Tennis: Ausnahmetalent Talent Marc Majdandzic (14) hat große Ziele
Training mit Monfils, Showmatch mit Agassi

Halle (WB). Im Dezember legen einige Tennisprofis im Sportpark Halle den Grundstein für eine hoffentlich erfolgreiche Saison. Breakpoint­-Coach Jan de Witt etwa, erst kürzlich zum DTB-Trainer des Jahres gewählt, lässt seinen Schützling Nikoloz Basilashvili schwitzen. Der Georgier hat in diesem Jahr seinen Titel beim ATP-Turnier in Hamburg verteidigt und wird in der Weltrangliste auf Platz 26 gelistet. Die Spielpartner wechseln. Auf der anderen Seite des Netzes steht nun ein 14-Jähriger. Marc Majdandzic ist zwei Köpfe kleiner als Basilashvili, doch auch er drischt auf die Filzkugel ein und kann schon ein erstaunlich hohes Tempo gehen.

Montag, 23.12.2019, 05:00 Uhr
Marc Majdandzic zählt in Europa zu den besten Spielern seiner Altersklasse. Mit Trainer Lennart Zynga trainiert der 14-Jährige in der Haller Breakpointbase. Zusammen gehen sie auch auf Turnier-Reise. Foto: Stephan Arend
Marc Majdandzic zählt in Europa zu den besten Spielern seiner Altersklasse. Mit Trainer Lennart Zynga trainiert der 14-Jährige in der Haller Breakpointbase. Zusammen gehen sie auch auf Turnier-Reise. Foto: Stephan Arend

Turniersiege in Europa

So motivierend die Ballwechsel mit dem Weltklasse-Spieler sind: Für Marc Majdandzic, der seit Anfang des Jahres in der Haller Breakpointbase trainiert, ist diese kurze Einheit fast ein Stück Normalität. „Beim ATP-Turnier in Umag habe ich Andrei Rublev vor dem Finale eingespielt und mit Gael Monfils trainiert“, erzählt das Ausnahmetalent, der dort auch schon ein kleines Showmatch mit André Agassi bestritten hat. In Umag leben die Großeltern, sein Vater Tomislav hat in der Heimat noch gute Kontakte. Der ehemalige jugoslawische Jugendmeister kennt Ex-Wimbledonsieger Goran Ivanisevic gut, der wiederum eine Verbindung zur großen Marketing-Agentur „starwing“ herstellte. Die Profis der Londoner Firma kümmern sich nicht nur um Topstars wie Stan Wawrinka, sondern auch um eines der größten deutschen Tennis-Talente. Ausrüstung, Turnierreisen, Training – all das wäre ohne Sponsoren finanziell kaum zu stemmen.

Marc Majdandzic hat einst wie Boris Becker und Steffi Graf das Jüngstenturnier in Lippe gewonnen, hat in den jeweiligen Altersklassen bei Deutschen Meisterschaften triumphiert, zuletzt im Sommer den nationalen U14-Titel gewonnen. Auch bei Turnieren im Ausland hat sich der Gymnasiast aus Bad Oeynhausen längst einen Namen gemacht. Er hat in diesem Jahr in Tallin und Budapest gewonnen und auch mit dem deutschen Nationalteam Erfolge gefeiert. Knapp 20 Turniere in Europa hat der Junge mit dem Käppi 2020 gespielt. Und weil dies natürlich auch außerhalb der Ferien passiert, bedeutet eine Turnierreise oft eine Woche Unterrichtsausfall – hinzu kommen Lehrgänge zum Beispiel vom Deutschen Tennis Bund. „Die Schule kommt Marc da sehr entgegen. Voraussetzung ist aber, dass die Noten gut sind“, sagt Mutter Kristina. Sie ist froh, dass die Tochter ihrer besten Freundin gewissenhaft den Unterrichtsstoff weiterleitet. Ihr ist wichtig, dass Marc einen guten Schulabschluss schafft, die Voraussetzung für einen Plan B neben der erhofften Profikarriere. „Ich lerne vor oder nach den Matches“, sagt ihr Sohn, der in der Schule neben Sport am liebsten Englisch mag. Kein Wunder, denn auch Interviews in der fremden Sprache schüttelt der 14-Jährige locker aus dem Ärmel.

Kniffel statt Süßes

Viele Jahre ist Marc Majdandzic von seinem Vater Tomislav gefördert worden. Seit Anfang 2019 steht er bis zu sechs Mal in der Woche in Halle auf dem Platz. „Hier kann ich auf allen Belägen trainieren. Und mein Vater kann sich um das neue Projekt kümmern“, zeigt Marc grinsend auf seinen elfjährigen Bruder Oliver, der ebenfalls mit viel Talent ausgestattet ist. Ein weiterer Grund, warum es Marc Majdandzic in der Haller Breakpointbase gut gefällt, ist sein Coach Lennart Zynga. „Lennart ist der beste Trainer, den man sich vorstellen kann. Er bekommt die Balance zwischen einem Kumpel und einem Coach, der auch mal streng sein muss, super hin“, lobt Mutter Kristina. Ihr geht nach eigenen Worten „das Herz auf“, wenn sie hört, dass Zynga auf Turnierreisen zwar manchmal Süßigkeiten verbietet, dafür aber einen Block Kniffelkarten kauft und mit ihrem Sohn knobelt.

So sehr Marc Majdandzic Tennis Spaß macht („Natürlich spiele ich auch Weihnachten, weil ich Bock darauf habe und mir sonst etwas fehlen würde“), soll sich aus einem leidenschaftlichen Hobby im besten Fall eine erfolgreiche Profi-Karriere entwickeln. „Mein Ziel ist es, jedes Grand-Slam-Turnier mehr als einmal zu gewinnen“, sagt Marc Majdandzic, ohne lange zu überlegen. Davon träumen viele Talente. Und so ist viel bemerkenswerter, was der 14-Jährige danach zu Bedenken gibt: „Die Chance, dass ich diese großen Ziele erreiche, liegen bei vielleicht 0,5 Prozent.“

Schritt für Schritt

Als nächstes will Deutschlands Nachwuchshoffnung viel mehr bei Jugendturnieren der nächst höheren Kategorie erfolgreich sein und dann mit vielleicht 16 oder 17 Jahren zunächst einmal bei den Grand-Slams der Junioren angreifen. Nur wenn die Leistungskurve weiterhin kontinuierlich ansteigt, wird Marc Majdandzic vielleicht tatsächlich in zehn oder 15 Jahren im Haller Sportpark als dreifacher ATP-Sieger und Top 30-Spieler mit einem 14-jährigen Talent der nächsten Generation die Filzkugel über das Netz dreschen – so wie Nikoloz Basilashvili an diesem Tag im Dezember 2019.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7147850?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2352973%2F2514637%2F
Stegner spekuliert über Haftstrafe für Unternehmer Tönnies
Schlachtbetrieb von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück und weitere Subunternehmer hatten Ende vergangener Woche Anträge auf Erstattung von Lohnkosten durch das Land Nordrhein-Westfalen gestellt.
Nachrichten-Ticker