So., 29.03.2020

Tischtennis-Spieler Erik Stoppenbrink lebt und arbeitet fünf Monate in Australien Aug in Aug mit dem Tasmanischen Teufel

Australien von oben: Der Fallschirmsprung zählt zu den sportlichen Erlebnissen, die Erik Stoppenbrink so schnell nicht vergessen wird.

Australien von oben: Der Fallschirmsprung zählt zu den sportlichen Erlebnissen, die Erik Stoppenbrink so schnell nicht vergessen wird.

Von Stephan Arend

Halle. (WB). Die Zeit nach dem Abi nutzen und etwas von der Welt sehen – genau das hat auch Erik Stoppenbrink gemacht. Mittlerweile hat der 19-jährige Haller, einer der besten heimischen Tischtennis-Spieler, seine Australien-Tour beendet. Er ist aufgrund des Corona-Alarms einen Monat eher als geplant zurückgekommen. Die Stippvisite nach Thailand ist ausgefallen. Doch das ändert nichts an einmaligen, unvergessenen Erlebnissen und wertvollen Erfahrungen.

„Man verändert sich als Mensch, wird reifer, selbstständiger und somit auch selbstbewusster“, sagt Stoppenbrink. Und ganz nebenbei: Wer kann von sich schon behaupten, dem Tasmanischen Teufel Aug in Aug gegenüber gestanden zu haben? Klingt gefährlich, ist es aber nicht. Die Rede ist von einem eher putzigen Beuteltier, das ausschließlich und äußerst selten in Tasmanien anzutreffen ist. „Wir sind mit Rucksäcken von Hütten zu Hütten gewandert und haben Glück gehabt. Es hat von unseren Essensvorräten geknabbert“, erzählt Erik Stoppenbrink, der zusammen mit seinem Kumpel Frederik Lüdorff (Handballer der TG Hörste) durch Australien getourt ist. Die letzten sechs Wochen hat sich auch noch Peer Reich (Fußballer des SC Halle und der JSG Werther/Langenheide) der Haller Reisegruppe angeschlossen.

Atemberaubende Natur

Regenwald, Berge, Wasserfälle – die atemberaubende Natur Tasmaniens werden die Haller Jungs nicht vergessen, auch nicht die Tempel und Traumstände Balis zum Abschluss der Tour. Dass in fünf Monaten am anderen Ende der Welt nicht immer alles glatt geht, diese (schmerzvolle) Erfahrung macht Erik Stoppenbrink, als auf Bali das Moped in einer Kurve wegrutscht und er sich das Handgelenk anbricht. „Zum Glück ist es das linke“, nimmt der Tischtennis-Spieler, der mit rechts schmettert, das Missgeschick gelassen.

Faszination Wellenreiten

Apropos: Seinen Schläger hat Erik Stoppenbrink nicht mitgenommen. Aber der Sport kommt in „down under“ dennoch nicht zu kurz. Bei der Ostküstentour von Sydney über Brisbane nach Cairns stürzt sich der Haller mit dem Faltschirm aus dem Flugzeug, macht eine Katamaran-Tour und entdeckt einen neuen Sport für sich: „Wellenreiten hat mich gepackt. Dazu komme ich hoffentlich auch hier in Europa zum Beispiel in Portugal.“

Fahrrad-Kurier in Sydney

Die Tour beginnt im November mit zwei Wochen in Melbourne, nach dem Abenteuer in Tasmanien muss in Sydney erst einmal die Reisekasse aufgebessert werden. Über ein Online-Portal besorgt sich Erik Stoppenbrink seinen ersten Job, sammelt drei Tage Geld für eine Wohltätigkeitsorganisation. Fast vier Wochen kurvt er danach als Fahrrad-Kurier durch die Straßen von Sydney, liefert Essen für Restaurants aus. „In Deutschland helfen die Eltern noch bei einigen Dingen. In Australien haben wir uns um alles selber kümmern müssen – Versicherungen, Auto mieten, Arbeit suchen“, spricht Stoppenbrink von wertvollen Erfahrungen: „Wir haben jeden Cent umgedreht, wollten mit dem Geld ja noch möglichst weit kommen. Da hat es oft Nudeln mit Tomaten-Soße gegeben.“

Arminia in der Nacht

Sparsam zu leben, fällt angesichts der unvergessenen Erlebnisse recht leicht. In der erfolgreichsten Arminia-Saison seit dem Abstieg 2009 nicht auf der Alm live dabei zu sein “das schmerzt.“ Stoppenbrink, seit acht Jahren Dauerkarten-Besitzer, verpasst dank Streaming-Angebote auch fast 15.000 Kilometer von der Schüco-Arena entfernt keinen Sieg seiner Arminia: „Ich habe alle Spiele im Internet gesehen, auch wenn in Australien zwei oder drei Uhr in der Nacht war.“

Nur noch weg

Arminias bevorstehender Aufstieg ist auch ein Grund gewesen, die Reise am 17. April beenden zu wollen. Doch dazu kommt es nicht. Auf Bali bekommen die Haller die dramatischen Corona-Entwicklungen in der Heimat ausschließlich über deutsche Medien mit. Die Ankündigung, dass auch der Flughafen auf Bali geschlossen wird und der gebuchte Rückflug nach Deutschland bereits storniert ist, lässt nur einen Rückschluss zu: „Jetzt wird es ernst, wir müssen sofort zurück.“ Nur noch weg, da spielt es auch keine Rolle, dass die Rückreise über Kuala Lumpur (Malaysia) und Doha (Katar) nach Frankfurt einer kleinen Odyssee gleicht.

Was bringt die Zukunft?

Zuhause in Halle begibt sich Erik Stoppenbrink erst einmal freiwillig in Quarantäne, schließlich hat auf den Flughäfen und im Flieger Kontakte zu vielen Menschen. Langweilig wird es auch deshalb nicht, weil er seiner Familie viel zu erzählen hat und die Zukunft geplant werden muss. „Ich denke an ein gesellschaftswissenschaftliches Studium“, so Stoppenbrink. Doch was es genau wo wird, das ist die Frage. Und von der Antwort hängt auch die sportliche Zukunft ab. Eines verspricht Erik Stoppenbrink seinen Teamkollegen des Tischtennis-NRW-Ligisten SV Avenwedde aber schon jetzt: „Wenn ich einen heimatnahen Studienort finde, dann bin ich auch in der nächsten Saison dabei.“

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