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Mo., 11.05.2020

Kommentar zur Saisonfortsetzung im deutschen Fußball Diese Bedingungen sind irregulär

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Dirk Schuster

Deutschland und die Bundesliga waren schon zum leuchtenden Beispiel für andere Nationen erklärt worden, in denen die Fußballverbände ebenfalls lieber heute als morgen den Spielbetrieb wieder aufnehmen würden. Doch kaum ist der Re-Start hierzulande beschlossen, ziehen um den vermeintlichen Leuchtturm dunkle Wolken auf.

Die Corona-Fälle in Dresden konterkarieren den Plan einer geordneten Saisonfortsetzung massiv. Mehr noch: Sie führen einen regulären Wettbewerb ad absurdum.

Innerhalb von sechs Wochen will die Deutsche Fußball Liga die Restsaison durchpeitschen. Eine Woche davon müssen die Profis von Dynamo Dresden in häusliche Quarantäne. Während Dynamo sich wie alle anderen Klubs der 2. Liga auf ein den Umständen entsprechendes Niveau trainieren konnte, nehmen die Konkurrenten in Kürze nun auch den Wettkampf auf, während die Sachsen zu einer Zwangspause verpflichtet sind. Diese Pause kann nicht nur über den Abstiegs-, sondern auch über den Aufstiegskampf entscheiden.

Denn nicht nur, dass Dynamo als Tabellenletzter den Sturz in die 3. Liga befürchten muss (was nebenbei bemerkt dem Klub im Falle eines Saisonabbruchs womöglich erspart bliebe). Die Dresdner bekommen es auf der Zielgeraden auch noch mit den Aufstiegsanwärtern Arminia Bielefeld (28. Spieltag), VfB Stuttgart (29. Spieltag) und Hamburger SV (31. Spieltag) zu tun.

Es wäre gewiss kein Nachteil für den dann schon eingespielteren Spitzenreiter Arminia, wenn der DSC Ende Mai daheim auf einen Gegner trifft, der sich nach zweiwöchiger Mannschaftstrainingspause erst einmal neu sortieren muss. Welche Begeisterung dies wiederum beim Tabellendritten Hamburg auslösen dürfte, der erst zweieinhalb Wochen später gegen Dresden antreten darf, kann man sich leicht ausmalen.

Das Risiko, dass eine Saison-Fortsetzung unter diesen Bedingungen der Glaubwürdigkeit des deutschen Profifußballs weiter massiv schadet, sind alle Protagonisten sehenden Auges eingegangen. Das Beispiel Dresden hat allen Beteiligten nun früh vor Augen geführt, wie real die totale Absturzgefahr tatsächlich ist. Die Fallhöhe ist dabei enorm.

Kommentare

Nicht sehendes Auges, sondern weltfremd

Ich habe eher den Eindruck, dass der Profi-Fußball den drohenden Imageverlust schlichtweg nicht erkannt hat, als er seine Entscheidungen getroffen hat. Schon früh waren ja kritische Stimmen zu hören, erste Umfragen zeigten ein gespaltenes Meinungsbild, die Debatte schwoll immer mehr an und wurde immer lauter. Man hat es falsch eingeschätzt, sicher auch weil man trotz mancher Kritik an den wirtschaftlichen Exzessen in den letzten Jahren machen konnte, was man sollte. Die Liebe der Fans schien trotz allen Frusts unbegrenzt und damit auch unbegrenzt ausbeutbar. Man wird sich wieder mehr damit auseinander setzen, was das Publikum denkt und will. Das Gespür dafür hat man allerdings komplett verloren. Der Fußball ist gewissermaßen weltfremd geworden.

1 Kommentare

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