Do., 18.04.2019

Tennis: Blau-Weiß Halle und Tennispark Versmold sind Nachbarn und sportliche Konkurrenten Wachablösung? – »Das ist ein langer Weg«

Versmolds Teamchef Karsten Wolf (links) und sein Haller Kollege Thorsten Liebich haben über das anstehende Derby und die Perspektiven der beiden besten heimischen Vereine diskutiert.

Versmolds Teamchef Karsten Wolf (links) und sein Haller Kollege Thorsten Liebich haben über das anstehende Derby und die Perspektiven der beiden besten heimischen Vereine diskutiert. Foto: Stephan Arend

Von Stephan Arend

Halle/Versmold  (WB). Blau-Weiß Halle hat seine Mannschaft im Vorjahr aus der Bundesliga zurückgezogen. Nachbar Versmold rüstet sportlich auf, investiert zudem in seine Anlage und einen neuen Centre Court. Steht in der Tennis-Hochburg Altkreis Halle die Wachablösung unmittelbar bevor? Was haben beide Vereine mit ihren Teams in der Regionalliga bzw. Westfalenliga vor. Und wird in Versmold neben dem Weltranglisten-Turnier Reinert Open mittelfristig Erstliga-Tennis angepeilt. Diese Themen haben die Teamchefs Thorsten Liebich (Halle) und Karsten Wolf (Versmold) auf Einladung des WESTFALEN-BLATTes diskutiert.

