Di., 05.03.2019

Fußball: Torwart aus Borgholzhausen hält im Pokal-Derby vier Elfmeter »Hölle« hält wie der Teufel

Elfmetertöter und Pokalheld: Marcel Hölscher feiert mit seinen Wiedenbrücker Teamkollegen den Derbysieg gegen SC Verl.

Elfmetertöter und Pokalheld: Marcel Hölscher feiert mit seinen Wiedenbrücker Teamkollegen den Derbysieg gegen SC Verl. Foto: Henrik Martinschledde

Borgholzhausen (WB/star/kra). Viktor Maier hat den richtigen Riecher. Schon vor dem finalen Akt des Westfalenpokal-Halbfinales sagt der verletzt auf der Tribüne zuschauende Stürmer des SC Wiedenbrück: »Das wird heute Hölles Tag.« Tatsächlich bereitet Marcel Hölscher, genannt »Hölle«, den Elfmeterschützen des SC Verl dieselbe auf Erden, indem er wie der Teufel alle Strafstöße hält.

Marcel Hölscher ist im Fußball-Internat des Hamburger SV ausgebildet worden. Der damalige Torwarttrainer Richard Golz, 273 Erstliga-Spiele für den HSV, hat dem Borgholzhausener Jungen schon vor zehn Jahren alles zugetraut: »Wer wirklich gut ist, der kommt, wenn auch nicht beim HSV, bei einem Profi-Verein unter. Hölle ist gut, ehrgeizig und selbstkritisch. Er wird es schaffen«, hat Golz beim WB-Besuch 2009 vor den Toren Hamburgs gesagt. Der Sprung nach ganz oben in die 1. oder 2. Liga ist Hölscher zwar verwehrt geblieben. Doch auch wenn er nicht regelmäßig vor 50.000 Zuschauern aufläuft, so hält sein Fußballer-Leben immer wieder diese besonderen Momente bereit. Momente, von denen der 27-jährige Torwart aus Pium, der seit 2011 das Wiedenbrücker Tor hütet, vielleicht einmal seinen Enkeln erzählen wird.

So wie das Westfalenpokal-Halbfinale zwischen seinem SC Wiedenbrück und Nachbar Verl an jenem 1. März 2019. Schon in der regulären Spielzeit (42.) wehrt Marcel Hölscher einen Strafstoß von Julian Stöckner bravourös ab. Im Elfmeterschießen brilliert er dann auf phänomenale Art und Weise. Der Schlussmann pariert die Schüsse von Bastian Müller, Matthias Haeder und Marco Stojanovic. Weil die Teamkollegen Andre Wallenborn, Oliver Zech und Kamil Bednarski sicher verwandeln, ist das Fußballspiel in der Sportclub-Arena mit 3:0 für die Gäste entschieden, ohne dass ihre letzten beiden Schützen überhaupt antreten müssen. Der SC Wiedenbrück erreicht damit das Endspiel am 25. Mai gegen den Ligakonkurrenten SV Rödinghausen. Wo das Finale stattfindet, das ist noch offen.

Natürlich bezeichnet SCW-Trainer Björn Mehnert seinen Keeper als »Matchwinner«. Auch Kollege Rino Capretti würdigt Hölscher: »Er war der beste Mann auf dem Platz.« Mitten in ihrer Wut über die Leistung der eigenen Mannschaft gratuliert selbst das Grüppchen Verler Fans dem Elfmetertöter: »Respekt Marcel«, rufen sie ihm beim Verlassen des Platzes zu. Auf dem ist »Hölle« nach der Entscheidung kurzzeitig unter einem blau-schwarzen Spielerknäuel begraben gewesen, bevor er mit seinem Team im Kreis tanzt.

So ausgelassen hat man die Fußballer aus dem Jahnstadion in dieser Saison noch nicht feiern sehen. Als Tabellenvorletzter der Regionalliga hat es indes kaum Anlass dazu gegeben. Jetzt aber kann sich Marcel Hölscher sogar noch lustige Frotzeleien als Komplimente an die Handschuhe heften. »Er hätte die Bälle festhalten müssen« moniert Betreuer Hans-Dieter Paschköwitz. Und Mittelfeldspieler Daniel Brinkmann kritisiert: »Ich hätte gedacht, dass unser Torhüter in der Verlängerung auch mal mit nach vorne kommt.«

Der »Held« selbst genießt das Erfolgserlebnis. Und auch zum Feiern haben Hölscher und seine Teamkollegen Zeit: Trainer Björn Mehnert hat der Mannschaft zwei Tage frei gegeben.

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