Heidenheim kann auf der Alm aus eigener Kraft die Relegation erreichen
Endspiel in Bielefeld

Heidenheim (dpa). Wenn Frank Schmidt ins Bett geht, dann findet er schnell zur Ruhe. Es gibt kaum etwas, was seinen Schlaf stört. In seinen nun schon fast 13 Jahren als Trainer des 1. FC Heidenheim war das eigentlich immer so. Der 46-Jährige wird auch jetzt nicht unruhig, obwohl er mit dem FCH vor dem größten Erfolg der noch jungen Vereinsgeschichte steht. Gewinnt Heidenheim am Sonntag (15.30 Uhr/Sky, Hinspiel 0:0) bei Arminia Bielefeld, wäre dem Klub die Relegation um den Aufstieg sicher. So nah war Heidenheim der Fußball-Bundesliga noch nie. Und Schmidt? „Ich schlafe immer gut“, erzählt der Trainer, ohne den diese Geschichte nicht möglich gewesen wäre.

Mittwoch, 24.06.2020, 20:00 Uhr
Schon lange in Diensten des FCH: Trainer Frank Schmidt Foto: Thomas F. Starke
Schon lange in Diensten des FCH: Trainer Frank Schmidt Foto: Thomas F. Starke

Rund 200 Meter Luftlinie vom Heidenheimer Stadion entfernt wurde der Familienvater geboren. „Zwischen Stadion und Krankenhaus liegen nur ein paar Bäume und Häuser“, erzählt er. Als Schmidt, aktuell der mit Abstand dienstälteste Coach im deutschen Profifußball, die Mannschaft des FCH im September 2007 übernahm, spielte sie noch in der Oberliga. Was folgte, ist eine Erfolgsstory, die nun vor ihrer nie geplanten Krönung steht. Dieser Erfolg mit seinem Heimatklub bedeute ihm sehr viel, sagt Schmidt. „Jeder weiß, dass ich von hier komme und es als meine Berufung ansehe, dass dieser Verein seine Ziele erreicht. Wenn man jetzt die Entwicklung sieht, schließt sich der Kreis. Manche dachten, dass unsere Entwicklung zu Ende ist, aber wir haben es trotzdem immer wieder geschafft, die nächste Hürde zu überspringen.“

Rund 50.000 Einwohner leben in der Stadt auf der schwäbischen Ostalb. Es kommt selten vor, dass die kleine Arena auf dem Schlossberg ausverkauft ist. Dennoch dürfte die große Mehrheit der Heidenheimer mitbekommen haben, dass der kleine FCH am vergangenen Sonntag den großen Hamburger SV in letzter Sekunde mit 2:1 besiegt hat. Heidenheim verdrängte den HSV vom dritten Platz und hat es im Saisonfinale nun in der eigenen Hand, die Relegation zu sichern. „Ob Regionalliga, 3. Liga oder 2. Liga. Wir wurden immer als Dorfklub belächelt“, sagte FCH-Vorstandschef Holger Sanwald der „Sportbild“. „Aber mit unserer ehrlichen und bodenständigen Arbeit können auch große Klubs von uns lernen.“

Sanwald und Schmidt sind die Architekten des Erfolgs. Der Klubboss hielt auch zu seinem Trainer, wenn es mal nicht besonders lief. Schmidt dürfte zwar auch in diesen Zeiten gut geschlafen haben. Dennoch gab der 53-jährige Sanwald seinem Coach eine Jobgarantie auf Lebenszeit. Sollte nun der erstmalige Aufstieg in die Bundesliga gelingen, hätte sich dieses Vertrauen endgültig ausgezahlt.

Schmidt weiß, dass noch ein langer Weg wartet. Sanwald ist es zwar „bumswurst egal“, ob der FCH in der Relegation auf Fortuna Düsseldorf oder Werder Bremen trifft. Aber erst mal muss Heidenheim die Relegation überhaupt erreichen. In Bielefeld steht also viel auf dem Spiel. Aber das kennt Schmidt ja: „Wir haben schon ein paar Aufstiege hinter uns. Wir wissen, worum es geht.“

Vor dem Duell mit den Hamburgern hatte Schmidt ein Halbfinale ausgerufen. „Das haben wir gewonnen. Ich freue mich, dass wir jetzt in Bielefeld die Chance haben, aus eigener Kraft die Relegation zu erreichen.“

Dank des Sieges gegen den HSV ist der VfB Stuttgart nun so gut wie aufgestiegen. Sven Mislintat, der Sportdirektor des VfB, kündigte an, Schmidt als Dank „ein paar Flaschen Whiskey“ schicken zu wollen. Nur: „Ich trinke gar keinen Whiskey“, sagt Schmidt. Aber „wenn er der Ansicht ist, dass wir auch was Gutes für den VfB getan haben, dann ist das okay. Vielleicht treffe ich mich mit Sven nach der Saison mal zwischen Heidenheim und Stuttgart, in Göppingen vielleicht. Da könnten wir dann gemeinsam anstoßen – wenn es perfekt läuft für uns.“

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