Multitalent Rolf Uthmann feiert seinen 70. Geburtstag und blickt auf große Spiele zurück
Als „Herr Seeler“ sauer war

Versmold -

60 Minuten Handball am Vormittag, 90 Minuten Fußball am Nachmittag – beides mit vollem Einsatz. Sport hat im Leben von Rolf Uthmann immer eine große Rolle gespielt. Und daran hat sich auch nichts geändert, seit die Knie nicht mehr mitmachen. Uthmann, der nach seiner erfolgreich überstandenen Knie-Operation diesen Sonntag seinen 70. Geburtstag in einer Klinik in Hamburg verbringen muss, ist nicht nur als Vorsitzender der Versmolder Fußballer am Ball geblieben, sondern auch als Hallen- und Stadionsprecher bei diversen Veranstaltungen wie dem Hallenmasters – mit der gleichen Begeisterung wie einst als Aktiver

Sonntag, 22.11.2020, 15:02 Uhr
Ein unvergessener Moment: Rolf Uthmann und sein großes Idol Uwe Seeler nach dem sportlichen Vergleich in Steinhagen im Juni 1983.
Ein unvergessener Moment: Rolf Uthmann und sein großes Idol Uwe Seeler nach dem sportlichen Vergleich in Steinhagen im Juni 1983. Foto: Schillig

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Schon im Alter von 30 Jahren hat ihm sein Arzt nach der Untersuchung der Knie einst dringend empfohlen, die Sportart zu wechseln und es mit Schach zu versuchen. Davon hat sich das Multitalent aber nicht abschrecken lassen. „Den Hesselteicher Sportplatz mussten wir gar nicht abkreiden. Man hat genau gesehen, wo Rolf seine Runden gedreht hat“, erinnert sich der langjährige Weggefährte Herbert Sieker. Uthmann ist eine Kämpfernatur und hat es im Trikot der Spvg. Steinhagen 1976 mit dem Aufstieg in die Verbandsliga bis in die damals höchste Amateurliga gebracht und immerhin ein Probetraining beim Zweitligisten SC Herford absolviert. Bei seinem Fußball-Stammverein Spvg. Versmold spielte er bis Mitte der 80iger Jahre in der Landesliga und managte später die Altherren. Das Trikot von Arminia Bielefeld (Amateure) und des SC Halle trug er ebenfalls. Auch wenn das Kicken Priorität hatte, so schlug Rolf Uthmanns Herz ebenfalls für den Handball. „Ohne Rolf wäre das Ding 1980 nicht gemeistert worden“, sagt Herbert Sieker. Damit meint er den Aufstieg der Spvg. Hesselteich in die Kreisliga, den Linkshänder Uthmann als wurfgewaltiger Rückraum-Spieler elf Jahre später noch einmal wiederholte. Mit Rolf Hüllinghorst übernahm er zwischenzeitlich auch als HSV-Trainer Verantwortung. Zuvor hatte er bereits auf dem Großfeld so manchen Gegner verzweifeln lassen. Auch in Hesselteich war und ist der gebürtige Sidinghausener im Vorstand aktiv, seit 2001 als Abteilungsleiter Radsport. Zu Hochzeiten hat er es im Rennrad-Sattel auf 14.000 Kilometer im Jahr gebracht, oft begleitet von Nachbar und Ironman-Triathlet Udo Lange.

Neben dem kleinen HSV (Hesselteich) spielte und spielt auch der große HSV im Leben von Rolf Uthmann eine wichtige Rolle. „Man kann ihn nachts um 12 wecken und er hat alle Ergebnisse und Torschützen parat“, erzählt Herbert Sieker. Uthmann ist leidenschaftlicher Fan und Mitglied beim HSV, hat viele große Spiele live verfolgt. Wenn er nicht im Stadion dabei sein konnte, hat er manchmal den kleinen Platz in Hesselteich in eine große Arena verwandelt. So etwa 1966 nach dem WM-Endspiel England gegen Deutschland: „Wir haben uns schwarze Hosen und weiße Unterhemden angezogen und das Finale nachgespielt. Itzen Brune war Lothar Emmerich und ich Uwe Seeler.“

Rolf Uthmann blickt auf seine größten Spiele zurück.

