>

Di., 19.05.2020

Ohne Trainingslager sind Arminias Profis wieder auf sich gestellt „Müssen uns zusammenreißen“

Armine Amos Pieper hat sich über das späte Gegentor extrem geärgert.

Armine Amos Pieper hat sich über das späte Gegentor extrem geärgert. Foto: Starke/DSC

Von Dirk Schuster

Bielefeld (WB). Als Fußballprofi kann es nicht schaden, sich quälen zu können. Aber so? „Ich habe mir die Szene bestimmt noch 20 Mal angeguckt, weil ich wissen wollte, was vielleicht schief gelaufen ist“, sagt Amos Pieper. Der Armine meint diese verflixte vierte Minute der Nachspielzeit des Bielefelder Zweitliga-Re-Starts gegen den VfL Osnabrück. Nur: So wirklich schlauer ist der Abwehrspieler danach auch nicht.

„Die Entstehung war brutal unglücklich. Es war ja mehr oder weniger eine verunglückte Flanke, die an den Pfosten prallt. Von da kann der Ball dann überall hinfliegen“, sagt Pieper, der sich schon wundert, warum so viele Spieler freistanden.

Dass am Ende der Osnabrücker Marcos Alvarez dem Ball die entscheidende Richtung gibt und auf der Anzeigetafel bei Abpfiff ein 1:1 anstatt eines 1:0-Heimsieges aufleuchtet, „hat mich extrem geärgert“, sagt Pieper. „Das ist so ziemlich das Schlimmste: Tore, die fast zufällig entstehen.“

Ein bisschen gelegt habe sich sein Ärger erst beim Blick auf die anderen Ergebnisse. Verfolger Hamburg holt auch nur einen Punkt, Stuttgart und Heidenheim verlieren sogar – es hätte am Sonntag weitaus schlechter laufen können für Spitzenreiter Bielefeld.

Trotz der aufwühlenden Schlussphase und den vielen neuen Eindrücken bei Arminias Corona-Premiere wirkt Pieper während des Telefonats am Montag schon wieder ausgesprochen sortiert. Nach dem Regenerationstraining am Vormittag wolle er seine eineinhalb freien Tage nutzen, um alles sacken zu lassen, zu ordnen und das Spiel aufzuarbeiten. Und natürlich auch weiterhin darauf zu achten, die Hygienevorgaben der Deutschen Fußball Liga und des Klubs penibel einzuhalten. Denn anders als vor dem Osnabrück-Spiel beziehen die Arminen diesmal kein Quarantäne-Trainingslager. Vor der nächsten Partie am Sonntag in Hamburg sind sie nun erst einmal wieder ganz auf sich gestellt. „Wir haben immer noch extreme Auflagen und Beschränkungen einzuhalten“, sagt Pieper. „Wir müssen uns in vielen Dingen extrem zusammenreißen und diszipliniert sein.“

Dass auf ihn und seine Mitspieler noch weitere acht Saisonpartien unter den Corona-Bedingungen warten, sei zwar nicht schön, aber alternativlos. Pieper: „Es ist nicht gut, sich zu viel damit zu beschäftigen – nicht im Vorfeld und auch nicht während des Spiels.“

Dass sich Profikollegen wie Union Berlins Neven Subotic und Dynamo Dresdens Marco Hartmann darüber beklagen, die DFL habe hinsichtlich der Saisonfortsetzung die Meinung der Spieler weitgehend ignoriert, ist an Pieper nicht vorbeigegangen. „Es ist in diese Richtung tatsächlich nichts passiert, das stimmt“, sagt er. Jedoch „fand ich das Konzept der DFL von Anfang an ganz gut, deshalb hielten sich meine Bedenken auch in Grenzen“.

Was die DFL in ihren Planungen versäumt hatte, holte bei Arminia Uwe Neuhaus nach. Der DSC-Trainer sagte bei Sky: „Wir haben relativ zu Beginn die Spieler gefragt, wer Sorge hat um sich und die Familie. Ich habe dann auf Einzelgespräche gesetzt und jeden gefragt. Vor der gesamten Mannschaft fällt es manchen vielleicht schwerer, darüber zu sprechen.“ Stellvertretend für den DSC-Kader gibt Pieper die Antwort: „Wir haben bei Arminia ein großes gemeinsames Ziel und wollen uns durch nichts aufhalten lassen. Darum war recht schnell klar, dass wir es als Einheit so annehmen, wie es kommt.“ Und noch mehr als diejenigen, die am Sonntag im Stadion waren und diejenigen, die nicht da waren (die Fans), könne man sich ja gar nicht an die Regeln halten, urteilt der 22-Jährige.

Apropos Fans: „Es war ein zähes Spiel und sicher nicht unser bestes“, sagt Pieper. „Zusammen mit den 25.000 hätten wir das 1:1 aber womöglich irgendwie verhindert. Die Spiele gegen Hannover und Wiesbaden haben wir ja auch zu Ende verteidigt“, mutmaßt der Verteidiger, der einräumt: „Der Heimvorteil war schon mal größer.“

Am Sonntag in Hamburg könnte nun Arminia der Nutznießer sein. Pieper hätte dort dennoch lieber vor Publikum gespielt. Aber „ich freue mich trotzdem brutal darauf“, sagt er. „Es ist immer noch ein Spitzenspiel.“

Kommentare

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7414844?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2536432%2F