Do., 14.05.2020

Fußball: Bundesliga-Neustart oder Trainingsauftakt der Amateurkicker Wer ist dabei? 25 Daumen zeigen nach oben

Fußballtennis (wie auf diesem Bild mit Arminias Marcel Hartel) ist derzeit auch auf den heimischen Plätzen möglich. Dort muss aber noch Abstand eingehalten werden. Die Profis kämpfen dagegen ab Samstag schon wieder um Punkte.

Fußballtennis (wie auf diesem Bild mit Arminias Marcel Hartel) ist derzeit auch auf den heimischen Plätzen möglich. Dort muss aber noch Abstand eingehalten werden. Die Profis kämpfen dagegen ab Samstag schon wieder um Punkte. Foto: Thomas F. Starke

Von Stephan Arendund Jens Horstmann

Halle (WB). Einige heimische Kicker haben bereits mit dem Training begonnen und erste Erfahrungen mit der Umsetzung der „Corona-Auflagen“ gemacht. Andere stehen in den Startlöchern. In der Bundesliga soll ab Samstag der Ball rollen. Zu beiden Themen gibt es ganz unterschiedliche Meinungen.

Daniel Eikelmann (Trainer des BV Werther) – Zum Training: „Wir stehen nicht bei der Stadt Werther auf der Matte, um sofort wieder trainieren zu dürfen. Wenn ab dem 30. Mai auch Kontaktsport wieder erlaubt ist, wollen wir auf jeden Fall noch ein Abschlusstraining machen. Wenn die Jungs im Juni noch Lust auf mehr haben, soll es nicht an mir liegen. Im Hinblick auf die kommende Serie ist es allerdings nicht notwendig, jetzt zu trainieren. Die Saison wird wohl nicht vor September beginnen, so dass noch genug Vorbereitungszeit bleibt.“ Zum Bundesligastart: „Vor zwei oder drei Wochen hätte ich wohl anders argumentiert. Doch mittlerweile darf auch der Friseur, der engen Kontakt zum Kunden hat, seinen Beruf nachgehen. Und die Amateurfußballer dürfen ab dem 30. Mai wieder normal spielen. Warum sollen also Profis nicht ihren Beruf ausüben? Und als Fußball-Fan freue ich mich darauf, dass es wieder los geht.“

Markus Kleine-Tebbe (SC Peckeloh) – Training: „Wir hatten Dienstag unsere erste Einheit, nachdem wir mit allen Trainern eine Besprechung in Hinblick auf die Corona-Richtlinien hatten. Es gibt viel zu beachten. Doch es ist sicherlich für Seniorenteams leichter als im Kindertraining, alle Richtlinien einzuhalten. Wir haben in Kleingruppen trainiert. Alle hatten Spaß und haben sich gefreut, ihre Mitspieler wieder zu sehen. Es geht zunächst darum, die Trägheit herauszubekommen und den Körper langsam an die größeren Belastungen ab dem 30. Mai zu gewöhnen. Ich sehe diese ersten Einheiten auch als Verletzungsprophylaxe.“ Bundesliga: „Für mich ist es grundsätzlich in Ordnung, dass wieder gespielt wird, weil die Vereine keine Testkapazitäten wegnehmen und ihre Test selber kaufen. Jeder muss für sich entscheiden, ob er unter diesen Bedingungen zusehen möchte und Spaß daran hat. Ich freue mich auf den Neustart und hoffe, die Kommandos der Trainer und Spieler zu hören. Das wird ähnlich wie in der Vorbereitung bei Testspielen.“

Mario Lüke (Spvg. Steinhagen) – Training: „Die Jungs fragen, wann es endlich wieder los geht, selbst wenn sie dann nur auf den Kasten schießen können. Unser letztes Spiel liegt jetzt länger als zwei Monate zurück. Das ist eine surreale Situation. Viele Spieler und auch ich hören ja in Steinhagen auf. Wenn es blöd läuft, sehen wir uns gar nicht mehr am Platz mit Spvg.-Klamotten. Es wäre schön, wenn wir zumindest noch ein Abschlusstraining hinbekommen würden. Ich werde vom Vorstand informiert, wenn es wieder geht.“ Bundesliga: „Ich bin Dortmund-Fan und weiß noch nicht, ob ich mir Samstag das Derby gegen Schalke anschaue. Beim Geistspiel in der Champions-League in Paris habe ich den Fernseher nach einer Viertelstunde abgestellt. Ich verstehe, dass die Bundesliga als Wirtschaftsfaktor spielen will. Ich verstehe aber auch die kritischen Fragen.“

