Regeltest mit den Fußball-Schiedsrichtern Luca Maurer und Jonas Niemeyer
Der Teufel steckt oft im Detail

Altkreis -

Die Fans witterten Betrug, der Fernseh-Kommentator verstand die Fußballwelt nicht mehr. Arminias Außenstürmer Ritsu Doan war im Spiel gegen Bayer Leverkusen augenscheinlich im Strafraum der Gäste zu Fall gebracht worden. Schlimm genug, dass der Pfiff des Referees ausgeblieben war. Der größte Kritikpunkt war aber, dass der Video-Schiedsrichter nicht eingegriffen hatte. So wie auf der großen Bühne Bundesliga gibt es auch auf den heimischen Plätzen Woche für Woche Diskussionen über Entscheidungen. Aber Vorsicht: Der Teufel steckt oft im Detail.

Donnerstag, 17.12.2020, 20:06 Uhr
Der Steinhagener Luca Maurer ist erst 21 Jahre alt und pfeift aber ab dieser Saison bereits Spiele in der Männer-Landesliga. Außerdem kommt er in der A und B-Jugend-Bundesliga an der Linie zum Einsatz.
Der Steinhagener Luca Maurer ist erst 21 Jahre alt und pfeift aber ab dieser Saison bereits Spiele in der Männer-Landesliga. Außerdem kommt er in der A und B-Jugend-Bundesliga an der Linie zum Einsatz. Foto: Stephan Arend

Beim besagten Spiel auf der „Alm“ fing das Foulspiel beim genauen Hinsehen schon vor der Strafraumlinie an. Freistoß wäre also die richtige Entscheidung gewesen, doch eben diesen darf der Video-Schiedsrichter gar nicht melden. Auch von der Kreisliga bis zur Westfalenliga – Spielklassen, in denen die Altkreis-Mannschaften unterwegs sind – gibt es immer wieder knifflige Entscheidungen zu treffen. Die Schiedsrichter werden bei Lehrgängen und bei Regelabenden darauf vorbereitet. Doch wie gut sind die mit dem Regelwerk vertraut, die oft protestieren: Spieler, Trainer und vor allem Zuschauer. Für das WESTFALEN-BLATT haben zwei der besten heimischen Schiedsrichter Regelfragen herausgesucht Luca Maurer (21) hat vergangene Saison nicht nur den Aufstieg in die Landesliga geschafft. Der Steinhagener ist zudem in den DFB-Kader der Assistenten für die A- und B-Junioren-Bundesliga berufen worden und war sogar bei einem Länderspiel an der Seitenlinie im Einsatz. Der Borgholzhausener Jonas Niemeyer (22) ist als Unparteiischer in jungen Jahren ebenfalls bis in die Landesliga durchmarschiert und gibt sein Wissen als einer der Lehrwarte im Kreisschiedsrichter-Ausschuss weiter.

 

Zur Person

Luca Maurer: Beim U16-Junioren-Länderspiel Deutschland gegen Dänemark in Duisburg an der Linie zu winken, das war ein Traum für den Steinhagener. „Das Gefühl bei der Nationalhymne ist mit Worten kaum zu beschreiben“, sagt Maurer, der bei aller Euphorie realistisch ist: „Für die Spieler, die in ihrer Altersklasse die besten in Deutschland sind, ist der Profifußball deutlich näher als für mich.“ Vielmehr will und muss sich der 21-jährige Rettungssanitäter weiter in kleinen Schritten nach oben pfeifen und nimmt zunächst den Sprung in die Westfalenliga ins Visier. Zudem geht es darum, sich mit guten Leistungen als Schiedsrichter-Assistent in der Junioren-Bundesliga zu empfehlen. Gleich sein erstes Spiel hier war ein Highlight. „Die A-Jugend von Wolfsburg hat im Stadion, in dem eigentlich die Frauen des VfL antreten, gegen Bremen gespielt.“ Vor allem das Spieltempo hat Luca Maurer imponiert und gefordert. Und die vielen Kameras, mit denen jede Entscheidung des Schiedsrichter-Gespanns durchleuchtet wird, sorgten für zusätzlichen Druck. Dass der Steinhagener am Ende eines aufregenden Tages eine Beurteilung ohne Abzug, und somit eine sehr gute Leistung bescheinigt bekam, das sorgte für zusätzliche Motivation. Reich wird man als Schiedsrichter auch auf diesem hohen Niveau aber gewiss nicht. So ist Luca Maurer für seinen Einsatz beim B-Junioren-Bundesliga-Spiel Fortuna Düsseldorf gegen Fortuna Köln mit 50 Euro entlohnt worden. Ein langer Fußballtag, der morgens um 7 Uhr mit der Abfahrt begann und am Abend um 19 Uhr in Steinhagen endete.

