Zweitliga-Rekordtrainer über seine Karriere, Lieblingsklub Bremen und den HSV
Benno Möhlmann: „Ich wurde ein wenig romantisch“

Hannover (dpa). Benno Möhlmann ist mit 520 Spielen der Rekordtrainer der 2. Fußball-Bundesliga. Der 65-Jährige war auch Coach von Arminia Bielefeld und beim Hamburger SV. Als Möhlmann den HSV trainierte, spielten die Hanseaten noch erstklassig. Im Interview spricht der in Lohne (Niedersachsen) geborene Möhlmann über seine Karriere und seinen Lieblingsklub, dem die 2. Bundesliga gerade noch so erspart geblieben ist.

Mittwoch, 15.07.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 15.07.2020, 05:02 Uhr
2017 trat Benno Möhlmann (links) mit Münster zu einem Testspiel gegen seinen Ex-Klub Arminia (rechts Jeff Saibene) an. Foto: Starke
2017 trat Benno Möhlmann (links) mit Münster zu einem Testspiel gegen seinen Ex-Klub Arminia (rechts Jeff Saibene) an. Foto: Starke

Herr Möhlmann, Sie haben in Ihrer Trainerlaufbahn acht verschiedene Vereine trainiert, aber Sie sagen auch immer: Am meisten hängt Ihr Herz an Werder Bremen. Das ist der Klub, für den Sie neun Jahre lang gespielt haben und die Stadt, in der Sie leben. Ist es die richtige Entscheidung, dass Florian Kohfeldt Werder-Trainer bleibt?

Benno Möhlmann: Wissen Sie, ich wohne zwar in Bremen, aber ich bin bei Werder nicht Tag für Tag auf der Geschäftsstelle. Ich bin einfach nicht nah genug dran, um die Entscheidungen dort nach außen kommentieren zu können und zu wollen. Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen: Ein Trainer muss genau abwägen, kann man die Mannschaft, die man hat, noch verbessern oder hat man an diesem Ort schon das Optimale erreicht? Ich war mal beim FSV Frankfurt. Dort sind wir in der 2. Bundesliga Vierter geworden. Das war für diesen Verein die beste Platzierung aller Zeiten. Wenn ich an meine Karriereplanung gedacht hätte, hätte ich in diesem Moment da weggehen müssen. Das war aber nie mein Ansatz. Mein Ansatz war immer, ob ich mich an einem Ort wohlgefühlt und anerkannt gefühlt habe. Das kann man mit der Situation von Florian Kohfeldt nicht vergleichen. Ich will damit nur sagen: Jeder Trainer muss seine eigenen Entscheidungen treffen.

Was erwarten Sie dann in der kommenden Saison von Werder?

Möhlmann: Werder Bremen ist nach wie vor der Verein, der die meisten Bundesliga-Spiele hat und am längsten in dieser Liga dabei ist. Insofern muss man Werder einfach als gestandenen Bundesligisten betrachten. Sie haben auch nach wie vor die finanzielle Basis, eine gesunde Struktur und auch das Fundament an Spielern, um in der Bundesliga eine vernünftige Rolle zu spielen. Aber Werder muss aufpassen. Nur aus einer Tradition und einer Art Gewohnheit heraus wird man kein Bundesligist bleiben.

Täuscht der Eindruck oder wird es für große Vereine wie den HSV immer schwerer, aus der 2. Bundesliga herauszukommen?

