Heiko Lewanzik gewinnt beim Ironman Switzerland die Altersklasse M35 und löst das Ticket für Hawaii
Das Leiden bei der Premiere

Steinhagen  (WB/rob/star). Als er nach 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen das Ziel erreicht, zeigt die Uhr 9:08:56 Stunden an. Der 34-Jährige ist 14. der Gesamtwertung, Sieger der Altersklasse M35 und hat sich den erhofften Startplatz für den Ironman Hawaii gesichert.

Dienstag, 26.07.2016, 15:53 Uhr aktualisiert: 26.07.2016, 15:55 Uhr
Heiko Lewanzik ist vor seiner Langdistanz-Premiere noch nie einen Marathon gelaufen. Der Steinhagener leidet auf den letzten 18 Kilometern, erzielt aber mit 3:05:46 eine bärenstarke Zeit. Foto: Robert Becker
Heiko Lewanzik ist vor seiner Langdistanz-Premiere noch nie einen Marathon gelaufen. Der Steinhagener leidet auf den letzten 18 Kilometern, erzielt aber mit 3:05:46 eine bärenstarke Zeit. Foto: Robert Becker

»Morgen werde ich hier die 900 Euro bezahlen, sagt Heiko Lewanzik am Sonntag nach dem Finish mit Blick auf den nun zu lösenden Hawaii-Slot. Wie es danach genau weitergeht, das will er sich offen halten. »In wenigen Tagen bekommen wir Nachwuchs, wir müssen dann schauen«, sagt er. Seine schwangere Frau Steffi hatte ihn trotz des »Termindrucks« in Zürich betreut, Zwischenzeiten gestoppt und ihren Mann über die Altersklassen-Platzierungen auf dem Laufenden gehalten.

Im Ziel macht Lewanzik erst einmal nichts, setzt sich eine Dreiviertelstunde auf einen Stuhl. Zwei Stunden später kommt der Heißhunger, der mit Pommes bekämpft wird. Die Laufzeit von 3:05:46 ist bärenstark. Doch sie verschweigt das Leiden des Sport- und Chemielehrer eines Kölner Gymnasiums: »Als meine Frau mir zugerufen hat, dass ich auf Platz zwei meiner Altersklasse liege und der Erste einbricht, habe ich nur gedacht: Ich doch auch, ich werde immer langsamer. Doch den anderen ist es noch schlimmer ergangen, ich habe nur überholt.«

Als es dann geschafft ist, ist das Finisher-Glück des Heiko Lewanzik zumindest im ersten Moment etwas gespalten: »Da läufst du dann die letzten Meter auf das Ziel zu, kannst nichts mehr essen, nichts mehr trinken, überall schmerzt es und dann fragst du dich: Dafür habe ich jetzt 750 Euro bezahlt?«

Der ehemalige Bundesliga-Triathlet hat eine fünfjährige Wettkampfpause hinter sich, nachdem er eine ganze Stelle als Lehrer angetreten hat. Volle Konzentration auf den Beruf ist das Motto von Lewanzik gewesen, das Fahrrad wird in den Keller verfrachtet. Doch in diesem Jahr reizt das Abenteuer Hawaii.

Der Termin passt, weil wegen der Herbstferien nach dem Wettkampf noch zwei Wochen Urlaub möglich sind. Außerdem weiß Heiko Lewanzik nicht, ob er als junger Vater in Zukunft noch die Zeit und Energie für die Wettkampf-Vorbereitung aufbringen kann. Also reift der Entschluss, in Zürich den ersten Triathlon über die Langdistanz in Angriff zu nehmen, um sich für Hawaii zu qualifizieren.

Interessant ist die Schnelligkeit, mit der Heiko Lewanzik nach mäßigem Training in den vergangenen Jahren in diesem Sommer zurückgekehrt ist. Zunächst gewinnt der frühere Bundesliga-Triathlet im Trikot von Trispeed Marienfeld den Saisonauftakt der Triathlon-Oberliga, muss sich dann Anfang Juni beim Heimspiel in Harsewinkel mit Rang drei nur knapp dem Profi Till Schramm beugen. Die letzten Wochen vor Zürich trainiert er fast wie ein Kurzdistanztriathlet. Zeitfahrrad und Helm hat er sich ausgeliehen. Gerade mal 4000 Trainingskilometer auf dem Rad stehen in diesem Jahr zu Buche. Erst zwölf Tage vor dem Wettkampf fährt Lewanzik das erste Mal im Training länger Rad als 150 Kilometer, dann allerdings richtig »Hardcore«: Eine 200-km-Tour absolvierte er im 33er Schnitt spielend – im Anschluss an einen Zwei-Stunden-Lauf im Teuto...

In Zürich läuft alles nach Plan, auch wenn der frühere Wasserballer beim Schwimmen gerne drei Minuten schneller gewesen wäre. Für die 3,8 Kilometer im Züricher See benötigt er 56:13 Minuten, für die 180 Radkilometer 5:02:07 Stunden: »Das hätte ich im Vorfeld so unterschrieben. Dass ich so nah an die fünf Stunden heranfahre, das hätte ich nicht gedacht.« Immerhin habe der Parcours, eine zweimal zu fahrende 90-km-Schleife, rund 1300 Höhenmeter aufgewiesen, deutlich mehr als zum Beispiel der Ironman Frankfurt.

In Zürich siegt der Schweizer Ronnie Schildknecht mit 8:17:04 Stunden vor dem Deutschen Timo Bracht (8:24:13 Stunden). Heiko Lewanzik ist in dem illustren Starterfeld viertbester Deutscher und drittschnellster Amateur. Nur der Schweizer Steve Bovay (11.) und der Franzose Matheu Iselin (13.) haben wie Lewanzik keine Pro-Lizenz gelöst, die zur Annahme von Preisgeld berechtigt.

Und nun Hawaii? Eigentlich hat sich Heiko Lewanzik vorgenommen, ohne Zeitdruck den Wettkampf zu genießen. Doch lassen das seine Sportler-Gene zu? Der Steinhagener zweifelt selbst daran: »Wenn der Startschuss fällt, versucht man, das Bestmögliche herauszuholen, Plätze gut zu machen. Ich glaube, dass ich noch Luft nach oben habe.«

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