>

Sa., 16.05.2020

Wie DSC-Trainer Neuhaus und Kapitän Klos dem Re-Start in der 2. Liga entgegenblicken „Die Vorfreude ist nicht die gleiche“

In Marienfeld (Kreis Gütersloh) haben sich Trainer Uwe Neuhaus (links) und die Arminen auf den Re-Start in der 2. Liga vorbereitet.

In Marienfeld (Kreis Gütersloh) haben sich Trainer Uwe Neuhaus (links) und die Arminen auf den Re-Start in der 2. Liga vorbereitet. Foto: Thomas F. Starke/DSC Arminia

Bielefeld (WB). Geisterspiel statt Aufstieg vor vollem Haus, völliges Neuland statt Party mit 20.000 Fans auf dem Rathausplatz, Osnabrück statt Heidenheim: Anstatt an diesem Sonntag die Saison zu beenden, beginnt für Arminia Bielefeld jetzt erst der letzte Teil. Neun Spieltage im Zeichen von Corona stehen noch an. Vor dem Derby gegen den VfL Osnabrück (Sonntag, 13.30 Uhr) äußern sich Trainer Uwe Neuhaus und Kapitän Fabian Klos in virtuellen Pressekonferenzen über...

...den Re-Start nach zwei Monaten Zwangspause:

Neuhaus: Ich verspüre Freude, dass es endlich wieder losgeht. Auch Neugierde ist da, Spannung ist da. Die ganz große Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit liegt auf uns. Wir müssen unserer Vorbildfunktion gerecht werden.

Klos: Ich würde lügen, wenn ich jetzt sagen würde, dass man genauso viel Lust hat wie auf ein Spiel in einem vollen Stadion. Das soll nicht heißen, dass ich keine Lust habe. Ich habe definitiv Bock, wieder Fußball zu spielen, den nächsten Dreier einzufahren und weiter an unserem Traum zu arbeiten. Aber die Vorfreude ist nicht die gleiche, das würde mir ja kein Mensch abkaufen. Aber wenn der Schiedsrichter anpfeift, müssen wir das ausblenden. Das ist unsere Aufgabe. Nur so werden wir die Saison erfolgreich zu Ende spielen.

...die Hygieneregeln während der 90 Minuten:

Klos: Es ist für uns Spieler definitiv nicht einfach. Dadurch, dass die Zuschauer wegfallen, sind es jetzt nur noch wir Spieler, die Emotionen zeigen können. Ich kann nicht versprechen, dass ich in einem Zweitligaspiel, in dem wir um den Aufstieg spielen und ich ein Tor schieße, mich in jedem Moment ausdrücklich an die Regeln halten kann. Nicht, weil ich es nicht möchte, aber manchmal befindet man sich in einem Tunnel. Falls mir ein Fauxpas beim Torjubel unterläuft, entschuldige ich mich schon jetzt im voraus. Wenn ich Mindestabstände nicht einhalte, ist das nicht bewusst oder weil ich keinen Wert auf die Regeln lege.

Neuhaus: Wenn die Emotionen wieder ins Spiel kommen, kann einiges passieren. Die ganzen Abläufe, wie sie sonst waren, sind noch in den Hinterköpfen. Aber wir werden uns die allergrößte Mühe geben, dass nichts passiert. Ich hoffe auch, dass die Spieler nicht wie ferngesteuert herumlaufen, weil sie nur an die neuen Regeln denken.

...die Diskussion über die Sonderrolle des Fußballs:

Klos: Ich habe keine Kinder. Nichtsdestotrotz habe ich absolutes Verständnis für die Gegen-Argumente. Wir haben genug Väter in der Mannschaft, die sagen, wie schwer es ist, die Kinder bei Laune zu halten. Ich habe Verständnis für alle die fragen, warum die Fußballer im Vergleich zu den Kindern bevorzugt behandelt werden. Mehr als Verständnis zu zeigen ist für uns Spieler nicht möglich, aber das sollten wir tun. Es gibt nach wie vor Leute, die ganz andere und größere Sorgen haben als wir Fußballer.

...den Fall Heiko Herrlich:

Neuhaus: Das kann nicht wahr sein, habe ich gedacht. Es sollte nicht passieren. Aber wir sind alle Menschen und unterliegen Fehlern. Doch gerade in dieser Situation – eine Woche lang in Quarantäne – kann ich das doch nicht vergessen, kann es nicht ausblenden und kann es mir nicht egal sein. Da gehört die Disziplin dazu, das ohne Fehler durchzustehen.

Klos: Vor Heiko Herrlich habe ich insofern Respekt, dass er sofort sagt: Ich habe etwas falsch gemacht und trage die Konsequenzen. Wir sind nur Menschen, es ist für alle ungewohnt. Wir sind glücklich über das Privileg, dass wir unseren Job wieder aufnehmen dürfen, dafür sind wir auch sehr dankbar. Das ist aber auch mit sehr vielen Auflagen verbunden. Dass da mal jemand einen Fehler macht, ist okay – wenn er danach die Konsequenzen trägt.

