Arminia Bielefelds Finanzboss Rejek denkt langfristig
„Der Aufstieg ist toll, aber...“

Bielefeld (WB). Alles für den Klassenerhalt? So wird Aufsteiger Arminia Bielefeld das Unternehmen Bundesliga nach elf Jahren Abstinenz sicher nicht angehen. Das hat nicht nur der kaufmännische Geschäftsführer Markus Rejek zuletzt häufig betont. Gegenüber dem WESTFALEN-BLATT erklärt der 52-Jährige die Hintergründe.

Samstag, 01.08.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 01.08.2020, 05:04 Uhr
Auch Markus Rejek freut sich auf die Bundesliga. Die strategische Ausrichtung ist ihm aber noch viel wichtiger. Foto: Thomas F. Starke
Auch Markus Rejek freut sich auf die Bundesliga. Die strategische Ausrichtung ist ihm aber noch viel wichtiger. Foto: Thomas F. Starke

„Der Aufstieg ist toll, aber unser Ziel ist ein viel größeres. Wir dürfen nicht nur das kommende Jahr sehen, wir wollen uns nachhaltig entwickeln. Es geht um Investitionen in die Infrastruktur, ins Nachwuchsleistungszentrum und noch mehr. Es wäre blauäugig, nur auf ein Jahr zu gucken. Zumal wir schon kommende Saison etwa 14 Prozent weniger TV-Geld erlösen als geplant, ab 2021/22 gehen die Medienerlöse nochmal zurück“, sagt Rejek.

Alle Verantwortlichen bei Arminia eint das Ziel, sich bloß nicht erneut zu verschulden. „Wir haben aus unserer Vergangenheit eine große Verantwortung“, betont Rejek und meint damit, dass der Klub bekanntlich nur durch breite Unterstützung aus der heimischen Wirtschaft im Winter 2017/18 die Insolvenz vermeiden konnte. Im damals gegründeten Bündnis Ostwestfalen sitzen Unternehmen, die den DSC auch weiterhin unterstützen. Aber unkalkulierbare Risiken wird es nicht geben.

Rejek spricht von einem „Stresstest“ und führt aus: „Das TV-Geld, das sonst in vier Raten – August, November, Februar, Mai – ausgezahlt wird, kommt nun nach den absolvierten Spielen. Das hat Auswirkungen auf die Liquidität, es ist ein Stresstest für alle Vereine. Eine Unterdeckung wäre monatsweise möglich, eine Zwischenfinanzierung könnte nötig sein. Das wäre aber normal. Wir haben in diesem Jahr darüber hinaus besondere Aufwendungen wie die Prämien für den Aufstieg.“

Der Lizenzspieleretat steigt wie mehrfach berichtet von etwa 12,5 Millionen Euro in der 2. Liga auf etwa 20 Millionen eine Liga höher. Rejek: „Auf dem Papier haben wir natürlich nicht die wettbewerbsfähigsten Zahlen. Deshalb wollen wir an die Arminia-Tugenden anknüpfen, die uns schon zum Zweitliga-Meister gemacht haben. Wir sind dankbar und gehen demütig damit um, dass wir aufgestiegen sind. In der 2. Liga wären wir wegen der Corona-Krise wieder mit mehreren Millionen Euro verschuldet.“

Die Fans sollen mitgenommen werden

Arminia werde etwa zwölf Millionen Euro Erlöse weniger generieren, „wir wollen aber Arminias Zukunft dennoch gestalten. Wir werden nicht alles in den Sport investieren. Wir haben große Ziele und werden es strategisch angehen. Vom Kuchen ist ein großes Stück nicht mehr da. Im Fußball ist die Planung fragiler als in normalen Wirtschaftsunternehmen. Die Quote des Unkalkulierbaren ist im Fußball viel größer.“

Unkalkulierbar ist derzeit auch noch das Risiko bezüglich Fans in den Stadien. Am Dienstag wollen sich die 36 Erst- und Zweitligisten bei einer virtuellen Versammlung der Deutschen Fußball-Liga auch darüber austauschen. „Wir sind dabei, ein Konzept zu erstellen, das wir mit den Behörden und dem Fanbeirat abstimmen. Wir wünschen uns alle volle Stadien. Die Hoffnung ist, dass wir uns in kleinen Schritten an die Normalität heranrobben“, erklärt Rejek zum Thema Fanrückkehr.

Auch über sogenannte Vario-Sitze, die aus der Südtribüne der Schüco-Arena in Teilen eine Sitzplatztribüne machen könnten, wird diskutiert. „Das wäre mit einem finanziellen Aufwand verbunden. Wir würden vorher mit den Fans darüber sprechen, wir wollen sie mitnehmen. Wir wollen einen Konsens für die Gesamtheit unserer Fans finden“, verspricht der DSC-Geschäftsführer.

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