Arminias späte Neuzugänge van der Hoorn und Doan überzeugen
Gerade noch rechtzeitig

Bielefeld (WB). Sie kamen spät, aber sie kamen gerade noch rechtzeitig. Von den sieben Spielern, die Fußball-Bundesligist Arminia Bielefeld im Sommer neu verpflichtet hat, sind Ritsu Doan und Mike van der Hoorn diejenigen, die als Letzte zum Team stießen. Doch nach nur zwei Spieltagen sind die beiden schon kaum noch wegzudenken.

Mittwoch, 30.09.2020, 03:00 Uhr
Furchtlos: Arminias Innenverteidiger Mike van der Hoorn (links) setzt sich gegen den Kölner Elvis Rexhbecaj zur Wehr. Foto: Thomas F. Starke
Furchtlos: Arminias Innenverteidiger Mike van der Hoorn (links) setzt sich gegen den Kölner Elvis Rexhbecaj zur Wehr. Foto: Thomas F. Starke

Doan gefiel beim jüngsten 1:0-Erfolg über Köln sowohl als Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff als auch als derjenige, der sich gegen die gestandenen Erstligaprofis auch mal in ein Eins-Gegen-Eins wagt. Robust, spielfreudig und stets anspielbereit präsentierte sich der kleine Japaner. Als der 22-jährige Leihspieler vom niederländischen Erstligisten PSV Eindhoven ausgewechselt wurde, gab es teils stehende Ovationen.

Van der Hoorn (Vertrag bis 2023) bringt andere Qualitäten in Arminias Spiel ein. Der Niederländer stärkt die Abwehrkräfte der Ostwestfalen. In einer Szene unterlief ihm gegen Köln ein haarsträubender Fehlpass, ansonsten war er aber ein Muster an Zuverlässigkeit.

Samir Arabi, Arminias Sport-Geschäftsführer, hebt nur selten einzelne Spieler hervor. Nach der Partie gegen Köln aber machte er eine Ausnahme. Arabi erklärte van der Hoorn zu „einem unserer Besten – sowohl in Frankfurt als auch diesmal gegen Köln“.

Der 27-Jährige, der mit Swansea City bereits Premier-League-Erfahrung sammelte, verdrängte Joakim Nilsson aus dem Team. Der Schwede ist nur noch Ersatz, den zweiten Innenverteidigerposten besetzt Amos Pieper. Pieper und Mike Adrianus Wilhelmus van der Hoorn, wie der Mann aus Almere mit vollständigem Namen heißt, bildeten gegen Köln ein unüberwindbares Gespann.

Lob vom Sport-Geschäftsführer

„Mike antizipiert sehr viel, er erkennt die Situationen und kommt so eher an den Ball als sein Gegenspieler“, lobte Arabi. Van der Hoorn gibt den jungen Abwehrkollegen halt. Pieper ist erst 22, Linksverteidiger Anderson Lucoqui mit 23 kaum älter. Arabi imponiert, wie gut van der Hoorn schon bei Arminia integriert ist: „Er führt die anderen, obwohl er sie erst seit Kurzem kennt.“

Die Abgeklärtheit des Niederländers hilft der Erstliga-unerfahrenen Arminia enorm. „Vor drei Jahren sind in der Premier League permanent Leute auf ihn angerannt“, sagte Arabi. 32 Mal kam van der Hoorn in der englischen Eliteliga für Swansea zum Einsatz. Den 1,90-Meter-Hünen macht so schnell nichts nervös. Das färbt offenbar auf die anderen ab. Gegen Köln ließ Arminia kaum eine glasklare Chance für den FC zu.

Arabi meinte: „Der Sieg sollte der Mannschaft Selbstvertrauen geben. Sie sollte nicht nachlassen, weiter hart arbeiten und dann mit einem guten Gefühl am Samstag nach Bremen fahren.“

„Vier Punkte aus den ersten zwei Spielen – darauf lässt sich aufbauen“, urteilte DSC-Kapitän Fabian Klos vor der Reise ins Weserstadion. Und Joan Simun Edmundsson, Siegtorschütze gegen den 1. FC Köln, meinte vor der Partie beim SV Werder: „Wir haben eine Basis für die Zukunft gelegt. Mit unserer Energie und Leidenschaft habe wir gegen jeden Gegner eine Chance.“

Dynamisch: Ritsu Doan gefiel dem Bielefelder Publikum.