Jonas Niemeyer: Ohne Unterbrechung ist der Solbader bis in die Landesliga durchgestartet und hat sich hier gleich im Herforder Derby TuS Bruchmühlen gegen VfL Holsen beweisen müssen. „Nach drei Spielen war dann leider wegen Corona schon wieder Schluss“, freut sich Niemeyer, der an der Uni Dortmund Stadtplanung studiert, auf weitere Einsätze auf diesem Niveau. Im Kreisschiedsrichter-Ausschuss ist der 22-Jährige seit Juli als einer der Lehrwarte für die Aus- und Weiterbildung zuständig. Auch zu Corona-Zeiten gab es schon virtuelle Lehrabende. Zudem haben die Schiedsrichter die Möglichkeit, einen Online-Fragebogen auszufüllen. Ebenfalls online wird dienstags ein Athletik-Training angeboten. Und auch die Ergebnisse der „digitalen“ Laufgruppe, in der Leistungen per Tracking-App nachgewiesen werden, unterstreicht: Die heimischen Schiedsrichter sind auf den Restart vorbereitet. Schließlich haben sie seit dem 1. November schon mehr als 4.300 Kilometer abgerissen.

 

Regel-Fragen

Situation 1: Bei der Platzbesichtigung bemerkt der Schiedsrichter, dass das Spielfeld in gelber statt in weißer Farbe abgekreidet wurde. Ist dies erlaubt?

Situation 2: Beim Warmmachen vor Spielbeginn schlägt der Spielführer des Gastvereins einen Ordner. Dies wird vom Schiedsrichter selbst wahrgenommen, da auch er sich zum Aufwärmen auf dem Platz befindet. Er schließt folgerichtig den Spieler vom Spiel aus. Die Mannschaft darf trotzdem mit elf Spielern auflaufen, da ein Auswechselspieler dessen Position einnimmt. Darf der nun frei gewordene Platz des Auswechselspielers auf dem Spielbericht mit einem weiteren Spieler ergänzt werden?

Situation 3: Ein Torwart, der komplett in Grün spielt, will eine schwarze Trainingshose anziehen. Ist das zulässig?

Situation 4: Ein Stürmer behindert einen Torwart beim Abschlag. Der Schiedsrichter verhängt einen indirekten Freistoß. Ist der Stürmer zwingend zu verwarnen?

Situation 5: Der Schiedsrichter entscheidet bei einer klaren Verhinderung einer Torchance ca. 20 Meter vor dem Tor auf Vorteil, der Stürmer kommt frei zum Abschluss und verwandelt zum Torerfolg. Welche Persönliche Strafe gibt es?

 

Antworten

1: Ja. Wichtig ist, dass der Schiedsrichter die Linien jederzeit deutlich erkennen kann. Die Farbe Weiß ist nicht zwingend vorgeschrieben – bei Schnee bedecktem Boden sind ja auch rote oder schwarze Linien zugelassen.

2: Nein, dann müsste ja der des Feldes verwiesene Spieler vom Spielbericht gestrichen werden. Dies ist aber nicht möglich, da gegen diesen Spieler eine Meldung verfasst wurde, die sich auf seine Spieler-Tätigkeit und seine Anwesenheit an diesem Tag auf dem Sportplatz bezieht.

3: Ja, sofern dies nicht mit der Ausrüstung der anderen Mannschaft bzw. aller anderen Spielbeteiligten kollidiert. Dem Torwart ist laut Regelwerk explizit das Tragen einer Trainingshose gestattet. Selbst wenn er dabei keine Stutzen trägt, muss er jedoch Schienbeinschoner tragen.

4: Nein. Er wird nur in folgenden Fällen verwarnt: wenn er eine gute Angriffssituation verhindert, wenn das Vergehen mehrmals stattfindet oder wenn es eine Verwarnung aufgrund der Rücksichtslosigkeit erfordert.

 

5: Der Schiedsrichter spricht eine Verwarnung aus, da das Regelwerk bei Notbremse und anschließendem Vorteil klar vorgibt, dass der Verteidiger zu verwarnen ist – unabhängig davon, ob es zum Torerfolg kommt oder nicht.

WB-Serie: Fit werden für den Regeltest

Oft geht es auch auf den heimischen Plätzen hitzig zu, wenn über Abseitsentscheidungen, Schwalben oder rote Karten diskutiert wird. Manchmal kommt es zu kuriosen Szenen oder Situationen, die für Unverständnis sorgen. Und nicht immer sind die, die Entscheidungen kritisieren, wirklich regelkundig. Die heimischen Landesliga-Schiedsrichter Jonas Niemeyer und Luca Maurer haben für das WESTFALEN-BLATT knifflige Spielsituationen herausgesucht, die in den kommenden Wochen regelmäßig veröffentlicht werden – ebenso die Antworten. So können heimische Spieler, Trainer und Fußballfans die Corona-Pause nutzen, um ihr Fußball-Wissen unter Beweis zu stellen und sich in puncto Regelfragen fit zu machen. Im Frühjahr sind sie dann dazu eingeladen, eine Schiedsrichter-Prüfung zu absolvieren.

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