Faszination Darts: Lasse Möller erklärt den Unterschied zwischen Profis und Vereinsspielern
Wenn sich van Gerwen die Socken hochzieht

Steinhagen -

Im Alexandra Palace fliegen wieder die Pfeile. Wenn Top-Stars wie Michael van Gerwen oder Gerwyn Price aus 2,37 Meter auf das nur acht Millimeter breite Triple 20-Feld werfen, fiebern Millionen Fans vor den Bildschirmen mit. Die Darts-WM wird auch in Deutschland für Traumquoten sorgen. Das Vorjahresfinale verfolgten in der Spitze 2,22 Millionen Zuschauer.

Dienstag, 15.12.2020, 17:26 Uhr
Volle Konzentration: Der Steinhagener Lasse Möller geht für Spvg. Hesselteich in der Bezirksklasse Westfalen-Nord 2 an den Start. Eine gute
Volle Konzentration: Der Steinhagener Lasse Möller geht für Spvg. Hesselteich in der Bezirksklasse Westfalen-Nord 2 an den Start. Eine gute Foto: WB

Lasse Möller (27) ist einer der besten heimischen Spieler. Im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT erklärt der Steinhagener die Faszination Darts.

Wenn drei Pfeile in Folge das Triple 20-Feld treffen, ist die Höchstpunktzahl erreicht. Das gelingt den Profis ständig. Wie oft schaffen Sie eine 180?

Lasse Möller: Im Spiel ist es etwas Besonderes, eine 180 zu werfen. Ohne Druck im Training gelingt mir das schon regelmäßig.

Viele der Topspieler sind erst spät Profi geworden und haben zuvor einen normalen Beruf ausgeübt. Rob Cross zum Beispiel hat noch zwei Jahre vor seinem WM-Triumph als Elektriker gearbeitet. Es ist also auch für Sie noch nicht zu spät...

Möller: Das Schöne am Darts-Sport ist wirklich, dass es keine Grenzen gibt und dass wie im Vorjahr ein Peter Wright mit 49 Jahren zum ersten Mal Weltmeister wird. Im Prinzip ist es auch für Spieler wie mich noch nicht zu spät, Profi zu werden, wenn sie eine gute Hand-Augen-Koordination haben. Allerdings scheitert das schon alleine am hohen Trainingsaufwand und an der Finanzierung. Allein die Reise- und Unterbringungskosten sind sehr hoch. Und ich bin mit meinem Job als Einkäufer bei Claas auch sehr zufrieden.

Wie und wie oft trainiert denn eigentlich ein Profi und wie sieht im Vergleich Ihr Trainingsprogramm aus?

Möller: Phil Taylor hat gesagt: „Darts ist mein Beruf und deshalb trainiere ich acht Stunden am Tag.“ Gary Anderson gilt dagegen als trainingsfaul. Man sagt, dass die Profis vier bis acht Stunden am Tag trainieren. Wenn man sich die jüngeren Spieler anschaut, sieht man, dass auch Fitness mittlerweile eine große Rolle spielt, ebenso das Mentaltraining. Wenn sich van Gerwen die Socken hochzieht, haut er eine 180 raus. Das ist antrainiert und ein Anker, für ein gutes Gefühl. Ich versuche, in der Woche auf fünf Stunden Training zu kommen – also so viel, wie Profis am Tag.

Der Laie schätzt Darts als Kneipensport ein und denkt sich, das kann fast jeder, wenn er stundenlang am Tag Pfeile wirft. Mal angenommen, sie hätten ein Jahr Zeit, unter Profibedingungen zu trainieren. Was wäre dann sportlich möglich?

Möller: Schwere Frage. Wenn alles super läuft, schaffe ich auch schon mal einen 90er-Schnitt. Ich denke, dass ich bei acht Stunden Training am Tag konstant solche Leistungen abrufen könnte. In Indien würde ich mich dann wahrscheinlich für die WM qualifizieren (lacht), bei den vielen guten Spielern in Deutschland aber wohl nicht.

Okay abgehakt, Lasse Möller wird also nicht im Alexandra Palace eine WM-Partie bestreiten. Aber was macht für Sie als ambitionierter Amateur- und Vereinsspieler den Reiz dieser Sportart aus?

Möller: Es macht ganz einfach großen Spaß. Auf der einen Seite, spielt man 1 gegen 1, aber auf der andern Seite vor allem gegen sich selbst und ist sein größter Gegner. Wenn ich gut spiele und der andere besser ist, dann ist das in Ordnung. Ich habe aus gesundheitlichen Gründen mit dem Volleyball aufhören müssen. Aber Darts geht immer.

Wann haben Sie mit Darts angefangen?

Möller: Ich hatte schon vorher eine Darts-Scheibe zuhause und habe mit Freunden gezockt. Aber richtig angefangen habe ich erst im November 2018. Ich hatte gelesen, dass es in Hesselteich eine neue Darts-Abteilung gibt und hatte wieder Lust auf Sport mit anderen.

Sind Sie schon einmal live bei der Weltmeisterschaft dabei gewesen?

Möller: Nein, aber im „Ally Pally“ würde ich gerne mal dabei sein. Eigentlich spiele ich allerdings lieber selbst. Die WM ist aber etwas Besonderes. Ich habe mir sogar einen DAZN-Account zugelegt. Meine Freundin freut sich schon jetzt, dass bei uns demnächst jeden Tag Darts im Fernsehen läuft.

In Corona-Zeiten ist die Zuschauerzahl stark begrenzt, die große Party fällt aus. Bedauern Sie das oder sind diese Bedingungen auch eine Chance, dass der Sport mehr im Mittelpunkt steht?

Möller: Ich glaube, dass zumindest das Live-Publikum fachkundiger sein wird. Für viele TV-Zuschauer ist eine WM ohne das große Spektakel vermutlich nicht so attraktiv. Ich persönlich aber habe bei den letzten Turnieren die Zuschauer nicht vermisst.

Wer kommt mit den Bedingungen am besten klar und wird Weltmeister?

Möller: Ich sehe Gerwyn Price vorne, weil er der beste Spieler des Jahres ist. Ich glaube aber nicht, dass das am fehlenden Publikum gelegen hat. Er ist zwar nicht beliebt und wird auch mal ausgebuht. Doch das hat ihn eher zu besseren Leistungen gepuscht. Natürlich muss man immer mit Michael van Gerwen rechnen – auch wenn er für seine Verhältnisse eine schwache Saison gespielt hat. Und Titelverteidiger Peter Wright zählt ebenfalls zu meinen Top drei.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7725009?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2352973%2F2514637%2F
Bundesarbeitsministerium plant Homeoffice-Vorgaben
In Zeiten von Corona;: Ein Mann arbeitet zu Hause an einem Laptop in seinem Homeoffice.
Nachrichten-Ticker