Mi., 04.12.2019

Haller Golfclub Teutoburger Wald arbeitet auch mit Schulen zusammen Mit Vorurteilen aufräumen

Im Sommer machte sich auch Tennis-Coach Ivan Lendl, ein begeisterter Golfspieler, ein Bild von der Nachwuchsförderung in Halle.

Im Sommer machte sich auch Tennis-Coach Ivan Lendl, ein begeisterter Golfspieler, ein Bild von der Nachwuchsförderung in Halle.

Von Stephan Arend

Halle (WB). Der Haller Golfclub Teutoburger Wald steht für eine intensive Nachwuchsförderung, hat Top-Spieler wie Profi Julian Kunzenbacher, den Deutschen Jugendmeister Timo Vahlenkamp oder die aktuellen Ausnahmetalente Luisa Vogt und Fynn Hessenkämper herausgebracht. Auch in Zukunft sollen Kinder und Jugendliche zum Beispiel bei Schulprojekten für den Golfsport begeistert werden. Dabei haben Trainer Ralf Berhorst und Jugendwartin Bettina Vogt noch immer mit Vorurteilen zu kämpfen. Sie wehren sich dagegen, dass Golf in Halle zu teuer und elitär ist: „ Es geht bei uns um den Sport und den Spaß daran – nicht ums Sehen und Gesehen werden.“ Zudem verweisen Vogt und Berhorst auf günstige Tarife vor allem für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.

Luisa Vogt im Nationalkader

Luisa Vogt (15) zählt nicht nur zu den größten Talenten im Haller Golfclub Teutoburger Wald. Die NRW-Meisterin gehört seit dieser Saison auch zum deutschen Nationalkader und darf dort an allen Fördermaßnahmen teilnehmen. So wird die Bielefelder Gymnasiastin im Winter auch zu fünftägigen Trainingslehrgängen nach Portugal aufbrechen. In der kommenden Saison wird Luisa Vogt zudem für den Golfclub Hubbelrath in der 1. Bundesliga der Damen antreten. „Es war abzusehen, dass solche Angebote kommen. Und in Halle gibt es keine vergleichbare Mannschaft“, kann Trainer Ralf Ber­horst die Entscheidung des Ausnahmetalents verstehen. Die 15-Jährige wird allerdings nur am Wochenende für die Vorbereitung auf die Liga-Spiele nach Düsseldorf fahren und bleibt dem Haller Golfclub Teutoburger Wald weiterhin verbunden.

Wie hoch ist der Anteil an Kindern und Jugendlichen im Verein?

Bettina Vogt: Im Moment sind von den knapp 1000 Mitgliedern 150 Kinder oder Jugendliche. 60 von ihnen nehmen regelmäßig am wöchentlichen Training teil.

 

Aber es könnten noch mehr junge Spieler sein?

Ralf Berhorst: Wir hätten bei entsprechender Nachfrage auch Kapazitäten für zusätzliche Gruppen. Wir wollen optimal fördern, so dass die Gruppen nicht zu groß werden dürfen.

Vogt: In den Trainingsgruppen betreuen wir fünf bis zehn Kinder, bei der Einteilung berücksichtigen wir Alters- und Leistungsunterschiede.

 

Die beiden aktuell besten Nachwuchsspieler Luisa Vogt und Fynn Hessenkämper haben bei einem Feriencamp in Halle mit dem Golfsport begonnen. Ist dies noch immer ein Weg, Nachwuchs zu gewinnen?

Vogt: Auch in diesem Jahr haben wir ein Camp in den Osterferien und zwei in den Sommerferien angeboten. Daran haben auch Anfänger teilgenommen.

 

Wie sieht die Zusammenarbeit mit Schulen aus?