Dynamisch: Ritsu Doan gefiel dem Bielefelder Publikum. Foto: Thomas F. Starke

Kommentare

advocatus_diaboli  schrieb: 01.10.2020 07:52
Bundesligaaufstieg war keine Überraschung, Klassenerhalt wird keine Überraschung sein
Arminia spielt endlich wieder 1.Bundesliga. Elf Jahre fühlten sich wie eine Ewigkeit an. Dieser Bundesligaaufstieg war für mich keine Überraschung. Stefan Krämer hat im Abstiegkampf der 3.Liga nach der historisch erfolglosen Trainerlusche von Ahlen 2011/2012 die Grundlage für den Teamgeist gelegt, der seitdem jede Bielefelder Mannschaft auszeichnete. Nur so war der Zweitligaaufstieg 2013 möglich. Den Abstieg 2014 kreide ich vor allem der desolaten Einkaufspolitik von Samir Arabi an, schon das Erreichen der Relegation war mit diesen "Verstärkungen" ein Erfolg. Auch wenn uns Arminen die Saison 2014/2015 viel Freude bereitete. Im Hinlick auf die Bundesligarückkehr waren wir ins wirtschaftliche Hintertreffen geraten. Trainerflops wie Rehm und Krmany hätten um Haaresbreite zur endgültigen Pleite des DSC Arminia geführt, Jeff Saibene war es, der Arminia wieder nach oben führte und an charakterlichen Mängeln seiner immer wieder mal untrainierbaren zum Teil egoistischen Schützlinge scheiterte. Den realistischen Aufstieg 2019 verpasste Arminia klar nach zum teil fürchterlichen Heimpleiten. Dadurch sind Arminia durchaus bis heute einschließlich ca 40 Millionen € entgangen. Samir macht zur Zeit den Job, den man von ihm erwarten darf, er macht aber keinen sehr guten Job, wie etwa Beutelipper hier für sich festgestellt hat Diese Saison ist der Klassenerhalt absolut realistisch, der Abstand zu etablierten Clubs kann so deutlich verkürzt werden.
Beutelipper  schrieb: 30.09.2020 10:30
"Gerade noch rechtzeitig"
... hört sich an, als hätte Arabi 6 Wochen gepennt. Der macht seit Jahren einen Top-Job. Ich bin wahrlich kein Freund von Leihverträgen oder gar Ausstiegsklauseln, aber in Zeiten von Corona ist es ganz sicher richtig, auch auf solche zu setzen.

Einzig und allein die Arabische Schlauchboot-Rhetorik stört mich. Nein, wir sind eben nicht mit Glück im Schlauchboot durch eine unberechenbare haifischverseuchte 2. Liga gedümpelt und haben jetzt mit Doan und van der Hoorn (sogar) einen kleinen Motor dazubekommen. Diese Metapher ist unpassend und wird der Mannschaft, die Großartiges geleistet hat, nicht gerecht. Wir haben die 2. Liga fußballerisch und die Kicker-Ranglisten tabellarisch beherrscht und können daher selbstbewusst in die Bundesliga gehen. Ich bin Armine seit meiner frühen Kindheit, in Kicker-Tabellen hat mich immer dieses stigmatisierende (A) oder (N) hinter dem Namen gestört, daher möchte ich erst recht kein "Arminia Bielefeld (N,S)" sehen.

Es liegt an uns: Wir kommen mit einer eingespielten und verstärkten Mannschaft in die Bundesliga und Arabi wäre nicht Arabi, wenn er nicht am kommenden Montag, Punkt 17:59 Uhr ein Ass aus dem Ärmel zaubern würde. Zudem werden sich viele gute arbeitslose Fußballer auf dem Transfermarkt tummeln, die auch nach Transferschluss verpflichtet werden können. Alle Konkurrenten müssen Dutzende von Millionen einsparen, Arminia hat mehr Geld zur Verfügung. Dazu wissen die Verantwortlichen durch Beobachtung unseres ostwestfälischen Nachbarn, mit welcher Spielweise man als Neuling in der Bundesliga keine Chance hat. Was die ersten beiden Spiele bewiesen haben, wie auch die ersten 8 Spiele des Nachbarn, wo man einen Punkt geholt, aber 22 Gegentore eingefangen hat.

(A)=Absteiger
(N)=Neuling
(S)=Schlauchbootfahrer, selbsternannt
2 Kommentare
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