Vor dem Pokalduell mit Ex-Klub Arminia: Essens Vorstand Marcus Uhlig über die Aussichten des Außenseiters
„... dann haben wir eine kleine Chance“

Essen/Bielefeld (WB). Achtung, Stolpergefahr! Wenn Arminia Bielefeld am Montagabend (18.30 Uhr) zur Erstrunden-DFB-Pokalpartie bei Rot-Weiss Essen antritt, sind die Ostwestfalen zwar der Favorit. Doch unterschätzen sollten die Arminen den Viertligisten nicht. Essen geht als Topfavorit auf den Aufstieg in die neue Regionalligasaison. Und nicht nur RWE-Vorstand Marcus Uhlig könnte sich nichts Schöneres vorstellen, als dem Erstligisten im Stadion an der Hafenstraße ein Bein zu stellen. Von 2011 bis 2015 war Uhlig Geschäftsführer des DSC. „Wir wollen eine Runde weiterkommen“, betont Arminias 49 Jahre alter Ex-Funktionär selbstbewusst.

Freitag, 11.09.2020, 06:00 Uhr
Marcus Uhlig ist seit November 2017 Vorstand des Regionalligisten Rot-Weiss Essen. Er will mit dem Klub in die 3. Liga. Foto: Thomas F. Starke
Marcus Uhlig ist seit November 2017 Vorstand des Regionalligisten Rot-Weiss Essen. Er will mit dem Klub in die 3. Liga. Foto: Thomas F. Starke

 

Vierte Liga gegen erste Liga – auf dem Papier ist die Sache klar. Für Sie auch, Herr Uhlig?

Marcus Uhlig: Natürlich ist Arminia Bielefeld klarer Favorit. Aber ich sage immer: Von zehn Duellen gewinnt Arminia wahrscheinlich neun – und ich hoffe, dass am Montag das zehnte Spiel sein wird. Wir wollen weiterkommen – natürlich in dem Wissen, wie schwierig das wird. Aber wenn bei uns alles passt und bei Arminia nicht, dann haben wir eine kleine Chance.

Beim 1:1 zum Ligaauftakt zuletzt gegen den SC Wiedenbrück ist Rot-Weiss Essen dem Anspruch, Favorit auf den Aufstieg zu sein, noch nicht gerecht geworden.

Uhlig: Das stimmt. Allerdings sind wir nicht das einzige Team, das in die 3. Liga will. Ich erwarte, dass vor allem auch Borussia Dortmund II eine sehr gute Rolle spielen wird. Dennoch: Für unsere Ansprüche war das zu wenig, und das haben wir der Mannschaft auch sehr deutlich zu verstehen gegeben.

Was hat denn gegen Wiedenbrück gefehlt?

Uhlig: Es wird nicht reichen, wenn wir uns selbst als Favorit hinstellen aber dann nicht bereit sind, den einen Schritt mehr zu machen. So wie Wiedenbrück werden alle Teams zu uns an die Hafenstraße kommen. Für sie ist es das Spiel des Jahres – egal ob mit Zuschauern oder ohne. Andere bezeichnen uns ja gern als FC Bayern der Regionalliga West. Aber Bayern hat das Killergen, die wollen unbedingt jedes Spiel gewinnen. Diese Gier, diese Besessenheit erwarten wir von unseren Spielern auch. Aber davon war gegen Wiedenbrück nichts zu sehen. Die Sinne müssen geschärft werden. Aber ich muss auch sagen, dass die Spieler selbstkritisch mit ihrer Leistung umgegangen sind. Ich bin auf das Auftreten gegen Arminia nun sehr gespannt. Das ist ein ganz anderes Spiel; eines in dem Bielefeld muss und wir können.

In Christian Neidhart hat RWE auch einen neuen Trainer geholt. Waren Sie mit Christian Titz nicht mehr zufrieden?

Uhlig: Christian Titz ist ein Fußballfachmann, er war mitverantwortlich für viel Gutes, was in Essen Einzug gehalten hat. Er hat uns auf dem Weg zu mehr Professionalisierung sicherlich mit vorangebracht. Aber am Ende hat es im Ganzen nicht gepasst. Christian Neidhart passt inhaltlich und charakterlich, er ist ein sehr pragmatischer Typ, ein richtiger Fußballer. Und er hat klare Ziele, geht voran und sagt: Ich bin gekommen, um mit Essen aufzusteigen.

