Große Umfrage: Mitglieder-Entwicklung in den Sportvereinen
Corona kostet viele Neuzugänge

Seit einem Jahr lähmt die Pandemie nahezu durchgängig den organisierten Sport. In einer WESTFALEN-BLATT-Umfrage äußern sich Vertreter heimischer Vereine zu ihrer aktuellen Mitgliederentwicklung und berichten von Sorgen und Hoffnungen, nachdem sie bis zum heutigen Montag ihre Mitgliederzahlen an den Landessportbund melden mussten.

Montag, 01.03.2021, 11:12 Uhr
Auch das beliebte Spielfest des SC Halle ist ausgefallen. Dem größten Verein der Stadt fehlen wegen der Lockdowns die Neuanmeldungen.
Auch das beliebte Spielfest des SC Halle ist ausgefallen. Dem größten Verein der Stadt fehlen wegen der Lockdowns die Neuanmeldungen. Foto: Krammenschneider

Altkreis.  (vos/star/guf/km/hosh). 93 Vereine bieten in den fünf Altkreiskommunen Borgholzhausen (12 Vereine), Halle (28), Steinhagen (20), Versmold (19) und Werther (14) eine breite Palette von Sportarten an. Zum Jahresbeginn 2020 waren 29.368 Sportlerinnen und Sportler angemeldet, wobei hier Doppelanmeldungen in verschiedenen Clubs auch doppelt gezählt werden. Die aktualisierten Zahlen wollen Landes- und Kreissportbund in den kommenden Tagen präsentieren. Am Sonntag lagen noch nicht alle Daten vor, so dass das landesweite Bild noch nicht aussagekräftig war.

Eine Anfrage dieser Zeitung bei zahlreichen Vereinen zeigt aber deutliche Trends zum Stichtag 31. Dezember 2020: Die meisten hatten einen Mitgliederschwund im moderaten Bereich zu verkraften, der sich in dem vom LSB erwarteten Rahmen von drei bis vier Prozent bewegt.

Zahlenmäßig stark betroffen ist der SC Halle, der im Jahresverlauf 149 Mitglieder (9,6 Prozent/von 1549 auf 1400) verlor. „Jede einzelne Abmeldung ist bedauerlich, aber eine Fluktuation von etwa plus/minus 100 Ab- und Neuanmeldungen ist bei einem Verein unserer Größenordnung normal“, ordnet Wolfgang Rehschuh, der erste Vorsitzende ein: „Was fehlte, war einfach die zuvor übliche Zahl an ‚Neuzugängen‘, natürlich bedingt dadurch, dass wir wegen Corona unserer Angebote nicht unterbreiten konnten.“ Der Sportclub hatte sich mit seinem Kursangebot eigentlich auf einem Wachstumskurs befunden. Rehschuh kündigt an: „Zurzeit arbeiten wir intensiv an Konzepten, wie wir ehemalige Mitglieder zurückholen und neue dazu gewinnen können, wenn es wieder losgeht.“

Nur etwas besser erging es dem zweiten großen Mehrspartenverein, der Spvg. Steinhagen, die sieben Abteilungen anbietet. Hier standen zum Jahreswechsel 1898 Mitglieder zu Buche, 82 weniger (minus 4,1 Prozent) als vor Jahresfrist. Vorsitzender Andreas Wessels ordnet das Ergebnis als „reguläre Fluktuation minus die Neuanmeldungen“ ein, betont aber: „Es wird für uns die größte Herausforderung, besonders die Kinder und Jugendlichen wieder zum Sport zu bringen.“ Die großen Versmolder Vereine, Spvg. Versmold (1154 Mitglieder, minus 4,5 Prozent) und SC Peckeloh (1016, minus 4,3) traf es in ähnlicher Größenordnung: „Nach dem Einzug der Jahresbeiträge hatten wir nur wenige Rückbuchungen“, sagt Bernhard Woite, Vorsitzender der Spvg. Versmold

Während der TuS Borgholzhausen mit 1100 Mitgliedern seine Größe konstant hält, bleibt der TV Werther mit 2103 Mitgliedern (minus 2,3 Prozent) größter Verein des Altkreises.