Was war ihr erster Gedanke, als sie vom Rückzug der Haller Bundesliga-Mannschaft gehört haben?
Karsten Wolf (Teamchef Tennispark Versmold): Wirklich schade. Ich habe die Stimmung in vielen Spielen selbst miterlebt. In all den Jahren haben sich die Bundesliga-Spiele in Halle zu einem Spektakel entwickelt, das oft sehr gut besucht war. Ich habe auch viele Nummernschilder von außerhalb gesehen.
Bedeutet der Bundesliga-Rückzug auch eine Wachablösung in der Tennishochburg Altkreis Halle?
Wolf: Von der reinen Ligazugehörigkeit kann das sein. Halle kann nicht aufsteigen, wir möchten nach dem Abstieg in der vergangenen Saison zurück in die 2. Bundesliga.Thorsten Liebich (Teamchef Blau-Weiß Halle): Das einzig Positive an unserem Rückzug war, dass wir jetzt mit Versmold in einer Liga spielen. Ich sehe es nicht als Wachablösung, wenn Versmold aufsteigt und 2020 eine Liga höher spielt. Bei uns hat es unfassbar lange gedauert, bis die Bundesliga als Event angenommen worden ist und sich als fester Termin etabliert hat. Versmold hat in der 2. Bundesliga tolle Spieler aufgeboten. Aber viele Zuschauer waren nicht da. Es ist ein so langer Weg, erst die eigenen Leute zu begeistern und dann das Umfeld zu gewinnen. Wolf: Stimmt. Eine Wachablösung bedeutet deutlich mehr als die Ligazugehörigkeit. Es geht auch darum, einen Event-Charakter und ein Flair auf die Anlage zu bringen. Das ist eine große Herausforderung.
Ist in Versmold, auch im Hinblick auf den Haller Rückzug, mittelfristig die 1. Liga eine Vision?
Wolf: Natürlich baut man keinen neuen Centre Court und erweitert die Anlage, um LK-Tagesturniere auszurichten. Unser Präsident und Hauptsponsor Hans-Ewald Reinert möchte Optionen haben. Es gibt viele Überlegungen und ich würde mittelfristig die 1. Liga nicht ausschließen. Abgesehen davon, dass der Weg dorthin weit und schwer zu planen ist, hat bei diesen Fragen natürlich Herr Reinert das letzte Wort.Liebich: Ich finde sehr interessant, dass Versmold sowohl ein ambitioniertes Damen- als auch ein Herrenteam hat. Wenn ihr mit beiden Mannschaften ganz nach oben wollt, dann wird das auf jeden Fall sehr teuer...Wolf: Wir müssen uns strategisch positionieren: Wofür stehen wir? Halle stand neben den Gerry Weber Open 30 Jahre für Bundesliga-Tennis. Und für eine gute Damen-Mannschaft. Wir halten es uns offen. Aber natürlich kommt der Zeitpunkt, stärker in die eine oder andere Richtung zu gehen.
Ist die Versmolder Herren-Mannschaft ein sicherer Aufsteiger?
Liebich: Sicherer Aufsteiger ist Quatsch. Wäre das so, dann müsste ja gar nicht mehr gespielt werden. Alle wollen Versmold ärgern und sind so stark besetzt, dass sie dazu auch in der Lage sind. Wenn man zum Beispiel am falschen Termin gegen Köln II antritt, dann kann es sein, dass die mit drei Leuten aus dem Erstliga-Kader auflaufen. Aber klar: Versmold ist der Topfavorit, hat eine ambitionierte Mannschaft, die durch die vielen neuen Spieler auch in der Breite hervorragend aufgestellt ist. Wolf: Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, wollen gerne aufsteigen und nehmen die Favoritenrolle an. Einer unserer Anker ist Daniel Masur, der für alle Begegnungen eingeplant ist. Auch Marvin Netuschil hat Versmolder Blut. Alle gemeldeten Spieler sollen sinnvoll eingesetzt werden. Ich glaube nicht, dass man alle Partien gewinnen muss, um aufzusteigen.
Was hat sich das Haller Team vorgenommen, das ja zum ersten Mal als erste Mannschaft in der Regionalliga antritt?
Liebich: Ich hätte gerne auch Aslan Karatsev aus dem letztjährigen Erstliga-Aufgebot gemeldet. Doch der ist noch kurzfristig von Blau-Weiß Aachen verpflichtet worden. Die Liga ist nämlich unheimlich stark. Es ist gar nicht so lange her, da sind wir in ähnlicher Besetzung wie in dieser Saison mit der zweiten Mannschaft zwei Mal Regionalliga-Meister geworden. Jetzt hoffen wir, den Klassenerhalt zu schaffen. Auch wir haben einige Neuzugänge. Doch anders als in Versmold sind die aufgrund ihrer Kontakte zu unseren Spieler gekommen. Die Jungs kennen sich gut. Um in jedem Spiel eine Chance zu haben, müssen die Neuzugänge möglichst oft spielen.
Was erwarten sie vom direkten Aufeinandertreffen gleich am ersten Spieltag am 1. Mai in Halle?