RWE ist seit einer gefühlten Ewigkeit raus aus dem bezahlten Fußball. Wie schwer hat die Corona-Krise den Klub getroffen?

Uhlig: Wir hätten insgesamt bis zu 1,5 Millionen Euro verlieren können. Wäre es soweit gekommen, wäre es dramatisch geworden. Doch durch Kurzarbeit, dem Verzicht von Sponsoren und Fans auf Rückerstattung von Dauerkarten sowie viele kleine und große Aktionen haben wir den Verlust auf einen mittleren sechsstelligen Betrag reduzieren können. Wir sind bisher mit einem blauen Auge durch die Krise gekommen. Doch auf Dauer seht das kein Viertligist durch. Wir hoffen nun, dass es analog zum Profifußball auch für die Regionalligisten Corona-Entschädigungszahlungen geben wird. Es ist zu vernehmen, dass das Thema beim Ministerpräsidenten Armin Laschet auf dem Schreibtisch liegt. Ich glaube, dass ab November die Kommunen entscheiden dürfen, wie viele Zuschauer zugelassen werden. Wir haben ein Hygienekonzept ausgearbeitet, das 5000 Besucher in unserem Stadion vorsieht. Das würde uns sehr helfen, denn dann könnten wir zumindest sowohl unsere Sponsoren als auch unsere 4000 Dauerkarteninhaber reinlassen.

Wie sehr schmerzt vor diesem Hintergrund der Einnahmeausfall beim Pokalspiel gegen Bielefeld?

Uhlig: Das tut schon sehr weh. Als Regionalligist ist man im Verhältnis noch mal wesentlich mehr auf solche außerplanmäßigen Spieleinnahmen angewiesen.

Immerhin ein paar Fans dürfen ja ins Stadion, und der DSC verzichtet zudem auf seinen Teil der Zuschauereinnahmen. Sicher auch aufgrund Ihrer guten Kontakte zu Ihrem Ex-Klub, oder?

Uhlig: Mit Arminias Finanzgeschäftsführer Markus Rejek stehe ich in regelmäßigem freundschaftlichen Kontakt, so auch mit dem früheren Präsidenten Dr. Jörg Zillies, seinem Nachfolger Hans-Jürgen Laufer, Sportgeschäftsführer Samir Arabi und einigen anderen. Arminia bleibt für immer ein entscheidender Teil meines beruflichen Weges. Das wird auch emotional immer so bleiben. Ich wohne seit 30 Jahren in Bielefeld und habe Arminias jüngste Entwicklung genau verfolgt. Der Klub hat sich auf allen Ebenen total konsequent weiterentwickelt. Bei der Mannschaft kann man tatsächlich von einer richtigen Mannschaft sprechen, was im Profifußball in dieser Ausprägung eher der Ausnahme entspricht. Dass so etwas funktioniert und gegen wesentlich höher dekorierte Konkurrenten wie Hamburg, Stuttgart, Nürnberg und Hannover zum Erfolg führt, ist überragend und gut für den Fußball. Markus Rejek und Samir Arabi gilt ein Riesenkompliment, sie sind die Väter des Aufstiegs.

DSC-Trainer Uwe Neuhaus war von 2005 bis 2006 ja auch schon mal in Essen tätig...

Uhlig: ... und genießt hier noch immer einen sehr guten Ruf. Wenn man sich seinen Werdegang anschaut, fragt man sich heute, warum man damals eigentlich nicht länger an ihm festgehalten hat.

Als Sie noch bei Arminia waren, haben Sie 2015 Ihre Burnout-Erkrankung öffentlich gemacht. Wie geht es Ihnen heute und wie hat sich die Corona-Krise auf Ihre Gesundheit ausgewirkt?

Uhlig: Mir geht’s gut, danke. Von den 47 Monaten, die ich bei Arminia Geschäftsführer war, waren gefühlt 45 Monate Krisenmanagement. Nach dem gesundheitlichen Rückschlag habe ich für mich ein paar Dinge verändert, zum Beispiel wie ich mit Stress umgehe, wie ich Arbeit anders gewichte und verteile. In der Führung eines Fußballklubs tätig zu sein, bedeutet immer sehr viel Arbeit. Aber Corona ist mit der Situation von damals nicht zu vergleichen. Jetzt war und ist von uns vor allem maximale Kreativität gefragt.

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