Reaktionen auf die Beschlüsse zur möglichen Fortführung der Handball-Saison
Von Zustimmung bis „kurz gedacht“

Der Handballverband Westfalen hat die Weichen für den weiteren Saisonverlauf in Pandemiezeiten gestellt. Statt einer vollständigen Runde, die zeitlich nicht mehr umsetzbar ist, sind Alternativ-Szenarien entwickelt und beschlossen worden

Dienstag, 12.01.2021, 19:48 Uhr aktualisiert: 12.01.2021, 19:50 Uhr
Der Handball-Verband hat beschlossen, wie die Saison weitergehen könnte.
Der Handball-Verband hat beschlossen, wie die Saison weitergehen könnte. Foto: Sören Voss

Altkreis (WB/star/hosh). Die Saison wird frühestens Anfang März wieder aufgenommen und in einer Einfachrunde zu Ende gespielt. In diesem (aufgrund der Infektionslage und Vorbereitungszeit unwahrscheinlichen) Fall soll es Auf- und Absteiger geben. Kann erst später wieder gespielt werden, werden die Staffeln neu organisiert. Im April und Mai würden zwar Aufsteiger ermittelt, aber keine Absteiger. Somit hätte ein Verzicht von Vereinen, die nicht antreten wollen, keine Auswirkung auf die kommende Saison, die Ende August (mit einem erhöhten Abstieg) beginnt soll. Auch im Jugendbereich wird angestrebt, wenn möglich noch in dieser Saison zu spielen.

 

Stimmen

Heinz-Hermann Jerrentrup (stellvertretender Vorsitzender des Handballkreises Gütersloh, Vorsitzender der Technischen Kommission und Männer-Staffelleiter): „Wir werden am 27. Januar bei einem virtuellen Staffeltag mit unseren Vereinen diskutieren und uns deren Wünsche anhören. Die Handballkreise entscheiden autark und müssen nicht den Beschlüssen des Verbandes folgen. Wir müssen auch ausloten, wer überhaupt spielen bzw. aufsteigen möchte. Meine persönliche Meinung ist, dass auch bei einer Saisonfortsetzung Anfang März keine Mannschaft bestraft werden darf, die nicht spielen möchte und es deshalb auch dann keine Absteiger geben sollte. Mein Ziel ist es, dass sich die OWL-Kreise abstimmen und eine einheitliche Lösung finden.“

Christian Blankert(Trainer von Verbandsligist Spvg. Steinhagen): „Irgendwann musste der Verband ja mal Vorschläge machen und entscheiden. Es wird mit zunehmender Zeit schließlich nicht einfacher, Lösungen zu finden. Mir wäre jetzt auch kein besser Plan eingefallen. Ich habe zuletzt mit vielen Spielern gesprochen und die meisten wären schon überglücklich, wenn man irgendwann wieder trainieren könnte. Obwohl wir alle sehr ehrgeizig sind und Bock auf Wettkampf haben, wäre für uns eine Runde zum Einspielen und ohne Absteiger völlig in Ordnung. Denn ein Monat Vorbereitung reicht bei weitem nicht aus, um den Körper wieder in Gänze auf den Vollkontakt unter Wettkampfbedingungen vorzubereiten. Selbst wenn man fleißig ist und sich fit gehalten hat, wäre das Verletzungsrisiko zu hoch.“

Yannick Hansel(Trainer der Oberliga Damenmannschaft des TuS Brockhagen): „Wir haben Anfang Oktober unser einziges Spiel gemacht. Einen Re-Start im März kann es daher schon nicht geben, weil die Vorbereitungszeit nach so einer langen Pause zu kurz und damit das Verletzungsrisiko zu hoch wäre. Die Idee, eine Serie ohne Absteiger zu spielen, finde ich dagegen gut, weil kein Druck aufgebaut wird, unbedingt spielen zu müssen, auch wenn man sich dabei nicht wohlfühlt. Die ambitionierten Teams hätten trotzdem die Möglichkeit, in einer eigenen Runde um den Aufstieg zu spielen. Man sollte nichts übers Knie brechen, sondern sich im Zweifel lieber ganz in Ruhe auf die nächste Saison vorbereiten. Das höchste Gut ist die Gesundheit.“

Thomas Wöstmann (TG Hörste): „Ich finde die Überlegungen des Handballverbandes tatsächlich etwas kurz gedacht. Man sollte ruhig mal über den Tellerrand hinausschauen. Warum muss die Saison unbedingt am 30. Juni. enden? Vertragsspieler bilden im Handball eine deutliche Minderheit, für 95 Prozent der Spieler hätte eine Saison über den Stichtag hinaus erstmal keine großen Auswirkungen. Und auch für die Vertragsspieler würde sich eine Regel finden lassen, so kompliziert ist das nicht. Viele Vereine haben monatelang viel Arbeit und Mühe während der Coronapause investiert, all das wäre umsonst gewesen. Die Situation ist eine außergewöhnliche, da sollte man auch zu besonderen Überlegungen bereit sein.“

 

So äußert sich der Handball-Verband Westfalen: Der Handballverband Westfalen hat das Geschehen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie in den letzten Wochen intensiv beobachtet.