Liebich: Ich hoffe und denke, dass unsere Anlage für Regionalliga-Verhältnisse gut besucht sein wird, zumal unsere Damen parallel ihren Regionalliga-Auftakt gegen Bonn bestreiten. Ich habe gehört, dass auch einige unserer Bundesliga-Zuschauer neugierig auf die neue Haller Mannschaft sind. Das Nachbarschaftsduell mit Versmold ist ein super Saisonauftakt, für uns ein Heimspiel ohne Druck. Tennispark ist uns nominell an jeder Position deutlich überlegen. Wir sind krasser Außenseiter. Doch das muss nichts bedeuten. Wir haben Bock, werden uns nach Kräften wehren und freuen uns über jeden einzelnen Punkt. Wenn wir über uns hinauswachsen und 5:4 gewinnen, freuen wir uns ein Loch in den Bauch.Wolf: Ich habe bei der Saisonplanung darauf geachtet, dass wir gerade in den ersten Spielen stark aufgestellt sind. Wir freuen uns auf das Spiel. Ein perfekter Termin, weil in allen anderen Ligen noch nicht gespielt wird. Man könnte fast denken, Thorsten und ich hätten beim Staffelleiter daran gedreht...
Themenwechsel: Bei den Damen spielt Halle noch eine Liga höher. Doch man muss kein großer Experte sein, um darauf zu wetten, dass Versmold in dieser Saison in die Regionalliga aufsteigt...
Liebich: Es kann sein, dass Versmold alle Spiele 9:0 gewinnt. Die Mannschaft ist so gut, dass sie auch konkurrenzlos in die 2. Liga aufsteigen und dort in Bestbesetzung eine gute Rolle spielen würde. Nicht böse gemeint: Aber eine solche Mannschaft hat in der Westfalenliga nichts zu suchen. Alle Gegner werden abschenken. Angesichts der Versmolder Dominanz wird für ambitionierte Teams diese Saison witzlos sein.Wolf: Grundsätzlich kann ich in Bezug auf unsere Favoritenrolle nicht widersprechen. Allerdings haben wir schon die ersten Ausfälle. Jana Hecking hat sich das Kreuzband gerissen, Merel Hoedt den Ellenbogen gebrochen. Aber wir hatten schon letzte Saison eine starke Mannschaft, haben nun mit Julia Wachaczyk, Franzi Kommer, Ana Rosnowska und einer immer stärkeren Joelle Steur unfassbar viel Qualität und sind auch in der Breite hervorragend aufgestellt.
 Ist es möglich, dass Tennispark Versmold mit der Damen-Mannschaft in einigen Jahren 1. Liga spielt?
Wolf: Wir haben mit den aktuellen Neuzugängen Fakten und eine Perspektive für die 2. Liga geschaffen. Wir haben auch nicht vor, den Kader Jahr für Jahr zu verändern. Die Vereinbarungen sind längerfristig geschlossen. Vermutlich stellt man sich dann in der 2. Liga die Frage, ob es Sinn macht, einen Schritt weiter zu gehen. Aber da sind wir ja noch nicht. Wir spielen aktuell Westfalenliga. Allgemein macht die 1. Liga insofern Sinn dass dann zu den Liga-Spielen deutsche Top-Spielerinnen wie Siegemund, Friedsam oder Zaja auf unsere Anlage kommen würden, die die Zuschauer möglicherweise wenige Wochen später bei den Reinert Open wiedersehen. Mit dem Turnier als Hintergrund, den Synergieeffekten – und weil Damentennis in diesem Bereich finanziell darstellbarer ist als Herrentennis – ist die 1. Liga sicherlich interessant. Aber das sind meine persönlichen Gedankenspiele. Auch da ist es entscheidend, wie unser Präsident und Hauptsponsor Hans-Ewald Reinert die Geschichte sieht. Liebich: Damen-Bundesliga haben wir in dieser Region noch nie gehabt. Das würde ich spannend finden. Habt ihr auch Optionen, den neuen Centre Court zu erweitern und andere Events wie zum Beispiel ein Fed-Cup-Spiel der deutschen Mannschaft durchzuführen? Wolf: Was die Kapazität angeht, sind wir sehr flexibel. Mit Hilfe von Stahlrohrtribünen könnten 2500 bis 3000 Zuschauer auf dem Centre Court Platz finden. Wir wissen, dass Versmold nicht der Nabel der Welt ist. Aber das ist Halle auch nicht, und trotzdem gibt es so etwas Wunderbares wie die Gerry Weber Open. Aber wir wollen mit unserer neuen Anlage vor allem auch den Mitgliedern etwas bieten, Neue hinzugewinnen, einfach die Verweildauer auf der Anlage erhöhen und zum Beispiel mit so etwas wie einer Boulebahn Event-Charakter schaffen.
Das Haller Damenteam hat im Vorjahr sportlich den Sprung in die 2. Liga geschafft – aber auf den Aufstieg verzichtet...
Liebich: Das Geld für die 2. Liga hätten wir zusammen bekommen. Aber wenn wir aufsteigen, brauchen wir für die Positionen eins bis drei neue Spielerinnen. Und dann wäre für einige aus der Aufstiegsmannschaft kein Platz mehr gewesen. Deshalb waren mit Ausnahme einer Spielerin alle einverstanden, weiter Regionalliga zu spielen.
Was kann man in dieser Regionalliga-Saison vom Team erwarten?
Liebich: Franziska Kommer, die nach Versmold gewechselt ist, war wichtig für uns, weil sie an einer vorderen Position eingesetzt worden und eine starke Doppel-Spielerin ist. Und Catrin Levers, die ebenfalls nicht mehr zur Verfügung steht, hat die Mannschaft gut geführt. Auf der anderen Seite ist Derya Turhan in diese Rolle prima hineingewachsen. Durch die Neuzugänge – und weil Jaimy Van de Wal diese Saison in allen Partien zur Verfügung steht – sind wir ähnlich stark aufgestellt. Die Liga ist super ausgeglichen besetzt. Ich hoffe, wir können wieder oben mitspielen.

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