Arminia-Trainer Neuhaus über Feiern in Corona-Zeiten
Bierdusche und Gehirnwäsche

Bielefeld (WB). Bloß weil der Aufstieg und die Zweitligameisterschaft seit dieser Woche feststehen, ist es ja nicht so, dass Arminia Bielefeld keine Ambitionen mehr hätte. Zwei Ziele gibt es noch, die der DSC jetzt verfolgt.

Samstag, 20.06.2020, 06:00 Uhr
Mitten im TV-Interview überraschen die DSC-Profis ihren Trainer Uwe Neuhaus mit einer kräftigen Bierdusche. Foto: Thomas F. Starke
Mitten im TV-Interview überraschen die DSC-Profis ihren Trainer Uwe Neuhaus mit einer kräftigen Bierdusche. Foto: Thomas F. Starke

Erstens: bis zum Saisonende in diesem Kalenderjahr ungeschlagen zu bleiben. Und zweitens: ein Tor von Marcel Hartel. Es wäre schier unglaublich, sollte ein Profi mit den Fertigkeiten des 24 Jahre alten Mittelfeldspielers am Ende keinen Treffer zu dieser außergewöhnlichen Saison der Ostwestfalen beigesteuert haben.

Dass nach dem 1:0 (0:0) am Donnerstagabend über Darmstadt 98 zwei Spiele vor dem Serienende nun ein Spannungsabfall bei den bisher so gierigen Bielefeldern einsetzen könnte, befürchtet Uwe Neuhaus nicht. Arminias Trainer sagt: „So wie die Mannschaft gegen Darmstadt aufgetreten ist, so erwarte ich sie auch in Karlsruhe und gegen Heidenheim. Es gibt keine Alibis. Mit dem Erfolg im Rücken glaube ich schon, dass wir beim KSC wieder eine Topleistung abliefern können.“

Brunner kann wieder spielen

Neuhaus möchte sich zudem natürlich nicht den Vorwurf anhören müssen, mit seinem Team den Ab- und Aufstiegskampf auf der Zielgeraden beeinflusst zu haben. Der KSC kämpft als Drittletzter um den Ligaverblieb, der übernächste Gegner Heidenheim als Vierter um den Aufstieg.

Gegen Darmstadt, für das es in der Schüco-Arena um nichts mehr ging, hatte Neuhaus fünf personelle Veränderungen vorgenommen. Dass der DSC dennoch eine hoch konzentrierte und obendrein erfolgreiche Vorstellung ablieferte, spricht für die Qualität und den Charakter des Teams. Gegen Karlsruhe dürften die Angreifer Fabian Klos, Jonathan Clauss und Andreas Voglsammer nun aber wieder in die Startelf zurückkehren.

Auch Cedric Brunner kann am Sonntag (15.30 Uhr) im Wildparkstadion mit von der Partie sein. Der Rechtsverteidiger musste am Donnerstag aufgrund einer Gesichtsprellung ausgewechselt werden. „Es sah nicht so schlimm aus. Aber bei ihm gibt es ja eine Vorgeschichte. Ich glaube, dass das bei ihm sofort aufgeploppt ist“, erinnerte Neuhaus zunächst an die schwere Gehirnerschütterung und Schultereckgelenksprengung, die Brunner sich im Mai 2019 im Zweitligaderby gegen den SC Paderborn zugezogen hatte. Der Schweizer musste anschließend monatelang pausieren.

Nilsson-OP gut verlaufen

In Joakim Nilsson ist am Freitagmorgen ein anderer Abwehrspieler operiert worden. Der Schwede hatte sich am Knie verletzt, der Eingriff sei Arminia-Angaben zufolge nicht kompliziert gewesen.

Bei den kleinen Feierlichkeiten im Anschluss an das Darmstadt-Spiel war Nilsson noch mittendrin – und erlebte, wie die halbe Mannschaft ihrem Trainer während eines Live-TV-Interviews eine kräftige Bierdusche verpasste. „Die wilde Sau, die bei solchen Anlässen sonst rausgelassen wird, die kann man nicht spielen, weil die Emotionen fehlen“, bedauerte Neuhaus und führte aus: „Ich glaube, dass wir uns alle schon sehr verändert haben in der letzten Zeit. Ich bezeichne das immer als Gehirnwäsche, der man über die vergangenen Monate unterzogen wurde. Da hat sich vieles inzwischen automatisiert.“ Die Monate unter Corona-Einfluss haben ihre Spuren hinterlassen. „Wenn man die Verhaltensweisen in den asiatischen Ländern beobachtet, über die wir uns vielleicht jahrelang amüsiert haben, werden diese womöglich auch bei uns irgendwann normal.“

Neuhaus würde sich „wünschen, dass irgendwann wieder die Normalität einkehrt, dass man seinen Gefühlen freien Lauf lassen und dem Gegenüber so begegnen kann, wie man es gewohnt ist. Aber im Moment muss man das alles so akzeptieren.“

Die Corona-Unterbrechung sei für sein Team „die größte Prüfung“ in dieser Saison gewesen. „Wir haben sie mit Bravour bestanden.“

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