Wie Arminia das Geisterspiel gegen Osnabrück plant – Weitere Termine stehen fest
Leere Ränge, hoher Aufwand

Bielefeld (WB). „Tor für Arminia, Tor für die Blauen!“ Diesen Ausruf von Stadionsprecher-Legende Lothar Buttkus soll es auch am Sonntag in der Schüco-Arena geben – falls der DSC Arminia im Geisterspiel der 2. Fußball-Bundesliga gegen den VfL Osnabrück (13.30 Uhr) ein Tor schießt. Ansonsten ist aber nahezu alles anders als früher – vor Corona.

Freitag, 15.05.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 15.05.2020, 05:02 Uhr
Christian Venghaus (Leiter Organisation und Spielbetrieb, links) bespricht sich mit Maik P. Lohmeyer (Leitung IT). Foto: Starke
Christian Venghaus (Leiter Organisation und Spielbetrieb, links) bespricht sich mit Maik P. Lohmeyer (Leitung IT). Foto: Starke

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat den 36 Vereinen der Bundesliga und der 2. Liga ein 35-seitiges Papier („Organisations-Rundschreiben Sonderspielbetrieb“) zukommen lassen mit Maßnahmen, wie die Spiele über die Bühne zu bringen sind. Zusätzlich zum 51-seitigen Hygienekonzept ergibt sich daraus eine riesige Herausforderung, für die bei Arminia Christian Venghaus in der Verantwortung steht. Der 47-Jährige ist beim DSC der „Leiter Organisation und Spielbetrieb“.

„Natürlich ist das alles mit einem sehr hohen Aufwand für alle Beteiligten verbunden“, sagt Venghaus: „Aber das dient ja dem Schutz jedes Einzelnen im Stadion.“ Er hat die Koordination für alle organisatorischen und betrieblichen Aufgaben, zudem ist er erster Ansprechpartner des Hygienebeauftragten, den jeder Verein benennen musste. Das ist beim DSC Dr. Tim Niedergassel, einer der Mannschaftsärzte.

Venghaus hat mit seinem Team das Hygienekonzept der DFL studiert, ein Berg an Maßnahmen muss umgesetzt werden. Alle Vereine wissen: Fußball-Deutschland schaut an diesem Wochenende auf den Re-Start, einige werden nur auf Fehler warten.

Bei jedem Zweitligaspiel dürfen sich 270 Personen (1. Liga 322 Personen) auf dem Stadiongelände aufhalten, aufgeteilt auf drei Zonen. Zone eins ist der Stadioninnenraum, in dem sich insgesamt 90 Personen (1. Liga 98) aufhalten dürfen, inklusive der 22 Spieler auf dem Feld und der Trainer. Die 18 Ersatzspieler müssen umverteilt werden, weil auf den Ersatzbänken der vorgeschriebene Sicherheitsabstand von 1,50 Metern nicht gewahrt ist. „Wir haben ein bis zwei Reihen auf der leeren Westtribüne für die Heim- und die Gastmannschaft vorgesehen. Das ist das englische Konzept“, erklärt Venghaus. In der Premier League sitzen die Ersatzspieler und Betreuer generell in den ersten Tribünenreihen.

In den Zeiten vor der Corona-Krise, also während des regulären Spielbetriebs, sind es laut Venghaus 700 bis 800 Menschen, die am Stadion arbeiten. Nun dürfen sich in Zone zwei (Tribünenbereich) 98 Personen (1. Liga 115) aufhalten. Darunter sind die Mitarbeiter von TV-Anstalten (10), zehn Mitarbeiter von Printmedien, zehn Ordner, vier Polizisten.

In Zone drei (Stadionaußengelände) sind 82 Personen (1. Liga 109) zugelassen, darunter 50 Ordner und acht Greenkeeper. Diese dürfen vor und nach dem Spiel sowie in der Halbzeit auf den Rasen. Für alle Personen in allen drei Zonen gilt die Maskenpflicht, betont Venghaus. Ausgenommen sind lediglich die 22 Spieler. Arminia-Trainer Uwe Neuhaus und sein Osnabrücker Pendant Daniel Thioune dürfen ihren Mund-Nasen-Schutz abnehmen, wenn sie Anweisungen rufen – sofern sie dabei den Abstand von 1,50 Metern zu allen anderen einhalten.

Alle, die ins Stadion wollen, werden am Eingang vom Hygienebeauftragten Dr. Tim Niedergassel und dessen Team kontrolliert. Laut DFL-Hygienekonzept wird die Eingangskontrolle „anhand eines Fragebogens mit einer Negativauskunft u.a. zum Vorliegen von typischen Infektionssymptomen durchgeführt. Sobald ein Kästchen nicht angekreuzt werden und/oder mit dem Ohrthermometer eine Temperatur >38°C gemessen wird, kann ein Zutritt zum Stadion nicht gestattet werden.“

Die Anreise der Mannschaften soll aufgrund der Abstandsregeln mit mehr als einem Bus erfolgen. Die Arminen kommen direkt aus ihrem Quarantäne-Trainingslager in Marienfeld mit zwei Bussen. Im Stadion werden mehr Räume als sonst zur Verfügung gestellt, um auch in den Kabinen Abstände wahren zu können. Zudem soll es einen zweiten Antidoping-Raum und einen Isolationsraum geben. „Viel Platz ist bei uns in den Katakomben ja nicht, aber wir gestalten Räume um, die wir im Normalfall nicht zur Verfügung haben“, sagt Venghaus und meint zum Beispiel die Mixed Zone, in der sonst nach den Spielen die Interviews mit Spielern stattfinden.

Interviews geben die Spieler nur noch den TV-Anstalten auf dem Rasen, die Pressekonferenz findet virtuell statt. Gemeinsam jubeln dürfen die Kicker auch nicht. „Kurzer Ellenbogen- und Fußkontakt ist erlaubt“, heißt es im Rundschreiben an die Vereine. Die Fans werden den möglichen Jubel nur am TV erleben, ins Stadion dürfen sie bekanntlich nicht. Trotz der Geisterspiel-Atmosphäre plant Arminia aber „einen Rahmen zu schaffen der zeigt, dass wir in der 2. Bundesliga spielen“, verrät Venghaus. Dazu gehört neben dem „Torschrei“ auch das Verlesen der Aufstellung von Stadionmoderator Sebastian Wiese.

Fanjubel vom Band ist dagegen nicht erlaubt, außerdem dürfen die Tribünen nicht für kommerzielle Zwecke genutzt werden. Zaunfahnen oder Pappfiguren sind möglich. „Das sieht schon beeindruckend aus, da benötigt man aber auch 20.000, damit es wirkt. Wir haben andere Ideen“, sagt Christian Venghaus. Welche, das will er noch nicht verraten.

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