Erst die Glanzleistung, dann das Babyglück: Es läuft für die Arminia und ihren Torwart
Ortega wird das Kind schon schaukeln

Bielefeld (WB) -

Stefan Ortega Moreno muss sich fühlen wie im siebten Himmel. Erst seine Topleistung im Fußball-Bundesligaspiel am Mittwochabend gegen den VfB Stuttgart. Am Tag danach dann die Geburt der kleinen Alba Lucia. Arminia Bielefelds Keeper wurde am Donnerstag zum ersten Mal Vater.

Freitag, 22.01.2021, 03:00 Uhr
Nach seiner Hackenparade scheint Stefan Ortega Moreno es selbst kaum fassen zu können, dass der Ball auf dem Tor und nicht im Tor liegt. Joakim Nilsson, Marcel Hartel und Jacob Laursen (von links) schauen ebenfalls etwas ungläubig.
Nach seiner Hackenparade scheint Stefan Ortega Moreno es selbst kaum fassen zu können, dass der Ball auf dem Tor und nicht im Tor liegt. Joakim Nilsson, Marcel Hartel und Jacob Laursen (von links) schauen ebenfalls etwas ungläubig. Foto: Thomas F. Starke

Bei Instagram postete der 28-Jährige ein Foto mit den Händen der Tochter und der Mutter (Sabina) des Kindes, die wiederum so sicher in der Hand des Torwarts liegen wie am Vorabend die Schüsse der Stuttgarter.

Ortega Moreno hielt gegen die Schwaben alles – und sogar noch ein bisschen mehr. In einer Szene musste man sich sogar fragen: Wie viel Rene Higuita steckt eigentlich in Ortega Moreno? Mit seiner „unmenschlichen“ (Fabian Klos) Hacken-Parade beim 3:0 (1:0) über die Schwaben bewahrte der Torwart den DSC Arminia in der gutklassigen Flutlichtpartie nicht nur vor dem Anschlusstor. Er weckte auch noch Erinnerungen an eine der spektakulärsten Paraden der Fußballgeschichte.

Bei einem Freundschaftsspiel im Londoner Wembleystadion verblüffte der kolumbianische Schlussmann Higuita 1995 das Publikum, indem er einen Fernschuss der Engländer statt mit den Händen zu fangen auf der Torlinie mit dem Kopf voraus nach vorne auf die Hände fallend mit beiden Fersen zurück aufs Spielfeld kickte. Der „Scorpion-Kick“ war geboren.

Higuitas Aktion war damals genau so geplant. Die Abwehr des DSC-Torwarts im Spiel gegen Stuttgart war dagegen ein Reflex. Doch auch der TV-Kommentator am Sky-Mikrofon nannte Ortega Moreno prompt den „Westfalen-Higuita“.

Der Kolumbianer, geboren 1958 in Medellin, ist auch bekannt als „El Loco“ (Der Verrückte). Ein Spitzname, der so gar nicht zum bodenständigen Ortega Moreno, geboren 1992 in Kassel-Calden, passen würde. Aber verrückt war es dennoch, wie er den von VfB-Stürmer Sasa Kalajdzic abgefälschten Ball im Fallen mit der Hacke über die Latte lenkte. „Ich habe ihm beim anschließenden Eckball gesagt, dass das mörderisch gehalten war“, verriet Kalajdzic später.

Und Kapitän Klos meinte mit Blick auf die Szene lachend: „So was habe ich noch nicht gesehen, vielleicht geht das nur mit seinen X-Beinen.“ X-Beine? Ortega Morenos Retourkutsche ließ nicht lange auf sich warten: „Das hat er so gesagt? Mit der Figur? Wenn er das sagt, dann ist das so, Klosi hat auch hier und da seine Schwachstellen, da kann ich ganz gut mit leben.“

Sein Reflex, so Ortega Moreno, sei das gewesen, „was Torhüter vielleicht manchmal haben: das gewisse Gespür für solche Situationen“. Er habe eigentlich schon nicht mehr damit gerechnet, dass noch ein Spieler an den Ball kommt. Kalajdzic aber kam dran. „Es ging dann schnell vom Gehirn bis zu den Beinen“, sagte Ortega Moreno.

Auch Lothar Matthäus, Experte im TV-Studio, war aus dem Häuschen. „Das war eine Weltklasse-Parade“, urteilte der Weltmeister. Den Einwurf des Moderators und Arminia-Fans Sebastian Hellmann („Glück“) wollte Matthäus nicht gelten lassen: „Bei Manuel Neuer heißt es bei solchen Paraden immer ‚Weltklasse‘. Das war auch Weltklasse“, betonte Matthäus.

Ortega Moreno hatte darüber hinaus noch ein paar andere Paraden auf Lager, weshalb er sich nach dem dritten Zu-Null-Spiel des DSC in Folge als Mann des Abends fühlen durfte. Dass er mit einem langen Abschlag zudem das vorentscheidende 2:0 einleitete, ging in dem Hype um seine Mega-Parade in der 72. Minute gegen Kalajdzic beinahe unter.

Ortega Moreno sandte dann noch eine Botschaft der Hoffnung an alle Arminen: „Ich bin frohen Mutes, dass wir das alles schaffen können.“ Nach diesem Spiel sind sich sowieso alle sicher: Dieser Keeper wird das Kind schon schaukeln.

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