 

Saison 1975/76, dritter Spieltag: SC Verl - Spvg. Steinhagen 2:4. „Steinhagen hat mich damals nicht verpflichtet. Ich bin wegen meines Kumpels Itzen Brune zur Spvg. gewechselt. Ich dachte, dass ich dort in der zweiten Mannschaft in der Kreisliga spiele“, erzählt Rolf Uthmann von einer traumhaften Saison. Als Trainingsweltmeister schafft es der Neue in den Landesliga-Kader. Obwohl er großen Respekt vor Steinhagener Fußballgrößen wie Norbert Leopoldseder, Uwe Pallaks oder Reiner Wiechert hat, trumpft Uthmann gleich zu Saisonbeginn in Verl groß auf: „Das war ein Spiel, in dem einfach alles geklappt hat. Ich habe als Libero die Bälle abgelaufen, sogar im eigenen Strafraum gedribbelt und als Krönung ein Tor mit einem 50-Meter-Pass eingeleitet.“ Diese Topleistung wird nicht nur in der heimischen Lokalpresse gewürdigt. Auf der Tribüne fragen Zuschauer die Steinhagener Verantwortlichen: „ Wo habt ihr denn diesen Libero her?“ Am Ende der Saison feiert die Spvg. den Aufstieg in die Verbandsliga.

7. August 1976: Spvg. Steinhagen - VfL Bochum 0:3 (0:1). Das Los beschert dem frischgebackenen Verbandsliga-Neuling einen Hauptgewinn. In der ersten Pokalhauptrunde macht Bundesligist VfL Bochum Station im Cronsbachstadion. Vor 5.000 Zuschauern schlägt sich der krasse Außenseiter gegen Bochums Stars wie Hermann Gerland, Matthias Herget oder Michael Lameck tapfer. „Wir haben fast nur hinten drin gestanden, aber ein achtbares Ergebnis erzielt“, findet Rolf Uthmann. Er ist damals Libero und kann sich noch genau erinnern, dass sich nicht alle Bochumer Spieler grün waren: „Mittelstürmer Jupp Kaczor war richtig abgezockt – aber wie der während des Spiels über Franz-Josef Tenhagen hergezogen und ihn eine Diva genannt hat...“ Dass Rolf Uthmann in einer Szene von Bochums pfeilschnellem Außenstürmer Hans-Joachim Pechstein locker überlaufen wird, das schmiert ihm ein Arbeitskollege noch Jahre später aufs Brot. Unvergessen bleibt auch, dass die Amateurkicker zum ersten und einzigen Mal Autogramme schreiben müssen.

11. August 1976: Spvg. Steinhagen - DJK Gütersloh 1:0. Nur wenige Tage nach dem Pokal-Highlight pilgern die heimischen Fußballfans erneut ins Cronsbachstadion. „Das war ein richtiger Hype. Zu diesem Heimspiel sind 2.200 Zuschauer gekommen. Bei DJK hat Heribert Bruchhagen gespielt“, erinnert sich Uthmann an ein weiteres Fußballfest. Neuling Steinhagen gewinnt nach einem Treffer von Uli Hegemann 1:0. „Ich habe mich sehr viel an Uli orientiert. Das war nicht nur ein super Fußballer, sondern einfach auch ein toller Typ“, so Uthmann.

Februar 1981: Spvg. Hesselteich - CVJM Isselhorst 10:12. Rolf Uthmann zeigt nach den großen Steinhagener Fußballzeiten, dass er auch mit dem Handball umgehen kann. Als wurfgewaltiger Linkshänder hat er Hesselteich in die Kreisliga geworfen. Der Neuling schafft zwar am Ende den Klassenerhalt, hat aber einen schweren Stand. Manchmal ist Rolf Uthmann der Alleinunterhalter. Gegen Isselhorst wirft er alle zehn Tore der Spvg. – und macht sich nach der Partie als tragischer Held dennoch Vorwürfe: “Ich habe den letzten meiner Siebenmeter, die ich alle selber rausgeholt habe, beim Stande von 10:10 verworfen. Hätte ich getroffen, hätten wir wohl gewonnen.“

Juni 1983: Spvg. Steinhagen - Uwe Seeler Traditionsmannschaft 2:4.Die Steinhagener Aufstiegsmannschaft von 1976 kommt noch einmal für ein ganz besonderes Spiel zusammen, trifft vor 3.800 Zuschauern auf Weltmeister wie Wolfgang Overath oder Bernd Hölzenbein. Für Uthmann, der als HSV-Fan Uwe Seeler verehrt, ist es ein großer Moment, gemeinsam mit seinem Idol auf dem Platz zu stehen. Seeler ist allerdings alles andere als erfreut, als Klaus Pallaks ihn zu Boden grätscht. Rolf Uthmann ist es peinlich und es kommt zum folgenden Dialog. Uthmann: „Herr Seeler, das hat der Klaus doch gar nicht so gemeint.“ Seeler: „Ach hör auf, was ist das denn für ein Blinder.“

 

 

 

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