Berhorst: Wir arbeiten seit 20 Jahren mit dem Haller Kreisgymnasium zusammen und bieten für die Schüler eine Golf-AG an – also schon lange bevor der Deutsche Golf Verband Schulprojekte mit Fördermitteln unterstützt. In diesem Jahr hatten wir auch eine Kooperation mit dem Gymnasium in Werther und der Lindenschule in Halle. Wir wollen in Zukunft verstärkt mit Grundschulen zusammenarbeiten. Wir haben auch die Idee, im Offenen Ganztag ein Golfangebot zu machen. Wir denken, dass den Kindern nach einem Schulvormittag Bewegung am Nachmittag gut tut. Die Konkurrenz ist allerdings riesig. Wir müssen die Kinder früh abholen. Im Alter von 14 oder 15 haben sich die meisten schon für einen Sport entschieden. Und wer vier Mal in der Woche zum Turnen geht, der spielt nicht zusätzlich Golf. Manche Kinder haben sich aber in der dritten und vierten Klasse noch nicht festgelegt.

 

Wie erfolgreich sind die Schulprojekte?

Berhorst: Den Kindern macht es viel Spaß. Einige können gar nicht genug bekommen. Doch viele denken, dass es sehr teuer ist, in unserem Club Golf zu spielen. Sie glauben, das kostet 150 bis 200 Euro im Monat. Es gibt eben immer noch diese Vorurteile. Doch Golf ist für Kinder und Jugendliche wirklich sehr günstig. 13 bis 18-Jährige zahlen 80 Euro Mitgliedsbeitrag im Jahr – und wenn gewünscht noch einmal 150 Euro für das wöchentliche Training. Diese wichtigen Informationen kommen wahrscheinlich gar nicht bei den Eltern an und müssen von uns besser transportiert werden.

 

Beim Übergang vom Jugend- in den Erwachsenenbereich verlieren Vereine in anderen Sportarten viele Mitglieder, auch weil Vergünstigungen und Trainingsangebote wegfallen....

Berhorst: Bei uns kann man auch mit 18 Jahren noch im Jugendtraining bleiben, bis sich eine neue Junioren-Gruppe bildet – und muss nicht von heute auf morgen mit dem Training aufhören. Wir haben auch eine zweite DGL-Mannschaft gemeldet, damit Spieler, die bisher in der Jugendliga angetreten sind und für die der Sprung ins Zweitliga-Team zu groß ist, weiterhin in einer Mannschaft aktiv sein können.

Vogt: Und was die Mitgliedsbeiträge angeht. Den vollen Betrag muss man erst mit 30 Jahren zahlen. So bleibt der Golfsport auch für Mitglieder, die in der Ausbildung sind, erschwinglich.

 

Frau Vogt, warum ist Golf für Kinder genau der richtige Sport?

Vogt: Ich habe zwei Kinder, die beide Golf spielen. Ich bin für jede Stunde, die sie an der frischen Luft verbringen, dankbar. Und Golf bedeutet nicht nur Bewegung.

Berhorst: Das stimmt. Die Konzentration wird gefördert. Man lernt Misserfolge zu akzeptieren. Und es geht natürlich auch darum, Werte zu vermitteln. Wie gehe ich mit anderen Menschen um? Wie verhalte ich mich im sportlichen Wettkampf fair? Golf bleibt bei allem Ehrgeiz ein Spiel, das vor allem Spaß machen soll. Ich selbst war in jungen Jahren ein richtiger Rabauke. Ich habe auf dem Golfplatz viel fürs Leben gelernt und bin sehr dankbar dafür.

 

Herr Berhorst, Sie leiten in Halle das NRW-Stützpunkt-Training, bei dem auch sechs Talente aus Ihrem Verein gefördert werden. Welche sportlichen Perspektiven ergeben sich aus der intensiven Förderung junger Spieler?

Berhorst: Wir haben vier Talente im Alter von 13 und 14 Jahren, die schon jetzt ein einstelliges Handicap haben. 2021 sehe ich sie in unserer ersten Mannschaft, die dann hoffentlich weiterhin in der 2. Bundesliga antritt. In den Jahrgängen danach gibt es im Moment eine Lücke. Bei den Acht- bis Elfjährigen müssen wir Aufbauarbeit von ganz unten leisten. Deshalb streben wir ja auch Kooperationen mit Grundschulen an.

 

 

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