Beim bisher letzten Arminia-Erfolg gegen München schoss Jonas Kamper das Siegtor
Er weiß, wie man die Bayern schlägt

Bielefeld (WB). Immerhin fünf Mal in 34 Bundesligaspielen hat Arminia Bielefeld den großen FC Bayern München geschlagen. Beim bisher letzten Sieg, am 16. September 2006, war Jonas Kamper der Matchwinner. Der Däne erzielte damals per Freistoß den 2:1-Siegtreffer, bei den Münchnern war selbst „Titan“ Oliver Kahn im Tor machtlos. Vor dem Duell des DSC mit den Bayern am Samstag (18.30 Uhr, Schüco-Arena) hat Jens Brinkmeier mit Jonas Kamper (37) gesprochen.

Dienstag, 13.10.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 13.10.2020, 07:06 Uhr
Der geht rein: Die Münchner Mauer kann den Schuss von Jonas Kamper ebenso wenig abwehren wie Torwart Oliver Kahn (verdeckt). Foto: imago
Der geht rein: Die Münchner Mauer kann den Schuss von Jonas Kamper ebenso wenig abwehren wie Torwart Oliver Kahn (verdeckt). Foto: imago

Herr Kamper, wie schlägt man als kleiner Klub wie Arminia die Bayern?

Jonas Kamper: Auf jeden Fall braucht man auch Glück. Und es ist viel, viel Arbeit. Jeder Spieler muss für den anderen mitlaufen. Aber zuhause in der Schüco-Arena ist alles möglich, auch wenn das Stadion nicht voll ist. Die Stimmung ist Wahnsinn, das kann die Extra-Prozente ausmachen.

Sie haben damals mit ihrem Freistoß Oliver Kahn überwunden und Arminia zum Sieg geschossen. Wie oft denken Sie noch an dieses Spiel und dieses Tor?

Kamper: Ich denke da nicht jeden Tag dran, aber fast jeden... Und dann bekomme ich immer noch Gänsehaut. Das war einer der schönsten Momente meines Fußballer-Lebens. Meine Familie war im Stadion, das war fantastisch.

München hat fünf Titel in diesem Jahr geholt, dafür mussten die Spieler viel leisten. Die Nationalspieler sind hoch beansprucht, am Donnerstag treten die Bayern noch im DFB-Pokal in Düren an. Ein Vorteil für Arminia?

Kamper: Sie haben alles gewonnen, aber Müdigkeit gehört dann dazu. Außerdem ist die Frage, wie motiviert sie am Samstag sind. Sie wissen, dass es in Bielefeld schwer ist. Arminia kann mit großem Selbstvertrauen spielen nach den Erfolgen der letzten Saison. Sie haben in der 2. Liga erstklassig gespielt.

Wie intensiv verfolgen Sie die Arminia noch?

Kamper: Als TV-Experte habe ich in erster Linie die dänische erste Liga im Blick. Aber letzte Saison habe ich zuerst auf die Ergebnisse der 2. Liga in Deutschland geschaut, jetzt kann ich wieder zuerst bei der Bundesliga nachschauen. Arminia liegt mir immer noch sehr am Herzen.

Wo gucken Sie das Spiel am Samstag?

Kamper: Ich werde es im Fernsehen schauen. Arminia hatte mich ins Stadion eingeladen, aber ich musste absagen, weil wir am Sonntag ein Spiel mit Randers FC haben. Aber 2021 komme ich auf jeden Fall wieder nach Bielefeld.

Vor zwei Jahren waren Sie zuletzt hier, beim 2:3 gegen Greuther Fürth. Damals arbeiteten Sie in der Versicherungsbranche. Machen Sie das noch?

Kamper: Nein, ich arbeite jetzt fest bei Randers FC. Das ist der Klub, zu dem ich 2010 aus Bielefeld gegangen bin und für den ich fünf Jahre gespielt habe. Ich bin in der Administration tätig, da kümmere ich mich unter anderem um große Sponsoren. Außerdem bin ich hier Jugendtrainer und arbeite im Scouting mit.

Wollen Sie in Zukunft im Seniorenbereich als Trainer arbeiten?

Kamper: Die B-Lizenz habe ich in Dänemark gemacht. Die A-Lizenz möchte ich gerne in Deutschland machen, weil ich die deutsche Art des Fußballs sehr mag. Ich habe schon mit Marc Ziegler (ehemaliger Mitspieler beim DSC, Anm. der Red.) darüber gesprochen, der beim DFB als Torwartkoordinator arbeitet.

 

Bundesliga-Saison 2006/2007: Jonas Kamper schießt die Arminia zum Sieg über Bayern München.

Bundesliga-Saison 2006/2007: Jonas Kamper schießt die Arminia zum Sieg über Bayern München. Foto: Thomas F. Starke

92 Spiele und: „We have to fight weiter“

Vor fast genau zwei Jahren, am 20. Oktober 2018, war Jonas Kamper zuletzt in der Schüco-Arena. Gemeinsam mit seiner Frau Zanne sowie den Töchtern Chloe und Monique sah der Ex-Profi damals eine 2:3-Niederlage im Zweitliga-Spiel gegen Greuther Fürth. Es war eine schlechte Phase beim DSC, knapp zwei Monate später folgte der Trainerwechsel von Jeff Saibene (inzwischen beim 1. FC Kaiserslautern) zu Uwe Neuhaus.

Kamper war trotz der Niederlage überzeugt davon, dass sein Ex-Verein über kurz oder lang wieder in die Bundesliga zurückkehren würde. „Ein Ziel zu setzen und ein Jahr zu nennen, in dem man aufsteigen will, ist gefährlich. Aber wenn sie so weitermachen, wird es auf jeden Fall passieren. Ich hoffe, so schnell wie möglich«, sagte der Däne damals. Und er sollte recht behalten. 92 Pflichtspiele (zehn Tore) absolvierte Kamper zwischen Juli 2006 und Juni 2010 für Arminia. Immer wieder warfen ihn Verletzungen zurück. Doch seiner Beliebtheit tat das überhaupt keinen Abbruch. Unvergessen ist der Däne wegen seiner meist guten Laune und natürlich wegen seines berühmten Satzes aus der Saison 2007/08: „We have to fight weiter!“

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