Nur ein Punkt aus fünf Rückrundenspielen bei 5:17 Toren – Arminia Bielefeld berät nach dem 0:3 in Dortmund über die Zukunft des Trainers
Darum muss Neuhaus um seinen Job fürchten

Dortmund/Bielefeld (WB) -

Schon wieder drei Gegentore. Insgesamt nur ein Punkt aus den ersten fünf Rückrundenspielen. Ein desaströses Torverhältnis von 5:17. Immerhin das Abrutschen auf Abstiegsplatz 17 ist den Arminen durch das Mainzer Heim-0:1 am Sonntag gegen Augsburg erspart geblieben. Dennoch stellt sich nach dem 0:3 (0:0) des DSC am Samstag bei Borussia Dortmund die Frage: Was wird aus Uwe Neuhaus?

Montag, 01.03.2021, 02:59 Uhr aktualisiert: 01.03.2021, 06:11 Uhr
Uwe Neuhaus (61)
Uwe Neuhaus (61) Foto: Thomas F. Starke

 Denn nachdem bereits im Anschluss an Arminias sieben Partien umfassende Niederlagenserie während der Hinrunde der Trainer angezählt war und erst mit dem 1:0-Sieg beim FC Schalke seinen Job sicherte, dürften die Diskussionen um Neuhaus nun wieder Fahrt aufnehmen. Damit konfrontiert, meinte der 61-Jährige, dass diese Diskussionen ja nicht erst seit dem Dortmund-Spiel aufkamen, sondern „durchgängig da waren“. Er wolle sich aber ohnehin „ausschließlich über die Trainingsarbeit Gedanken machen“, erklärte Neuhaus, bezeichnete sich bei diesem Thema als der „falsche Ansprechpartner“ und forderte am Schluss der Pressekonferenz nach der Partie in Dortmund nur: „Darum andere Fragen bitte.“ Doch die blieben aus.

Auf die Frage nach der Zukunft des Trainers gab dafür am Sonntag Samir Arabi erste Antworten. Arminias Sport-Geschäftsführer erklärte: „Es ist unsere Aufgabe, mit der Situation verantwortungsvoll im Sinne des Klubs umzugehen. Die Geschäftsführung und die Gremien werden gemeinsam analysieren und bewerten.“

Bereits am Sonntag seien Gespräche geführt worden, am Montag sollen diese fortgesetzt werden. Arabi betonte, dass ein Austausch unter den Gremienvertretern nichts Ungewöhnliches sei und dieser Prozess auch nach der Partie in Dortmund laufe. Doch natürlich geht es in diesen Gesprächen diesmal fast ausschließlich um die Zukunft von Uwe Neuhaus. Mit einer Entscheidung über dessen mögliche Entlassung ist am Montag zu rechnen.

Situation ist diffizil

Die Situation ist diffizil. Einerseits war die Erwartungshaltung an den Aufsteiger, der mit dem kleinsten Etat an den Erstligastart ging, überschaubar. Andererseits liegen die Arminen auch nach dem verkorksten Rückrundenstart immer noch aussichtsreich im Rennen, sodass man die unverhoffte Chance auf den Ligaerhalt nur ungern ungenutzt ließe und sich Aufsichtsrat und Geschäftsführung im Nachhinein ebenso ungern den Vorwurf anhören würden, nicht alles versucht zu haben, um das vermeintlich Unmögliche möglich zu machen. Die Verlockung, einen neuen Impuls zu setzen, dürfte also groß sein.

Unter Neuhaus holte Arminia in der 1. Liga bisher im Schnitt nur 0,82 Punkte pro Partie. Hochgerechnet auf 34 Spieltage ergäbe das 28 Punkte. Nur zweimal reichte das in den vergangenen zehn Jahren für Abschlussplatz 16 (siehe Kasten).