Zudem gab es auch Gewinner: Stefanie Bißmeier-Kräuter, Geschäftsführerin der SG Oesterweg, freut sich, dass ihr Verein um sieben auf 617 Mitglieder gewachsen ist: „Durch neue Kursangebote, wie etwa Jumping-Fitness in der Zeit als Sport im Sommer erlaubt war, haben wir dazugewonnen. Denn als Mitglied zahlt man eine um 50 Prozent niedrigere Kursgebühr, sodass sich der Beitritt schon mit zwei bis drei Kursen für den Einzelnen finanziell lohnt.“ Auch SF Loxten, Spvg. Hesselteich, Union Halle und der BV Werther sind leicht gewachsen. BVW-Vorsitzender Jochen Twelmeyer: „53 Abmeldungen, das liegt absolut im normalen Jahresschnitt. Ich bin sicher, dass wir mehr als die 62 Neuanmeldungen erreicht hätten, wenn im Oktober nicht der zweite Lockdown den gesamten Sportbetrieb zum Erliegen gebracht hätte.“

Als ein Gewinner der Corona-Krise steht schon jetzt der Haller Golfclub Teutoburger Wald fest. Dieser Sport konnte mit wenigen Ausnahmen auch während des Lockdowns ausgeübt werden. Viele neue Ideen und eine Werbekampagne haben außerdem dafür gesorgt, dass die Mitgliedszahlen in Eggeberg so stark angestiegen sind wie schon seit zehn Jahren nicht mehr. So ist die Zahl der Golferinnen und Golfer von 965 auf 1052 gewachsen, seit dem Jahreswechsel kamen sogar acht weitere Zugänge hinzu.

Stadt Halle wirbt für den Sport

Wie in den Nachbar-Kommunen bereitet auch dem Stadtsportverband Halle die Mitgliederentwicklung in seinen Vereinen Sorge. An einem digitalen Stammtisch sind jetzt erste Ideen ausgetauscht worden, wie konkrete Maßnahmen aussehen könnten. Normalerweise treffen sich die Vertreter der Vereine aus der Lindenstadt persönlich in wechselnden Sportheimen. Dass an der digitalen Sitzung am Donnerstagabend lediglich fünf der 27 Vereine, die der Stadtsportbund vertritt, teilnahmen, will Udo Kerwien nicht überbewerten. Der zweite Vorsitzende des Stadtsportbundes nimmt die Clubs in Schutz: „Das ist natürlich für alle neu und es muss sich erstmal einpendeln.“

Inhaltlich war es dafür umso spannender. Es ging um die langen Wartezeiten für Schwimmkurse, die aktuell bei einem halben Jahr liegen und sich noch verlängern, weil ehrenamtliche Helfer fehlen. Um die Ertüchtigung des Hesselner Sportplatzes, damit dort eventuell Profimannschaften trainieren können, die im Court Hotel am Sportpark Halle untergebracht sind. Und natürlich stand das Thema Mitgliederschwund im Mittelpunkt. „Die Vereine sitzen schon im selben Boot. Sie können nahezu alle keine Angebote machen“, fasst Udo Kerwien, der selbst als Gymnastik-Übungsleiter beim SC Halle tätig ist, zusammen. Umso erfreuter ist er, dass die Stadt Halle den Clubs unter die Arme greifen will. „Es soll ein Marketingkonzept zur Mitgliederwerbung erstellt werden. Wir freuen uns als Sportbund, dass die Stadt Halle, vertreten durch Frau Bresser, Herrn Potthoff und Herrn Klack, ihre Unterstützung zugesagt hat“, sagt Kerwien. So soll unter anderem ein Werbefilm erstellt werden, der die Bandbreite der Haller Sportvereine abbildet.

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