein können: Wir stehen auf Platz eins der 2. Bundesliga.“

Kommentare

Corona und die Fußball Bundesligen

Es macht sich ja jeder so seine Gedanken auch zur Fußball Bundesliga. Annulierung und Neustart im August kann und will ich mir nicht vorstellen und wäre sportlich das aller letzte. Hatte jeder bisher seine Chance sich entsprechend zu bewähren und zu platzieren. Bei Annulierung dürften dann ja sogar aus Liga 1 die selben Vereine, die nach der vergangenen Saison Euro- bzw. Champions League spielten erneut dort starten. Ich wäre wenn total alternativlos aufgrund der Dauer dieses blöden Virus bei Abbruch der Saison für Wertung der jetzigen Tabelle. Kein Absteiger aus den 3 Profiligen. Dafür Aufstockung der 3 Ligen auf jeweils 20 oder gar 21 Vereine. Über die Klassen darunter müssten sich die jeweiligen Verbände Gedanken machen. Dann eben mehr engl. Wochen. Dafür eben für Liga 1 mal ein oder zwei Länderspiele weniger. Würde wohl die Fernsehgelder der Vereine (an Hrn. Rummenigge) sogar noch steigern. In den nächsten 3 Spieljahren dann jeweils 3 Absteiger und ein Relegationsspiel. Dann wäre man in 3 Jahren wieder bei 18 Vereinen je Liga. Damit müsste eigentlich so ziemlich jeder leben können und sich solidarisch auch im Sinne von Sportlichkeit damit erklären. Außergewöhnliche, unvorhersehbare Vorgänge erfordern eben auch mal außergewöhnliche Entscheidungen. Frage ist bei Annulierung dann auch welcher Amatuerverein spielt DFB Pokal? Zur Belohnung für Corona die selben wie letztes Jahr?

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