Arminia-Kapitän Fabian Klos gibt bei der virtuellen PK zu, dass seine Vorfreude auf das Derby gegen Osnabrück nicht so groß ist wie in Zeiten mit Fans in den Stadien. Screenshot: Schuster

...eine mögliche Ansteckung mit dem Virus:

Klos: Wir haben viele Tests gemacht, alle sind negativ. Das zeigt, dass wir uns alle an die Maßnahmen halten. Ich werde ab und zu einkaufen und mit dem Hund spazieren gehen. Keiner möchte das Arschloch sein, das Corona bei uns in die Mannschaft trägt und dem Verein schadet. Wir versuchen, alles zu beachten und machen das sehr gut, sonst hätten wir schon einen Fall gehabt. Ich hoffe, dass wir es bis zum Ende durchziehen.

...die Tatsache, dass die Spieler nicht in die Entscheidungen der DFL eingebunden wurden:

Klos: Grundsätzlich ist es kein verkehrter Ansatz, die Spieler in die Entscheidungsfindung einzubinden. Ich kann nicht beurteilen, wie die Möglichkeiten dazu waren. Man kann nicht jeden Spieler nach seiner Meinung fragen. Ich war über den Trainer und unseren Sportchef Samir Arabi immer informiert. Letztlich ist es so, dass es Leute in der Branche gibt, die Dinge entscheiden müssen. Und die Äußerungen von manchen Spielern, dass die Verletzungsgefahr steigt, fand ich nicht klug. Ich hoffe, dass ich damit jetzt kein Eigentor schieße: Aber wir für unseren Teil lagen nicht auf der faulen Haut. Ich fühle mich gut vorbereitet.

...Dynamo Dresden, die wegen ihrer Quarantäne auf eine Verlegung der Partie bei Arminia (27. Mai) hoffen:

Neuhaus: Das kann man schon nachvollziehen, wenn man Betroffener ist. Ich treffe die Entscheidung Gott sei dank nicht. Wann auch immer wir gegen Dresden spielen, werden wir bereit sein.

Klos: Natürlich ist es für sie schwierig, wenige Tage nach Trainingsbeginn gegen eine Topmannschaft der Liga zu spielen. Ich bin zu weit weg und habe nicht in die Kabine geguckt. Aber es ist möglich, dass sich Leute nicht komplett an alle Regeln gehalten haben. Die DFL entscheidet. Wenn sie mehr Zeit bekommen, akzeptieren wir das.

...ein mögliches Abbruchszenario für die Saison:

Neuhaus: Das ist eine komplexe Angelegenheit. Man kann nicht so tun, als hätten ganze Spieltage nicht stattgefunden. Wir haben über einen enorm langen Zeitraum Topleistungen gebracht und stehen verdient an der Spitze. Es wäre eine Farce, wenn es nicht in Richtung Aufstieg gehen würde.

Klos: Wir stehen auf dem Platz an der Sonne, da spricht es sich leichter, das ist mir bewusst. Ich habe Verständnis für Mannschaften, die unten drin stehen. Aber jeder Verein hatte die gleiche Zeit, um Punkte zu sammeln und steht auf dem aktuellen Platz ein Stück weit zurecht. Wenn die Saison abgebrochen werden würde und ein Verein wie Arminia, der die beste Zweitligasaison seiner Historie spielt, am Ende nicht belohnt wird und nicht in die Bundesliga aufsteigen würde, wäre das eine sehr, sehr große Frechheit.

...den vor der Rückkehr stehenden Andreas Voglsammer:

Neuhaus: Ihm geht es wieder gut. Er ist seit einer Woche im Teamtraining und hat keine großen Rückstände. Er ist beschwerdefrei, es fehlt noch ein kleines bisschen Praxis. Und zu den Wechselgerüchten hat er ja schon klargestellt, dass nichts davon wahr ist. Das hat sich erledigt.

Klos: Ich habe mit ihm über die Gerüchte gesprochen und mache mir überhaupt keine Sorgen, dass er gehen könnte.

...Jonathan Clauss, der seinen Wechsel nach Lens bekannt gegeben hat:

Neuhaus: Während der Verhandlungen hatten wir immer ehrlichen Kontakt zueinander. Er hat sich für einen anderen Verein entscheiden, das ist legitim. Ich bin mir sicher, dass er weiter 100 Prozent bringen wird für unsere Mannschaft.

Klos: Jo hat bisher eine sehr gute Saison gespielt und sich mit guten Leistungen verdient, dass andere Vereine Interesse haben. Ich habe gar keinen Zweifel, dass er bis zum Schluss alles geben wird. Das geht dem Rest auch so.

..die Möglichkeit, in einem Spiel fünf Mal zu wechseln:

Neuhaus: Den Grundgedanken finde ich schon richtig, wenn es mal extrem kommt mit vielen Spielen in kürzester Zeit. Im Moment finde ich es nicht gut, weil das Spiel sehr stark verändert werden kann, wenn man die Hälfte der Feldspieler komplett wechseln darf.

...die völlig andere Art der Feier, sollte der Aufstieg gelingen:

Klos: Ich bin mir bewusst, dass es anders ablaufen würde. Aber der Erfolg hätte nichts an Bedeutung verloren. Man darf das nicht zu kurzfristig sehen, diese Momente kann man nachholen. Die Belohnung kann man sich abholen, wenn man dann vor hoffentlich vollen Häusern in Dortmund, München oder auf Schalke in der 1. Liga spielt.

Aufgezeichnet von Dirk Schuster und Jens Brinkmeier Arminia-Trainer Uwe Neuhaus erklärt während der Pressekonferenz, dass bei einem möglichen Abbruchszenario Arminia definitiv aufsteigen müsse. Screenshot: Schuster Foto:

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7411647?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2536432%2F