Harry Bunte ist im Alter von 88 Jahren verstorben
Ein Vorbild für alle Seniorensportler

Halle -

Sportliche Ausdauerleistungen bis ins hohe Alter - dafür stand in der heimischen Sportszene ein Name: Harry Bunte. Mit 70 Jahren wurde er Senioren-Vizeeuropameister im 10.000-m-Lauf, mit 78 bezwang er den Pyrenäen-Riesen Col du Tourmalet mit dem Rad, noch vor wenigen Tagen frönte er seiner großen Leidenschaft, dem Wintersport, als er auf Langlauf-Ski im Tatenhausener Wald unterwegs war. Am 15. Februar ist der Haller im Alter von 88 Jahren nach einem Herzinfarkt verstorben

Montag, 22.02.2021, 19:00 Uhr
Harry Bunte und die Langlaufski: Wintersport war eine große Leidenschaft, Mit Wilhelm Ellermann
Harry Bunte und die Langlaufski: Wintersport war eine große Leidenschaft, Mit Wilhelm Ellermann Foto: Gunnar Feicht

Wohl jeder heimische Volksläufer der Altersgruppe Ü50 hat ihn gekannt, für viele war er ein Vorbild und wird es auch nach seinem Tod bleiben. „Mit fast 86 noch so fit sein wie Harry“, wünschten sich viele, als der älteste Teilnehmer beim Autobahnlauf in Steinhagen 2018 die 6 km in 37:45 Minuten schaffte. „Was, wie alt bist du? Das kann ich gar nicht glauben“, staunte 2006 ein Konkurrent. Da hatte Harry Bunte soeben beim superschweren Rothaarsteig-Lauf die Altersklassenwertung gewonnen - nach 21,1 bergigen Kilometern mit 430 Höhenmetern.

„Ich habe erst mit 47 Jahren angefangen, kontinuierlich Sport zu treiben - aber von da an regelmäßig und intensiv. Und das hat mir Erlebnisse ermöglicht, die ich sonst nie gehabt hätte“, sagte Harry Bunte vor zehn Jahren im WESTFALEN-BLATT-Gespräch. Zum Beispiel auf dem Rad, als er 2010 mit einer Gruppe des RC Teuto von Füssen im Allgäu nach Bozen in Südtirol die Alpen überquerte und in demselben Jahr während des Südfrankreich-Urlaubs auf den Spuren der Tour de France radelte: Nach 17 km mit 1300 m Höhenunterschied bergauf hatte er den Pyrenäen-Pass Col du Tourmalet in 2115 m Höhe bezwungen. Der damals 78-Jährige schwärmte: „Natürlich sehr anstrengend, aber bei dem herrlichen Wetter, das wir hatten, waren das unvergessliche Eindrücke.“

Als selbstständiger Raumausstatter, der mit seiner Ehefrau in Halle ein Geschäft betrieb, hatte er jahrelang abgesehen vom Winterurlaub kaum einen Gedanken an Ausgleichssport verschwendet. Über Friedhelm Boschulte, Martin Hirschfeld und Horst Rieke vom TuS (später LC) Solbad Ravensberg kam er als Spätstarter dann zum Wettkampfsport Langstreckenlauf. Und während andere mit zunehmendem Alter abbauten, zahlte sich das kontinuierliche und gezielte Training bei Harry Bunte mit immer besseren Platzierungen in den Altersklassen aus. Besonders unter extremen Bedingungen feierte er herausragende Erfolge: Bei den Hitzerennen der Senioren-Weltmeisterschaft in Südafrika wurde er in der AK M65 zweimal Vierter über 5.000 und 10.000 m. In seinem besten Jahr 2002 holte er in der M70 den Westfalenmeistertitel über 10.000 m, wurde Deutscher Vizemeister im Berglauf und in Potsdam Vize-Europameister über 10.000 m - als 70-Jähriger in 43:40 Min. bei 35 Grad Hitze.

Mit bewusster Ernährung und regelmäßigen Saunagängen unterstützte der gertenschlanke Seniorensportler den Effekt seiner sportlichen Aktivitäten. „Das ganze Jahr in Bewegung“ war bei ihm wörtlichen zu nehmen, auch wenn sich andere bei sinkenden Temperaturen am warmen Ofen verkrochen. „Harrys größte Leidenschaft war der Wintersport“, weiß sein langjähriger Weggefährte Wilhelm Ellermann. Gemeinsam reisten sie oft in die Westschweiz oder ins Engadin.

Erst mit 65 Jahren erlernte Harry Bunte die Skating-Technik auf Langlaufski, mit der er dann noch viele Jahre über den Schnee zu schweben schien. „Wir haben gemeinsam Touren von bis zu 65 km am Tag gemacht. Wenn im Sauerland der erste Schnee fiel, dann klingelte das Telefon: Wann fahren wir los?“, veranschaulicht Wilhelm Ellermann den Bewegungsdrang seines Vereinskollegen vom LC Solbad.

Auch mit dem Rad legte der Haller bis ins hohe Alter weite Strecken zurück: Als sich in den 2000er-Jahren noch größere Gruppen seines Vereins auf der holländischen Nordsee-Insel Texel zum Frühjahrs-Trainingslager trafen, schaffte der Multisportler die 350 km Anreise in zwei Tagen mit eigener Muskelkraft. Gemeinsam mit Vereinskollege Rolf Gottenströter reiste er bis zuletzt einmal im Jahr nach Texel. Auch wenn er nach 2018 nicht mehr an Volksläufen teilnahm, traf sich Harry Bunte bis zuletzt mit Gottenströter regelmäßig zum Nordic Walking und schwang sich so oft es ging aufs Fahrrad. „Harry brauchte einfach die Bewegung“, weiß Gottenströter.

Das galt auch in früheren Jahren, als Bunte mit seinem 2006 verstorbenen Vereinskollegen Horst Rieke von Seattle bis Los Angels 2700 km an der amerikanischen Westküste entlang radelte. Oder wenn er selbst gut trainierte Mitläufer auf seiner langen Berglaufrunde zwischen Haller Kaffeemühle und den Windrädern westlich von Borgholzhausen über jeden erreichbaren Teuto-Gipfel an die Leistungsgrenze brachte.

Bergauf schwang er dabei seine unvermeidlichen Stöcke, die ihm halfen, die Höhenmeter im Anstieg leichter zu überwinden. Deren Geräusch im regelmäßigen Takt ist jetzt verstummt. Und alle Sportler, die Harry Bunte gekannt haben, trauern um eine der markantesten Persönlichkeiten der heimischen Ausdauersport-Szene.

 

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