FLVW-Vizepräsident Manfred Schnieders über eine mögliche Fortsetzung der Saison
„Jede Prognose ist unseriös“

Halle . (WB). Manfred Schnieders hat beim SC Rot-Weiß Verne selbst Fußball gespielt und in seinem Heimatort auch den Lauftreff gegründet. Als Vizepräsident ist er im FLVW-Vorstand für den Amateurfußball verantwortlich und engagiert sich damit ehrenamtlich für knapp eine Million Mitglieder in 2.000 Vereinen mit mehr als 15.000 Mannschaften. Mit dem 65-Jährigen sprach Matthias Reichstein über die sportlichen und wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise für die Amateure.

Mittwoch, 25.03.2020, 15:51 Uhr aktualisiert: 25.03.2020, 15:54 Uhr
Manfred Schnieders setzt auf die Zugkraft des eFootballs: “Gerade auch in diesen Zeiten eine vernünftige Alternative.“ Foto: Elmar neumann
Manfred Schnieders setzt auf die Zugkraft des eFootballs: “Gerade auch in diesen Zeiten eine vernünftige Alternative.“ Foto: Elmar neumann

Herr Schnieders, glauben Sie noch an eine Fortsetzung der Saison 2019/2020?

Schnieders: Es wird zweifellos sehr schwierig und eine Prognose wäre zum jetzigen Zeitpunkt auch absolut unseriös. Wir haben schon ein paar Szenarien entwickelt und denken dabei in alle Richtungen. Aber ob wir in allen Bereichen die Saison zuende spielen können, müssen wir sehen. Niemand kann heute sagen, wie sich das Coronavirus weiter entwickelt.

 

Welche „Szenarien“ meinen Sie genau?

Schnieders: Am 30. Juni beginnt die Wechselperiode eins, bis dahin sollten wir den Amateurfußball abgewickelt bekommen.

 

Mal vorausgesetzt, der Ball könnte Ende April wieder rollen, dann würden Sie versuchen in allen Altersklassen die Saison zuende zu spielen?

Schnieders: Wenn die Amateurvereine den festen Willen haben, die Saison zuende spielen zu wollen, dann müssen alle ran und alle mitspielen. Dann kann Verein A nicht sagen montags nie. Dann auch Mannschaft X nicht ankommen und alle Abendspiele ablehnen. Das funktioniert nicht. Die Alternative wäre, wir sagen irgendwann Schluss und nehmen den letzten Tabellenstand.

 

Dann wird die Tabelle eingefroren und die Mannschaft, die oben steht, steigt auf? Die Teams, die unten sind, steigen ab? Oder werden die Ligen aufgestockt?

Schnieders: Das prüfen zurzeit die Juristen im FLVW und im DFB. Das geht auch nur in sehr enger Zusammenarbeit, denn das, was in den oberen Ligen gilt, muss auch unten so laufen. Am Ende des Tages wird wohl jeder Verein versuchen, möglichst viele Vorteile für sich herauszuholen. Das wissen wir, darauf bereiten wir uns vor.

 

Aber im Umkehrschluss hieße das: Wenn die Saison fortgesetzt wird, würde praktisch täglich Fußball gespielt. Mal Jugend, mal Frauen, mal Männer und mal die Alten Herren.

Schnieders: So wird das in etwa laufen müssen. Dazu kommen die vielen Turniere oder Vereinsjubiläen, die für Juni schon gemeldet sind. Aber die müssten dann mal hinten angestellt werden. Alles geht nicht. Wir haben aber ein Vorteil: Im Mai und Juni sind die Plätze besser. Dann könnten wir praktisch jeden Tag spielen.

 

Haben Sie auch die Befürchtung, dass viele Vereine die Corona-Krise nicht übestehen?

Schnieders: Einige Klubs hatten nach der Winterpause erst ein Punktspiel. Den fehlen damit seit Monaten jegliche Einnahmen. Sei es durch Eintrittskarten, Speisen oder Getränke. Auch wir vom FLVW mussten unsere Sportschule mit 100 Mitarbeitern schließen. 

 

Wieviele hauptamtliche Mitarbeiter sind denn beim FLVW angestellt?

Schnieders: Wenn ich den Sport, das Hotel, die Schule und die Verwaltung zusammenrechne, komme ich auf 140 Angestellte. Wir konnten zwar ein paar Rücklagen bilden, aber in drei, vier Monaten wird aber auch bei uns die Luft sehr dünn.

 

Die Einnahmen im Profifußball fehlen dem Verband auch.

Schnieders: Wir bekommen von jedem Bundesligisten in NRW pro Heimspiel ein Prozent der Einnahmen. Da können Sie sich vorstellen, was uns da schon jetzt an Geld fehlt.

 

Das heißt, die kleinen Amateurklubs können nicht mit finanzieller Unterstützung rechnen?

Schnieders: Im Moment sieht das schlecht aus. Natürlich kann ich jeden Verein verstehen, wenn er Hilfe anfordert. Aber wovon sollen wir zahlen, wenn wir selbst nichts einnehmen? Und wenn wir helfen, müssen wir alle Klubs gleichmäßig unterstützen.

 

Ein anderer Punkt sind die Sponsoren. Wenn Vereine nichts machen können, werden viele Firmen ihre zugesagten Zahlungen stoppen.

Schnieders: Zumal ganz viele Firmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten werden. Am Ende Tages werden die Unternehmer verständlicherweise zunächst versuchen ihre Mitarbeiter und Lieferanten zu bezahlen. Da hängen ganz viele Familien dran und die sind dann auch viel wichtiger als der Sport. Da werden wir sicher auch irgendwann mal versuchen mit dem Land NRW über Hilfen für die Sportvereine ins Gespräch zu kommen.

 

Wenn jetzt der Ball nicht mehr rollen darf, müsste doch der e-Sport boomen.

Schnieders: Aktuell sind dort natürlich auch alle Veranstaltungen abgesagt worden. Was da privat gedaddelt wird, bekommen wir nicht mit. Aber in Zeiten, wo alle zuhause bleiben sollen, wäre das schon eine vernünftige Alternative. Aber einfach mal die eigenen vier Wände nicht zu verlasen, ist für viele leider noch immer ein großes Problem.

 

Was wünschen Sie sich?

Schnieders: Das alle gesund bleiben und wir nicht so heftige Zustände wie in Italien bekommen. Was mich im Moment aber besonders nervt sind Gruppen mit Jugendlichen, die andere Mitbürger anhusten und dann Corona schreien. Das ist unbegreiflich.

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