Im November 2020 hatte es im Erwachsenenbereich Absprachen mit den Vereinen gegeben, in denen vereinbart wurde, dass im Januar die nächsten Schritte bekannt gegeben werden. Diesem Auftrag ist der Handballverband nachgekommen. Im Bereich des Erwachsenenspielbetriebes haben die beiden Verantwortlichen Andreas Tiemann (VP Spieltechnik) und Bernd Kuropka (stv. Vorsitzender der Technischen Kommission) Alternativszenarien entworfen. Diese wurden dem Erweiterten Präsidium vorgestellt, das daraufhin einstimmig Folgendes beschlossen hat: sofern zulässig, wird der Spielbetrieb in den Ober-, Verbands- und Landesligen der Frauen und Männer am 1. März wieder aufgenommen und die angefangene Saison durch eine Einfachrunde zu Ende gespielt.

Wenn ein Start am 1. März mit einer entsprechenden Vorbereitungszeit nicht möglich ist, werden – sofern dann zulässig – im April und Mai unter allen aufstiegswilligen und -berechtigten Vereinen die vorgesehenen Aufsteiger in den einzelnen Spielklassen ausgespielt. Dazu wird es eine Neuorganisation der Staffeln geben. Für Vereine, die nicht aufsteigen, aber die Fortsetzung des Spielbetriebs wünschen, wird ein entsprechender Wettbewerb organisiert werden. Hierbei wird auch kurzfristig auf das aktuelle Pandemiegeschehen reagiert. Sofern notwendig, wird dieses unter vom Verband vorgegebenen Testkonzepten erfolgen. Sportliche Absteiger sind nicht vorgesehen; lediglich Vereine, die nicht erneut melden, werden bei der Saisonplanung 2021 / 2022 nicht mehr berücksichtigt. Mit dem letzten Wochenende im August hat das Erweiterte Präsidium zudem den Saisonstart für die nächste Saison festgelegt. Es wird dann in jedem Fall einen erhöhten Abstieg geben, um in angemessener Zeit wieder auf die Sollstärken der Staffeln zurück zu kommen.

Bernd Kuropka: „mit dem nunmehr vorgestellten Abläufen haben die Vereine ein bisschen mehr Planungssicherheit in dieser unruhigen Zeit. Vereine, die aktuell nicht spielen können oder wollen brauchen nicht befürchten, dass sie aufgrund des Virus absteigen müssen. Ich bin der Überzeugung, dass wir mit diesem Angebot die Interessen der Vereine erfüllen werden. Für jeden Verein, der spielen kann und möchte, haben wir nunmehr ein Angebot.“

Für den Jugendspielbetrieb ist eine Aufnahme des Spielbetriebs nur dann möglich, wenn die Saison nicht wie üblich nach Ostern endet, sondern bis zu den Sommerferien verlängert wird. Patrick Puls (VP Jugend) hat sich mit der zentralen Frage, ob man diesem „Corona-Jahrgang“ nicht zumindest noch die Chance auf einen Wettkampf in seiner jetzigen Altersklasse geben sollte, in sechs OnlineKonferenzen an die Vereine gewandt und auch daraufhin viele Gespräche geführt. „Natürlich hat gerade für unsere Jugendlichen die Rückkehr zum Trainingsbetrieb, mithin die Mannschafts- und Alltagstrukturen eine essentielle Bedeutung. Die Rückmeldungen zeigen mir jedoch deutlich, dass es so gut wie allen Beteiligten sehr wichtig ist, den Spieler*innen noch eine Perspektive auf eine Spielmöglichkeit für die bestehenden Mannschaften, die teilweise seit März 2020 nur trainiert haben, zu geben. Wie diese in Anbetracht der zur Verfügung stehenden Zeit auch immer aussehen mag.“, so Puls. Ob dies in der verkürzten Ausspielung von Meisterschaften anhand der bestehenden Staffelstrukturen enden kann oder nur noch Zeit für neu gebildete Kleingruppen bleibt, wird vom Zeitpunkt des zulässig möglichen Wiedereinstiegs abhängig sein, nach Meinung der Jugendvertreter*innen aber in diesem Jahr nicht im Vordergrund stehen können. Auch hier gilt hinsichtlich der Teilnahme natürlich das Prinzip der Freiwilligkeit. „Die Alternative wäre nur, die Saison überhaupt nicht aufzunehmen und beim Wiedereinstieg mit den neuen Jahrgängen zu starten. Damit hätten wir den Jugendlichen ihr Jahr komplett genommen. Das wollen wir verhindern“, ergänzt Puls. Diese Ansicht teilte das Erweiterte Präsidium ebenfalls, so dass Puls als Vorsitzender des Jugendausschusses (JA) einen entsprechenden gemeinsamen Beschluss mit den Kreisvertreter*innen im JA vorbereiten kann. Die Aufstiegsrunden könnten dann erneut erst nach den Sommerferien stattfinden.

Andreas Tiemann fasst das Ergebnis zusammen. „Natürlich wäre eine komplette Serie für alle Beteiligten besser. Aber das ist unter den aktuellen Bedingungen leider nicht möglich. So kommt der Handballverband seiner Hauptaufgabe, der Organisation eines Spielbetriebes, nach. Gut ist, dass eine große Einigkeit zwischen den Kreisvorsitzenden, dem Ehrenpräsidenten und den Mitgliedern des Präsidiums bestanden hat, so dass wir schon so frühzeitig die Weichen stellen können.“

 

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