Di., 07.04.2020

Auch Tennis-Trainer stehen wegen der Corona-Krise von heute auf morgen ohne Einnahmen da Die Zuversicht ist zurück

Kein Tennis-Training: Christopher Koderisch kann die freie Zeit mittlerweile genießen und streicht mit Sohn Leo das Gartenhaus.

Kein Tennis-Training: Christopher Koderisch kann die freie Zeit mittlerweile genießen und streicht mit Sohn Leo das Gartenhaus.

Von Stephan Arend

Halle (WB). Die Sonne scheint. Nach den letzten Pinselstrichen erstrahlt das Gartenhaus im neuen Glanz. Und selbst Sohnemann Leo (3) hat geholfen. Mittlerweile genießt Christopher Koderisch die freie Zeit sogar ein wenig. Seinen Beruf als Tennis-Trainer kann der 35-jährige Haller derzeit nicht ausüben. Doch die Sorgen und die finanzielle Ungewissheit der vergangenen Wochen sind mittlerweile der Zuversicht und einer Portion Optimismus gewichen. Das liegt vor allem an der Soforthilfe für Solo-Selbstständige in Höhe von 9.000 Euro.

Nachdem der Sportpark Halle geschlossen worden und kein Tennis-Training mehr möglich war, brach auch bei Koderisch und einigen seiner Trainerkollegen von heute auf morgen der gesamte Verdienst weg – zumal auch die andere (kleinere) Einnahme-Quelle „Spiele für Westfalenligist TC Blau-Weiß Halle“ in den Sternen steht. „Ich habe hin und hergerechnet, wie wir die nächsten Monate überstehen, in dieser Zeit zehn Mal am Tag im Internet nachgeschaut, ob es Hilfe für uns gibt“, blickt „Toto“ auf bange Tage zurück. Doch dann ging alles ganz schnell. Freitag am Vormittag verbreitete sich der Soforthilfe-Beschluss in den Medien, und schon am Nachmittag lag Christopher Koderisch das Antragsformular vor: „Ich habe alle Unterlagen wie meine Steuer-ID in einem Ordner. Ich habe deshalb nur fünf Minuten gebraucht, um den Antrag auszufüllen und abzuschicken. Das war wirklich unbürokratisch und super gelöst.“ Noch wichtiger: Einen Tag später kam der Bescheid, dass der Antrag bewilligt worden ist – und das Geld ist mittlerweile auf dem Konto eingegangen.

Antrag dauert nur fünf Minuten

Koderisch ist somit finanziell erst einmal abgesichert und hofft, dass Tennis – wie zum Beispiel auch Golf – zu den Sportarten zählt, die von der Corona-Krise nicht so stark betroffen sind wie andere. „Ich kann mir vorstellen, dass wir unter bestimmten Auflagen in kleinen Gruppen vielleicht sogar schon wieder im Mai Training anbieten können. Wir spielen draußen, haben keinen Körperkontakt und können Abstand halten.“ In diesem Zusammenhang erwähnt der Coach auch eine Petition von zehn Tennisvereinen. Diese bezieht sich darauf, dass allgemein Sport an der frischen Luft noch erlaubt ist und Profi-Fußballer in Kleinstgruppen wieder trainieren dürfen. Somit solle auch Tennis wieder möglich sein.

Kein Profi-Tennis mehr in diesem Jahr

Koderisch, der einst für kurze Zeit als Profi in der Welt unterwegs war, kann sich dagegen nicht vorstellen, dass in diesem Jahr noch Profi-Tennis (internationale Turniere oder die Bundesliga) stattfinden wird. „Spieler, Schiedsrichter und Linienrichter kommen aus den verschiedensten Ländern, und sie alle müssen reisen. Wenn man sich zum Beispiel aktuell die Situation in Amerika anschaut, kommt man schnell zu dem Schluss, dass dort wohl noch für lange Zeit kein Tennisturnier möglich ist.“ Anders schätzt der Westfalenliga-Spieler die Situation für seine Haller Mannschaft und für alle anderen heimischen Spieler abwärts bis zur Kreisklasse ein: „Ich hoffe, dass unsere Saison noch nach den Sommerferien über die Bühne gehen kann. In diesen Spielklassen gibt es ja kaum Zuschauer, so dass Abstand gehalten werden kann. Und die meisten Spieler kommen aus Deutschland.“

Bratpfannen-Challenge für die Nachwuchsspieler

Bis wirklich wieder auf Asche trainiert und um Punkte gekämpft werden darf, stellen die Trainer der Haller Breakpointbase ihren Nachwuchsspielern immer wieder per Videobotschaft neue Aufgaben. Zum Beispiel müssen sie mit einer Bratpfanne den Ball 20 Mal hin- und herspielen. Die besten Video-Bewerbungen werden mit Preisen wie Rucksäcken, Taschen, Saiten oder Griffbändern belohnt. Die Resonanz ist überragend, freut sich Christopher Koderisch: „Da machen alle 55 Jungs und Mädchen mit. Nicht jeder schafft die Aufgabe. Doch im Schnitt werden 30 Videos von geglückten Versuchen hochgeladen.“

 

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