Dresdens erster Gegner nach der Quarantäne ist Arminia – Arabi spricht von Notsituation
„Die Integrität des Wettbewerbs retten“

Bielefeld (WB). Am Montagvormittag beziehen die Fußballprofis von Arminia Bielefeld ihr einwöchiges Quarantäne-Trainingslager in Marienfeld/Kreis Gütersloh. 40 Einzelzimmer hat der Zweitliga-Tabellenführer im „Sporthotel 11“ der Klosterpforte gebucht. Andere Gäste sind nicht im Hotel. Arminia hat die 180.000 Quadratmeter große Anlage mit ihren drei Fußballplätzen praktisch für sich allein. Dort bereitet sich der DSC nun auf das Punktspiel am Sonntag, 13.30 Uhr, gegen den VfL Osnabrück vor.

Montag, 11.05.2020, 05:20 Uhr aktualisiert: 11.05.2020, 10:18 Uhr
Arminias Sportchef Samir Arabi fordert dazu auf, aus der schwierigen Situation das Beste zu machen. Foto: Thomas F. Starke
Arminias Sportchef Samir Arabi fordert dazu auf, aus der schwierigen Situation das Beste zu machen. Foto: Thomas F. Starke

Bevor die Mitte März abgebrochene Saison wieder aufgenommen wird, müssen die Teams in Quarantäne, um angesichts der Corona-Pandemie die Ansteckungsgefahr zu minimieren und die Fortsetzung des Spielbetriebs nicht zu gefährden. So schreibt es die Deutsche Fußball Liga (DFL) vor.

Noch bevor der Ligakonkurrent Dynamo Dresden sein Quarantäne-Trainingscamp beziehen konnte, hat es bei den Sachsen bereits weitere Corona-Fälle gegeben. Ein Beispiel, das zeigt, auf welch wackligen Beinen das DFL-Konzept steht, das weiterhin einen Saisonabschluss bis Ende Juni vorsieht.

Wenn die Dresdner Profis ihre nun erforderliche zweiwöchige häusliche Quarantäne hinter sich haben, heißt ihr erster Gegner voraussichtlich am Mittwoch, 27. Mai (der Spieltag ist noch nicht zeitgenau terminiert) Arminia Bielefeld. Den Dresdnern blieben dann nur drei bis vier Tage Zeit, um sich im Mannschaftstraining auf die Partie in der Bielefelder Schüco-Arena vorzubereiten.

Regulärer Wettbewerb?

Stellt sich die Frage, ob unter diesen Umständen noch von ei­nem regulären Wettbewerb gesprochen werden kann. Dazu DSC-Sport-Geschäftsführer Samir Arabi: „Dass die Liga nicht mehr so laufen würde wie vorher, war ja klar. Die fehlenden Zuschauer, die Häufigkeit der Englischen Wochen – es gibt eine Reihe von Einschnitten, die die Frage nach regulären Bedingungen begründen. Doch es ist nun einmal so, dass wir uns in einer Notsituation befinden. Und wir haben uns alle gemeinsam entschieden, diesen Weg zu gehen. Und dabei geht es auch darum, die Integrität des Wettbewerbs zu retten.“

Dass ein Fall wie jetzt in Dresden auftritt, könne man „an keinem Standort zu 100 Prozent ausschließen“, sagt Arabi. „Aber es geht am Ende darum, bestmöglich die Saison zu Ende zu spielen. Das ist kein Traumszenario, aber es wäre sicher erheblich schlimmer, wenn wir die Saison abbrechen müssten.“

Dynamo wird also frühestens gegen Arminia wieder ins Geschehen eingreifen. Ob die Bielefelder bei ihrem Re-Start gegen Osnabrück bereits wieder auf Andreas Voglsammer bauen können, ist Arabi zufolge noch offen. Der Stürmer hatte sich Ende Januar beim 0:0 in Aue den Mittelfuß gebrochen und könnte nun als Gewinner der Corona-Pause hervorgehen. Während des Trainingscamps in Marienfeld wird Arminia den Ernstfall in einem internen Duell elf gegen elf proben. Dann kann sich Voglsammer beweisen.