Möhlmann: Die 2. Liga hat sich in den letzten Jahren stark verbessert. Die Spieler sind körperlich fit, gut ausgebildet, taktisch geschult und haben gegenüber den meisten Bundesliga-Profis nur noch Nachteile in der individuellen Qualität. Wenn nun ein großer Verein wie zum Beispiel der HSV absteigt und meint, sich in dieser Liga nur auf seine individuelle Klasse verlassen zu können, dann wird er schnell merken: Das ist ein Irrtum. Das hätte auch Werder passieren können. Denn in der 2. Liga gibt es auch Vereine wie Heidenheim, in denen kontinuierlich etwas aufgebaut worden ist. Der HSV hat nach wie vor gute Spieler. Er hat auch nach wie vor gute wirtschaftliche Voraussetzungen für die 2. Liga. Wenn der HSV mit diesen Mitteln sagen würde: Wir wollen uns jetzt stabilisieren, etwas neu aufbauen und einen Dreijahresplan entwickeln – das geht nicht. Der HSV muss das Ziel haben, wieder aufzusteigen.

Halten Sie Daniel Thioune für eine gute Trainer-Lösung?

Möhlmann: Daniel Thioune bietet auf jeden Fall die Möglichkeit, nach dieser Enttäuschung wieder frischen Wind hineinzubringen. Er ist ein etwas anderer Typ und hat sicher auch etwas andere Vorstellungen. Aber das Entscheidende ist die Mannschaft. In diesem Kader stecken einige Spieler, die eine gute Entwicklung versprechen. Wenn der Trainer es schafft, dieser Mannschaft eine gesunde Hierarchie und ein Bewusstsein für diese Liga zu geben, dann hat der HSV gute Chancen.

Eintracht Braunschweig haben Sie gleich zweimal trainiert. Bedeutet Ihnen der Klub, der gerade von der 3. in die 2. Liga aufgesteigen ist, noch etwas?

Möhlmann: Braunschweig verfolge ich immer noch. Ich freue mich sehr, dass sie wieder hochkommen. Es ist aber auch nicht einfach, schnell wieder eine gute Rolle in dieser 2. Liga zu spielen. Ich glaube, dass der sportliche Abstand zwischen der 3. und der 2. Liga größer ist als der zwischen der 2. und der 1.. Von daher muss der Verein erst einmal zufrieden sein, wenn er die Klasse hält. Das traue ich ihm aber zu.

Der Abstand zwischen der 2. und 3. Liga ist allein deshalb so groß, weil in der 2. Liga deutlich mehr Fernsehgelder ausgezahlt werden. Sollte man diese Verteilung ändern?

Möhlmann: Ganz ehrlich? 3. Liga ist 3. Liga. Und ich finde, dass sich ein Qualitätsunterschied auch finanziell auszahlen sollte.

Können Sie es als langjähriger Trainer verstehen, wenn sich ein Verein wie Eintracht Braunschweig von seinem Aufstiegstrainer Marco Antwerpen trennt?

Möhlmann: Ich halte es zumindest für sehr wichtig, dass sie einen Trainer haben, der mit der Führungsspitze auf einen Nenner kommt. Ich glaube, dass das in der heutigen Zeit immer wichtiger wird, dass es auf der Ebene Aufsichtsrat, Vorstand, sportliche Leitung und Trainer ein Miteinander gibt. Das hat man am Beispiel Bayern München und Hansi Flick zuletzt sehr gut gesehen. Denn wenn dieses Miteinander nicht da ist, merken das die Spieler. Und dann tritt ein Problem auf: Die Position des Trainers wird geschwächt.

Ist Ihre Trainerkarriere endgültig vorbei?

Möhlmann: Ich wollte eigentlich schon 2016 nach meiner Zeit bei 1860 München aufhören. Doch dann bekam ich einen Anruf von Preußen Münster, wurde ein wenig romantisch und dachte mir: Es wäre doch schön, meine Karriere dort zu beenden, wo sie als Spieler auch angefangen hat. Doch seitdem ist endgültig Schluss. Ich werde bald 66 Jahre alt und es gibt genug sehr gute junge Trainer.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7493888?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2536432%2F
Flughafen Paderborn-Lippstadt: Die ersten machen den Abflug
In guten Zeiten wurden weit mehr als eine Million Passagiere pro Jahr abgefertigt, im Juni flogen hier nur noch 146 Reisende los.
Nachrichten-Ticker