Aufsteiger kämpft mit anderen Mitteln gegen die Millionenverluste
Arminia plant ohne Staatshilfe

Bielefeld (WB). Schalke 04, Werder Bremen, zuletzt der VfB Stuttgart: Immer mehr Vereine der Fußball-Bundesliga beantragen Landesbürgschaften oder Kredite bei der staatlichen KfW-Bank (Kreditanstalt für Wiederaufbau). Aufsteiger Arminia Bielefeld will ohne staatliche Hilfen durch die Corona-Krise kommen. „Aufgrund unserer Vergangenheit werden wir keine neuen Schulden aufnehmen“, sagt Geschäftsführer Samir Arabi. Was der 41-Jährige meint: Ende 2017 stand der damals mit etwa 30 Millionen Euro verschuldete Klub vor der Insolvenz, wurde letztlich durch einen vom „Bündnis Ostwestfalen“ ermöglichten Schuldenschnitt gerettet.

Dienstag, 21.07.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 21.07.2020, 08:27 Uhr
Auf der Suche nach eigenen Lösungen: Die Arminia-Geschäftsführer Markus Rejek (links) und Samir Arabi. Foto: Thomas F. Starke
Auf der Suche nach eigenen Lösungen: Die Arminia-Geschäftsführer Markus Rejek (links) und Samir Arabi. Foto: Thomas F. Starke

Natürlich könnte auch der DSC frisches Geld sehr gut gebrauchen. Für jeden Klub gebe es wegen der Corona-Krise „knapp 14 Prozent weniger TV-Geld“, sagt Arabi. Insgesamt erhalten die Arminen kommende Saison etwas weniger als 30 Millionen Euro aus der Fernsehvermarktung statt wie erhofft gut 34 Millionen. Sollte die Hinrunde der am 18. September beginnenden Saison ohne Fans stattfinden, „fehlen uns noch mal sieben, acht Millionen Euro“, rechnet Arminias Sportchef vor.

Trotzdem will der DSC aus eigener Kraft durch die Krise kommen. Der mit den Spielern und dem Trainerteam Ende März vereinbarte Gehaltsverzicht (plus Stundungen ein Volumen von etwa einer Million Euro) endete am 30. Juni. Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen strebt der Klub eine Fortsetzung an. Arabi und sein Geschäftsführer-Kollege Markus Rejek hatten sich damals auch zum Verzicht bereit erklärt, für die Mitarbeiter der Geschäftsstelle war Kurzarbeit beantragt worden.

Derweil müssen sich Schalke, Bremen und Stuttgart Kritik gefallen lassen. Die Schalker (Verbindlichkeiten: 198 Millionen Euro) haben eine Bürgschaft des Landes NRW in Höhe von 31,5 Millionen Euro zur Absicherung eines 35-Millionen-Euro-Kredits beantragt. Der ehemalige NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagt: „Das bedeutet schlichtweg für den Fall, falls Schalke den Kredit nicht zurückzahlen kann, dass der Steuerzahler die Millionengehälter von Spielern und Trainern finanzieren muss. Ich finde, das geht gar nicht!“ Werder Bremen will laut „Bild“ einen KfW-Kredit in zweistelliger Millionenhöhe, der VfB Stuttgart hat zur Überbrückung von Einnahmeverlusten einen staatlichen Hilfskredit in Höhe von bis zu 15 Millionen beantragt.

Bei 50-prozentiger Auslastung 10.256 Zuschauer

Die Rückkehr von Fans würde die Einnahmesituation aller Vereine verbessern. Und für Arminia laut Arabi auch die Chancen auf den Klassenerhalt. Gerade für Außenseiter wie den DSC sei ein „frenetisches Publikum wichtig, das hat man in der vergangenen Saison an Union Berlin gesehen und im Jahr davor an Fortuna Düsseldorf“. Beide Aufsteiger hatten überraschende Heimsiege zum Beispiel gegen Dortmund gefeiert und zuhause den Grundstein zum Klassenerhalt gelegt.

DFL-Berechnungen zufolge könnte Arminia bei 50-prozentiger Auslastung maximal 10.256 Zuschauer in die Schüco-Arena lassen. Die DFL hat einen 41-seitige Leitfaden für die Vereine erstellt. Wie die anderen Klubs befindet sich auch der DSC im Austausch mit den zuständigen Behörden wie Stadt und Gesundheitsamt. „Wir wollen ein bestmögliches Konzept erarbeiten, um Zuschauer wieder ins Stadion zu lassen“, sagt Samir Arabi. Doch die Belegung des Stadions mit ausreichend Abstand ist nur eine zu lösende Aufgabe, auch die An- und Abreise sowie der Einlass müssen geklärt werden.

Trainingsauftakt am 6. August

Die Bundesliga beginnt am 18. September, eine Woche vorher steigt auch für Zweitligameister Arminia die erste DFB-Pokalhauptrunde – die Vorbereitung auf eine anspruchsvolle Saison 2020/21 startet beim DSC am Donnerstag, 6. August. Dann bittet Aufstiegscoach Uwe Neuhaus seine Mannschaft erstmals auf den Platz. Falls die Spieler in den Tagen zuvor zwei Corona-Tests mit negativen Ergebnissen vorweisen. Denn das ist weiter die Voraussetzung für Teamtraining. Nach den guten Erfahrungen des Vorjahres und der im Februar beschlossenen Kooperation mit der Ferienregion Wilder Kaiser plant der DSC vom 23. bis 30. August ein Trainingslager in Scheffau. Sowohl dort in Österreich wie auch vorher in Bielefeld ist derzeit völlig offen, ob Fans den Arminen bei ihrer täglichen Arbeit werden zusehen können.

Kommentare

Ulrich B.  schrieb: 21.07.2020 18:20
Muss man das Verstehen?
Der Kommentar von Herrn Müller erschließt sich mir nicht. Dank für wen oder was wäre meine Frage. Oder ist etwa die nicht mehr bestehende Kooperation mit Herrn Tönnies gemeint? Ich hoffe nicht. Kooperationen mit Unternehmen, die aus reiner Gewinnsucht Menschen in der bekannten Form behandeln, verbieten sich. Und jeder sollte seine Mitgliedschaft aufkündigen, wenn ein Verein sich mit solchen Menschen einlässt. Hätte Arminia die Partnerschaft mit Tönnies fortgesetzt, wäre das Thema für mich erledigt gewesen. Es würde schon eine große Portion Oberflächlichkeit dazu gehören, Fan eines solchen Vereins zu sein. Und ich bin heilfroh, dass die Geschäftsführung von Arminia das genau so bewertet hat.
Klaus Müller  schrieb: 21.07.2020 09:48
Auch Arminia hatte Landesbürgschaft
Auch Arminia hatte vor 10 Jahren eine NRW-Landesbürgschaft über die Sparkasse in zweistelliger Millionenhöhe. Viele Arminen-Fans haben das offenbar vergessen oder waren damals in schwierigen Zeiten noch kein Fan. Auch Kredite über Tönnies gab es damals, welchen Gerry Weber mit ins Boot geholt hatte. Die Dankbarkeit der Arminia ist jedoch anscheinend auf einen sehr kurzen Zeitraum begrenzt.
2 Kommentare
Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7501892?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2536432%2F
Corona-Tests vor dem Trainingsstart
Mannschaftsarzt Dr. Tim Niedergassel nimmt einen Rachen- und Nasenabstrich bei DSC-Profi Reinhold Yabo. Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker