Physiotherapeut Viktor Kanke zählt bei Handball-Oberligist SF Loxten zu den dienstältesten Teammitgliedern
Lieber goldene Kronen als Verletzungen

Versmold-Loxten -

Eigentlich wollte Viktor Kanke nur für eine Kontrolluntersuchung zum Zahnarzt. Doch quasi auf dem Behandlungsstuhl stellte Zahnarzthelferin Sandra Brockmann, die Ehefrau des damaligen Trainers Dirk Brockmann, die Verbindung zu den Handballern der Sportfreunde Loxten her. Seitdem sind elf Jahre vergangen und Kanke gehört als Physiotherapeut zu den dienstältesten Team-Mitgliedern der Loxtener Oberliga-Mannschaft.

Dienstag, 23.02.2021, 11:02 Uhr
Viktor Kanke feiert mit Loxtens Spielern im Mai 2014 den Aufstieg in die Oberliga. Die goldenen Pappkronen hat der Physio zuvor auf der Bank gebastelt.
Viktor Kanke feiert mit Loxtens Spielern im Mai 2014 den Aufstieg in die Oberliga. Die goldenen Pappkronen hat der Physio zuvor auf der Bank gebastelt. Foto: Sören Voss

Anfangs kümmerte sich der Physiotherapeut, der in einer Praxis in Bad Rothenfelde arbeitet, bei den Heimspielen um die Wehwehchen der Frösche. Doch Thomas Lay integrierte ihn auch in den Trainingsbetrieb, regelmäßig übernahm er das Athletiktraining, um die Verletzungsanfälligkeit der Spieler zu minimieren. „Ich habe, wie die Spieler, einen Vertrag“, erklärt Kanke, „aber den Zeitaufwand möchte ich lieber nicht in Stunden umrechnen. Dafür macht es mir zu viel Spaß.“ Nachdem sich der Umfang zunächst noch in Grenzen gehalten hat, ist Kanke mittlerweile auch bei Auswärtsspielen dabei, an Heimspiel-Tagen beginnt seine Arbeit drei Stunden vor Anpfiff, meist gehört er zu den letzten, die die Kabine verlassen. „Die Jungs kommen in der Woche auch mal bei mir zuhause vorbei, wenn sie Probleme haben“, berichtet der 32-Jährige über Freundschaften, die sich mit der Zeit entwickelt haben.

Kanke, der eigentlich als Fußballer beim SC Peckeloh und nie selbst Handball gespielt hat, ist inzwischen ein wichtiger Bestandteil des Teams. Er stellt sich in den Dienst der Mannschaft, wie beispielsweise im Mai 2014, als er von den bisher größten Momenten der bisherigen Vereinsgeschichte praktisch nichts mitbekam. Auswärts in Hüllhorst stand der letzte, zur Verbandsliga-Meisterschaft fehlende Sieg so früh fest, dass sich der Physio um die Vorbereitungen für die Oberliga-Aufstiegsparty kümmern konnte. „Vom Spiel weiß ich nicht mehr viel, weil ich die ganze Zeit die Pappkronen für die Spieler gefaltet habe“, erklärt Kanke lachend.

Immer ist sein Job aber nicht so lustig. „Als Sebastian Hölmer im ersten Spiel nach seinen beiden Kreuzbandrissen mit seiner Hand zu mir kam, wusste ich direkt, dass etwas gebrochen war“, erinnert sich Kanke. Auch die schlimme Knieverletzung, die sich Philipp Harnacke vor eineinhalb Jahren zuzog, gehört zu den Schattenseiten. „Am schönsten ist es, wenn es glimpflich ausgeht“, erinnert sich der Therapeut an Kapitän Jan Patzelt, „der bei einem Heimspiel sogar mal kurz ohnmächtig war und später in der Kabine wieder Witze machen konnte.“

Auf das gemeinsame Zusammensein freut sich der Physiotherapeut mit am meisten, wenn die Pandemie endlich überstanden ist: „Das regelmäßige Athletiktraining über die Videokonferenz ist außerdem nicht das gleiche, weil ich schwer korrigieren kann.“ Außerdem kann Kanke nach Corona auch wieder die Bilder aus der Kabine auf den sozialen Medien teilen, denn gemeinsam mit Nico Seifert betreut er den Auftritt der Frösche bei Instagram und Co.. „Ich bin gespannt, ob in dieser Saison noch gespielt werden kann. Sechs Wochen sind aber als Vorbereitung schon notwendig“, sagt der Mann, der dann im Anschluss natürlich hofft, dass er sich anstatt um die Behandlung schwerwiegender Verletzungen wieder einmal um das Basteln goldener Kronen kümmern muss.

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