Pascal Hofbüker (SV Häger) – Training: „Zunächst einmal müssen ja die Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt werden, damit die Stadt Werther überhaupt den Platz freigeben kann. Ich werde jetzt einmal die Woche für eine kleine Gruppe von Freiwilligen etwas anbieten. Man hat ja schon ein paar Möglichkeiten: Etwas Koordinatives mit Ball, eventuell ein paar Abschlüsse oder einen kleinen Zirkel. Es geht ja darum, sich einfach nur etwas zu bewegen. Mit Blick auf Kontaktvermeidung ist das alles natürlich nicht unbedingt sinnvoll. Aber ganz streng genommen gilt das ja für viele Dinge im Alltag. Warum gehe ich mehrmals die Woche einkaufen statt nur ein einziges Mal? Ich kann mir jetzt auch eine Hose kaufen, die ich nicht zum Überleben benötige. Der Fußball nimmt da keine Sonderrolle ein.“ Bundesliga: „Auf den Neustart freue ich mich tatsächlich. Auch wenn die Wiederaufnahme natürlich nicht sportlich, sondern nur wirtschaftlich motiviert ist. Wenn alle getestet sind, sehe ich da aber kein Problem. Wobei mir auch nicht alle Maßnahmen im Einzelnen ganz logisch erscheinen.“

Björn Mittendorf (SG Oesterweg) – Training: „Wir haben ja schon trainiert. Natürlich nur unter den strengen Auflagen, mit dem Eingang über den Rasenplatz und dem Ausgang über den Kunstrasenplatz, ausreichend Desinfektionsmittel und so weiter. Und ich war zunächst auch sehr skeptisch, ob das alles klappt. Ich habe daher auch ganz klar gesagt, dass ich keine Späße akzeptiere und das Experiment sofort abbreche, wenn irgendwer aus der Reihe tanzt. Am Ende war ja sogar das Ordnungsamt am Platz. Aber wir waren 22 Spieler und vier Gruppenleiter und alle haben sich vorbildlich verhalten. Wir haben vier kleine Gruppen dann im 15-Minuten- Takt gewechselt. Es gab eine Passübung, eine Technikstation, Stabiübungen und noch etwas für die Koordination. Aber alles auf freiwilliger Basis. Zwei Spieler etwa wollten nicht mitmachen, was natürlich völlig in Ordnung ist.“ Bundesliga: „Den Start sehe ich problematisch. Dresden ist zwei Wochen in Quarantäne und muss vielleicht schon zwei Tage später gegen Arminia spielen. Rein sportlich betrachtet wäre das ein Witz, zumal Dresden ja auch jeden Punkt im Klassenerhalt braucht.“

Meik Tischler (TSV Amshausen) – Training: Das Hygienekonzept liegt vor, alles steht am Platz bereit, jetzt warten wir nur auf das OK der Gemeinde, das noch nicht vorliegt. Über unsere WhatsApp-Gruppe konnten wir schon vor den Corona-Zeiten nachverfolgen, wer am Training teilnimmt. Bei der letzten Abfrage, wer trainieren möchte, sind 25 Daumen hochgegangen. Sportler haben keine Lust, sich abends aufs Sofa zu setzen. Die wollen sich bewegen. Und bei der Wiederaufnahme des Trainings geht es jetzt vor allem um soziale Kontakte. Ich finde zudem, es gibt viele Trainingsformen, die unter den aktuellen Bedingungen umgesetzt werden können.“ Bundesliga: „Es ist ein schlüssiges Konzept erstellt worden, eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nirgends. Ich finde es völlig in Ordnung, dass ab Samstag der Ball wieder rollt – aber nicht, weil ich mich als Fan freue, sondern weil die Vereine Wirtschaftsunternehmen sind und am Profifußball viele Arbeitsplätze dranhängen.“

Göksu Keles (Langenheide) – Training: „Wir wollen nächste Woche anfangen, wenn wir alle geforderten Auflagen erfüllen können. Bei den Trainingsinhalten müssen wir uns natürlich erstmal auf Pass und Torschussübungen beschränken. Außerdem machen wir ein Fußballtennisturnier. Wir haben insgesamt zehn Neuzugänge, die wollen wir direkt mal zum Kennenlernen auf Abstand dazunehmen. Für sinnvoll halte ich das alles dennoch nicht. Fußball ist schließlich ein Kontaktsport. Aber natürlich ist es schön, sich endlich mal wiederzusehen. Das macht ja auch Spaß.“ Bundesliga: „Vom Start halte ich nicht sehr viel. Da geht es nur um Geld und nicht um die Gesundheit. Beim Thema Kontakt gibt es ja zwischen Kreisliga und Profifußball keinen Unterschied. Und auch alle andere Topliegen machen ja noch Pause.“

 

 

 

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