Neuhaus selbst hatte nach 17 Punkten aus 17 Spielen bei Saisonhalbzeit gefordert, die Ausbeute in der Rückrunde zu toppen. Bisher aber laufen die Arminen im Vergleich zur ersten Halbserie zum jetzigen Zeitpunkt drei Zählern hinterher.

Erheblicher Kostenaufwand

Unabhängig von der sportlichen Ausgangslage würde ein Trainerwechsel auch einen erheblichen Kostenaufwand bedeuten. Zwei Trainer zu bezahlen, würde für den DSC, der sich angesichts der Corona-Krise ohnehin in sehr angespannter Finanzlage befindet, einen Kraftakt bedeuten. Zumal sich die Garantie, dass es mit einem neuen Übungsleiter erfolgreicher laufen würde, nicht mitkaufen ließe. Beispiel Pal Dardai: Seit der Ungar zu Hertha BSC zurückgekehrt ist, sammelten die Berliner in fünf Spielen nur einen Punkt.

Apropos Berlin: Am Sonntag empfangen die Ostwestfalen den 1. FC Union. Und nur drei Tage später wird auf der Alm das am 7. Februar ausgefallene Spiel gegen Werder Bremen nachgeholt. Ein Doppelpack, bei dem die Weichen gestellt werden in Richtung Ligaerhalt oder zumindest Platz 16 – oder eben in Richtung Zweitklassigkeit. Ein neuer Trainer könnte neuen Schwung für diese richtungsweisenden Duelle bringen.

Es erscheint zum jetzigen Zeitpunkt ausgeschlossen, dass der DSC im Falle des Abstiegs an Neuhaus (Vertrag bis 2022) festhalten würde. Im Sommer wäre ein vergleichsweise sauberer Schnitt möglich. Arminia könnte dann mit einem unbelasteten Trainer das Unternehmen Wiederaufstieg ins Visier nehmen.

Doch so weit muss es nicht kommen. Neuhaus hat in dieser Saison schon einmal in einer prekären Situation den Richtungswechsel geschafft. Jedoch wäre es dafür zwingende Voraussetzung, den Laden wieder dicht zu kriegen. So kassierte Arminia am Samstag auch im fünften Bundesligaspiel hintereinander mindestens drei Gegentore. Eine längere derartige Serie hatte in der 1. Liga letztmals der Hamburger SV in der Saison 2013/14 (6 Spiele). Am Ende retteten sich die Hanseaten in der Relegation.

Angriff erwischte schwachen Tag

Die Gegentorflut macht es Arminia derzeit unmöglich, auch an Tagen, an denen vorne nichts geht, zumindest mal ein 0:0 zu holen. Der Angriff mit Fabian Klos und Sergio Cordova erwischte in Dortmund einen ganz schwachen Tag. Beide Stürmer vergaben je eine Großchance, Cordova verpasste das 1:0 (43.), Klos das Anschlusstor zum 1:2 (62.). „Natürlich habe ich ein bisschen mehr erwartet“, sagte Neuhaus über die Offensivleistung. „Einerseits ist es müßig, über das Was-wäre-wenn nachzudenken. Andererseits hat man ein kleines bisschen im Hinterkopf, wie es war, als wir in München in Führung gingen (Endstand 3:3). Das verleiht Kräfte“, haderte Neuhaus insbesondere mit der vergebenen Möglichkeit von Cordova.

Und noch eine Baustelle muss Neuhaus oder dessen Nachfolger schließen: Alle 14 Partien, in denen Arminia in dieser Spielzeit in Rückstand geriet, gingen auch verloren. Am Samstag hätte man nach dem Führungstor des BVB durch Mahmoud Dahoud (48.) eigentlich schon nach Hause fahren können. Dann wären den Ostwestfalen die weiteren Treffer durch Jadon Sancho (58., Elfmeter nach Foul von Amos Pieper an Marco Reus) und Reinier (81.) erspart geblieben. Dieser eklatante Mangel an Comeback-Qualitäten ist ganz bestimmt nicht nur eine Frage der Qualität, sondern auch eine Frage der Mentalität.

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