Auch Abwehrspieler Brian Behrendt befinde sich nach seinem Kreuzbandriss, den er sich zu Saisonbeginn zuzog, laut Arabi auf einem guten Weg.

Kommentare

Michix2  schrieb: 11.05.2020 12:12
Kein Wille zu Plan B vorhanden - auf Kosten der Gesundheit auch der Spieler
Es ist keine Frage, dass auch der Fußball sich in einem Dilemma befindet. Wie sollte es auch anders sein, es geht ja sehr vielen unter Corona so. Dennoch würde ich mir nicht nur mehr Geduld und Demut vom Profi-Fußball wünschen, sondern auch mehr Rücksicht auf die Gesundheit aller. Und damit auch auf die Gesundheit der Spieler. Auf die warnenden Wortmeldungen von Sportmedizinern mit Blick auf Folgeschäden oder schwere Krankheitsverläufen bei Prof-Sportlern wird nicht eingegangen - stattdessen wird viel über Wettbewerb geredet. Das Gesundheitskonzept ist insgesamt fahrlässig, es enthält z.B. viel zu kurze Quarantänezeiten für Spieler mit Symptomen. Und es überschätzt - wie am Fall Dresden offenbar wurde - die Zuverlässigkeit von Tests in zeitlicher Hinsicht, da Infektionen nicht unmittelbar zu positiven Tests führen.

Es ist für mich unverständlich, dass kein Plan B ernsthaft erwogen wurde. Die 4. Rate der TV-Gelder ist geflossen und kann m.W. bei Saisonabbruch mit den TV-Geldern der nächsten Jahre verrechnet werden. De facto ist es damit ein Kredit, mit dem man einige Monat überbrücken könnte - nämlich bis zur nächsten Saison, die dann ca. im September starten könnte. Einen Saisonabbruch ohne Abstiege und mit Ligenaufstockung hätten alle Vereine akzeptieren können in dieser Ausnahmesituation. Spätestens der öffentliche Druck hätte diese Akzeptanz herbeiführen können. Im September wird man mehr wissen und vielleicht auch schon Medikamente einsetzen können. Dieser Zeitgewinn hätte durchaus was bringen können. Vom zu befürchtenden Image-Verlust für den Profi-Fußball mal ganz zu schweigen.

Eins ist jedenfalls sicher: stirbt nun ein Spieler oder wird zum Sportinvaliden infolge von Covid-Folgeschäden kann der Profi-Fußball sich auf einen Imageverlust einstellen, der die unmittelbaren finanziellen Corona-Schäden perspektivisch weit übertreffen wird. Auch finanziell.
Beutelipper  schrieb: 11.05.2020 09:56
Reguläre Bedingungen wird es in den nächsten 2 Jahren nirgendwo geben. Im Restaurant nicht und auch nicht in der KfZ-Zulassungsstelle, wo ich seit 6 Wochen keinen Termin bekomme. Bei der Online-Terminvergabe erscheint in roter Schrift "Notbetrieb wegen Corona" und "es könnte noch schlimmer kommen". Wenn der Fußball erst wieder loslegen kann, bis alle Spieler negativ getestet sind, wird es keinen Profifußball mehr geben, darüber müssen sich die Leute im Klaren sein. Im den Talk-Shows im TV kommen zu 99 % Menschen zu Wort, die nicht um ihre Existenz kämpfen müssen, bzw. sogar persönlich profitieren, etwa der plötzlich gefragte Politiker oder der seinen "Marktwert" und Bekanntheitsgrad steigernde Wissenschaftler, bei aller Wertschätzung für Karl Lauterbach oder Ranga Yogeshwar. Wäre der Fußball lediglich Real Madrid, Manchester City oder St. Germain, würde ich ihn gnadenlos gegen die Wand fahren lassen. Aber ich bin Fußball-Romantiker und Arminia macht einen nicht unerheblichen meines Lebens aus. Hoffentlich wird alles gut.
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