„11-Freunde“-Gründer Philipp Köster hat ein Buch über „seine“ Arminia geschrieben – „Biografie meiner Generation“
Über die Liebe zum Fußball

Bielefeld -

Nein, den Aufstieg in die Bundesliga im Sommer 2020 hat es nicht gebraucht, sagt Philipp Köster. Der Arminia-Fan und Gründer des Fußballmagazins „11 Freunde“ wollte schon länger ein Buch über seinen Lieblingsklub schreiben.

Donnerstag, 19.11.2020, 03:00 Uhr
Nach dem Zweitliga-Aufstieg 1995 in Neunkirchen wird Manager Rüdiger Lamm auf Händen getragen – auch von Philipp Köster, wie der sich ungern erinnert.
Nach dem Zweitliga-Aufstieg 1995 in Neunkirchen wird Manager Rüdiger Lamm auf Händen getragen – auch von Philipp Köster, wie der sich ungern erinnert. Foto: imago

„Ich bin zu alt und zu abgeklärt, um einen Arminia-Aufstieg als Anlass zu nehmen, weil ich weiß: In einigen Monaten kann es schon wieder ganz anders aussehen“, sagt der 48-Jährige im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

Er habe „darüber nachgedacht, was der Fußball mir bedeutet. Meine Liebe zum Fußball besteht darin, dass ich meine Mannschaft auf dem Spielfeld sehe und drum herum all die Freunde und Bekannte, denen dieser Klub etwas bedeutet. Die Abwesenheit des Publikums hat dazu geführt, dass ich aufschreiben wollte, was meine Liebe zum Fußball ausmacht.“

„Tor für Bielefeld“ heißt das Werk, das vom Bielefelder Delius-Klasing-Verlag herausgebracht wird und den Untertitel „Die besten Arminia-Spiele aller Zeiten“ trägt. Das ist vielleicht ein bisschen irreführend, denn ein Buch über besondere Partien des DSC könne keine Aneinanderreihung von siegreich gestalteten Spielen sein. „Arminia zeichnet sich nicht dadurch aus, Serien-Gewinner zu sein. Niederlagen können auch eine gewisse Schönheit haben, und tragische Abstürze gehören zu diesem Verein einfach dazu“, sagt Köster. Vielleicht sei es sogar so, dass man die Dramen noch mehr verinnerliche und in Erinnerung behalte als die Triumphe. Zumindest als Bielefelder.

Denn der Arminia-Fan an sich hat eben noch keine großen Titel feiern dürfen. Trotzdem sind mehr als 200 Seiten zusammen gekommen, und es hätten locker noch deutlich mehr sein können. Doch Philipp Köster hat sich in erster Linie die Spiele ausgesucht, die ihn und seine Leidensgenossen im etwa gleichen Alter maßgeblich geprägt haben. Natürlich fehlen aber auch nicht die Klassiker, bei denen Köster aus Altersgründen kein Zeitzeuge sein konnte: Zum Beispiel die berühmten „Fußballgrüße aus Bielefeld“, die Trainer Otto Rehhagel nach dem 4:0-Sieg der Arminen beim FC Bayern im Jahr 1979 aussprach. Dumm nur oder auch unheimlich passend, dass danach die Arbeit auf dem Platz mehr oder weniger eingestellt wurde und der DSC am Ende der Saison abstieg.

„Es ist eine fußballerische Biografie meiner Generation“, erklärt Köster. Und in diese Zeit fallen einige Abstiege und diverse verpasste Aufstiege. Dabei ging es für ihn gut los: 1982 besucht er sein erstes Spiel auf der Alm, Arminia fegt Mönchengladbach mit 5:0 aus dem Stadion – und um den kleinen Philipp ist es geschehen. Der DSC lässt ihn nicht mehr los, Heim- und Auswärtsspiele werden besucht, auch in den Oberligazeiten. „Die sieben dunklen Jahre“, nennt Köster diese Phase. Doch auch da sei ja längst nicht alles schlecht gewesen. Trotz der immer wiederkehrenden jährlichen Niederlagen gegen Preußen Münster oder der verpassten Meisterschaft 1989 – ein Jahr nach dem Abstieg aus der 2. Liga – , als ein Punkt in Rheine gefehlt hätte, Arminia aber 1:2 verlor. 10.000 Bielefelder waren mitgereist, am Ende war alle Anfeuerung umsonst. „Rheine, das stand fortan für alles, was schiefgehen konnte, für alles, was wir als Arminia-Fans in den letzten Jahren hatten ertragen müssen“, schreibt Köster. Generell sei die Zeit in der Oberliga aber auch eine Befreiung gewesen, schließlich gewann der DSC nun wieder deutlich öfter als in den Zweitligajahren zuvor.

Der schönste Aufstieg von allen

Seinen „emotionalen Höhepunkt“ erlebte Köster dann Ende Mai 1995 in Neunkirchen. Für viele DSC-Fans gilt dieser Aufstieg in die 2. Liga als der schönste von allen, auch für Köster. „Eine Reise ging zu Ende“, sagt er. Nach sieben Jahren war Arminia wieder zurück im bezahlten Fußball. Zwar schämt sich der 48-Jährige noch heute dafür, damals nach dem 4:0-Triumph im Stadion zu denen zu gehören, die Manager Rüdiger Lamm hochleben ließen, doch dass Köster eigene vermeintliche oder offensichtliche Peinlichkeiten nicht ausspart, macht eine Stärke des Buches aus. So erzählt er auch davon, wie er beim Spiel im April 1995 in Salmrohr zu jenen gehört, die nach dem 2:1-Sieg am Zaun hängen und diesen zum Einsturz bringen. Die Quittung folgt ein paar Monate später im Sonderzug zum Zweitligaspiel nach Meppen. Zwei Zivilpolizisten übergaben eine Vorladung, Köster musste als Beschuldigter bei der Polizei aussagen. „Ich, der harmloseste Fan aller Zeiten“, lacht er heute. Immerhin: Das Verfahren wurde ohne Auflagen eingestellt. „Meinen Eltern musste ich es damals allerdings gestehen. Sie waren fast ein bisschen stolz.“

Nach all den herrlichen Anekdoten, besonderen Siegen und bitteren Niederlagen (Darmstadt!) endet das Buch dann doch mit dem Aufstieg 2020 – oder kurz davor. Als Ende Mai Sven Schipplock den 2:1-Siegtreffer für den DSC in Kiel erzielt, ist praktisch klar: Das ist das Tor zum Aufstieg!

Inzwischen hat Arminia sieben Spiele in der Bundesliga absolviert, von denen die letzten fünf allesamt verloren gingen. Zuletzt, vor der Länderspielpause, kassierte der DSC ein 0:5 bei Union Berlin. Fast schon altersmilde sagt Philipp Köster: „Früher hätte mir so ein 0:5 das Wochenende und mindestens noch den Montag versaut.“ Doch wer so viel mit seinem Verein erlebt und das dann auch noch niedergeschrieben hat, den erschüttert so ein Ergebnis oder die harte Erstliga-Realität nicht mehr so sehr. „Die Liga ist egal, es geht um den speziellen Geist, der den Klub ausmacht“, sagt Köster, und darum geht es auch in seinem Buch.

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