Britta Haßelmann (Grüne): „Bild im Arminia-Trikot auf unserer Alm unpassend“
Kritik an Arminia und Kühnert

Bielefeld (WB). Hat sich Arminia Bielefeld von der SPD im Kommunalwahlkampf benutzen lassen? Diese Frage stellt sich seit Kevin Kühnerts Besuch am vorigen Freitag in Bielefeld. Der Bundesvorsitzende der Jungsozialisten (Jusos) hatte in der DSC-Geschäftsstelle einen Mitgliedsantrag unterzeichnet und sich im Stadion filmen und fotografieren lassen. Anschließend unterstützte Kühnert in der Innenstadt, bekleidet mit einem Arminia-T-Shirt, den Bielefelder SPD-Oberbürgermeister Pit Clausen im Kommunalwahlkampf.

Sonntag, 23.08.2020, 11:49 Uhr aktualisiert: 23.08.2020, 16:42 Uhr
Kevin Kühnert, hier auf einem Foto aus dem Jahr 2018, ist seit seinem Studium Arminia-Fan. Foto: Bernhard Pierel
Kevin Kühnert, hier auf einem Foto aus dem Jahr 2018, ist seit seinem Studium Arminia-Fan. Foto: Bernhard Pierel

Auf die Inszenierung hat die Bielefelder Grünen-Bundestagsabgeordnete Britta Haßelmann bei Twitter reagiert. „Kühnert: ‚Wir wollen die nächste Regierung anführen.’ Unpassend dazu ein Bild auf unserer Alm im Arminia-Trikot mit der Nachricht, jetzt Mitglied bei Arminia zu sein. Viele von uns gehen schon lange auf die Alm. Ohne Parteiwerbung. Das ist gut so! #immerdabei #peinlich“, so Britta Haßelmann.

Ebenfalls bei Twitter hat Kühnert ihr geantwortet: „Sie sind ja auch lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass Artikel von Journalist*innen geschrieben werden und nicht von uns Politiker*innen, über die berichtet wird. Bis bald auf der Alm.“

„Arminia sollte nicht in Wahlkampf gezogen werden“

In Arminias Fankreisen wird Kühnerts offen zur Schau gestellte Sympathie für den DSC auch kritisch hinterfragt. Der Grund: Der Juso-Chef will gleich drei Klubs sein Herz geschenkt haben, nämlich außer Arminia dem FC Bayern München und TeBe Berlin. Drei Vereine, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Bei Fußballanhängern gilt es als verdächtig, mehr als einen Verein zu haben. Daher auch die Zweifel, ob Kühnerts Liebe zum DSC echt ist.

Unlängst erklärte der gebürtige Berliner Kühnert das im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT so : „Wenn man Sympathien für Tennis Borussia hat, dann kann man nicht Hertha- oder Union-Fan sein. Bei TeBe gibt es eine sehr ausgeprägte Zweitvereinskultur. Da ist die Akzeptanz sehr groß, dass fast alle, die ins Stadion gehen, auch noch einen anderen Verein haben. Bei mir ist das zu Abi-Zeiten vor mehr als zehn Jahren auf etwas verschlungenen Wegen Arminia geworden. Das hatte auch ein bisschen was mit Mitleid zu tun. Heute ist das in eine Phase übergangen, in der man als Arminia-Fan ein anerkennendes Kopfnicken bekommt.“

Jan Maik Schlifter, Bielefelder Oberbürgermeister-Kandidat der FDP und eingefleischter Armine, kommentiert den Twitter-Streit zwischen Kühnert und Haßelmann so: „Ich freue mich über jeden Unterstützer des DSC, aber unsere Arminia sollte nicht in den Wahlkampf gezogen werden. Dass Rot-Grün jetzt darüber streitet, wer der größere DSC-Fan ist, ist irgendwie kindisch und sagt viel über deren Ideenarmut im Wahlkampf aus. Jetzt sollte es aber um die richtige Politik gehen und nicht um Fußball.“

Das sagt Arminia

Nach einer Anfrage des WESTFALEN-BLATTES hat am Sonntag auch Arminia Bielefeld Stellung zu dem Vorgang bezogen. „Der DSC Arminia Bielefeld ist nicht politisch und wird der Politik niemals eine Bühne für Wahlkampfzwecke bieten. Teil unserer aktuellen Mitgliederkampagne ist es, Geschichten zu zeigen, wie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ihre Leidenschaft und Sympathie zum DSC Arminia in Form einer Vereinsmitgliedschaft bekräftigen”, so Markus Rejek, kaufmännischer Geschäftsführer. Rejek weiter: “So lange Menschen unsere demokratischen Werte wie Toleranz, Offenheit und die klare Ablehnung jeglicher Form von Diskriminierung und Rassismus vertreten, sind sie jederzeit bei Arminia Bielefeld willkommen. Bereits rund 15.000 Menschen sind Mitglied in unserem Verein. Wir freuen uns auch, wenn Angela Merkel DSC-Vereinsmitglied wird, denn wir sind davon überzeugt, dass der Bundeskanzlerin die Werte, für die wir einstehen, auch gefallen. Bei Donald Trump hätten wir allerdings ein Problem…“

 

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