Fr., 03.01.2020

2. Handball-Bundesliga: Markus Fuchs aus Steinhagen hat mit ASV Hamm das Zweitliga-Spitzenspiel vor fast 10.000 Zuschauern gewonnen Abwehrchef greift die erste Liga an

Abwehrspezialist: Zwischen den Teamkollegen Jakob Schwabe und Jan von Boenigk hält Markus Fuchs (in Rot) Hamms Deckung zusammen.

Abwehrspezialist: Zwischen den Teamkollegen Jakob Schwabe und Jan von Boenigk hält Markus Fuchs (in Rot) Hamms Deckung zusammen. Foto: imago

Von Gunnar Feicht

Steinhagen/Hamm (WB). Im Oktober hat er geheiratet, für Februar kündigt sich Familiennachwuchs an. Und mit dem ASV Hamm-Westfalen belegt er nach 18 Spieltagen einen Aufstiegsplatz. Nach dem 25:21-Heimsieg gegen Gummersbach vor 9270 Zuschauern in der Dortmunder Westfalenhalle am Montag darf sich der gestresste Zweitliga-Profi ein paar Tage Urlaub in Holland gönnen. Für Handballer Markus Fuchs hängt der Himmel zum Jahreswechsel voller Geigen.

„Vor fast 10.000 Zuschauern zu spielen war das Highlight der bisherigen Saison. Die Westfalenhalle wirkt im Vergleich zu den modernen Arenen zwar fast schon etwas marode, aber die Atmosphäre war einfach toll.“ Der Zwei-Meter-Mann, der bei der Spvg. Steinhagen mit dem Handballspielen begann, ist mit 28 Jahren zum ersten Mal in der legendären Sportstätte aufgelaufen. Dass das Event den Zweitliga-Zuschauerrekord des HSV Hamburg (Ende 2018 mit 9702 Besuchern beim Sieg gegen TuSEM Essen) knapp verfehlte, konnte der Tabellenzweite gut verkraften. Zum Gänsehauterlebnis passte der Sieg über einen direkten Konkurrenten im Aufstiegskampf. Zumal gegen Altmeister VfL Gummersbach, der eben im Dortmunder Hexenkessel in den 70er- und 80er-Jahren große Europacup-Erfolge gefeiert hat.

Die Kameras des frei empfangbaren Senders Sky Sport News lieferten von diesem Zweitliga-Feiertag bundesweit Live-Bilder auf die TV-Bildschirme. Wobei Hamms Abwehrchef Markus Fuchs persönlich dann doch etwas zum absolut perfekten Abend fehlte: Schon in der neunten Minute musste er seinen Platz im Abwehrzentrum für gut eine halbe Stunde räumen, weil die Referees ihm so früh die zweite Zeitstrafe aufbrummten. „Die erste war berechtigt. Aber bei der zweiten wollte mir der Schiri eigentlich Gelb zeigen, als er festgestellt hat, dass ich schon zwei Minuten auf dem Konto hatte. Hinterher habe ich mit einem Augenzwinkern gesagt, dass ich mich um Spielzeit betrogen gefühlt habe.“

Trainer Kay Rothenpieler wollte den Dreh- und Angelpunkt seiner Deckung auf keinen Fall frühzeitig opfern und schickte Fuchs erst in der Schlussviertelstunde mit dem Risiko der dritten Hinausstellung wieder aufs Parkett. Das Resultat: Hamm setzte sich entscheidend von 17:14 auf 24:19. Daran hatten auch die anderen „Ostwestfalen“ im ASV-Dress großen Anteil: der Mindener Sören Südmeier und Linkshänder Jan von Boenigk, dessen Vater Diethard beim TBV Lemgo und zum Karriereende bei der Spvg. Versmold die Fäden zog.

"

„Wir sind zuversichtlich, dass es diesmal mit dem Aufstieg klappt, denn Essen, Coburg und einige der besonders stark besetzten Konkurrenten empfangen wir noch zuhause.

Markus Fuchs

"

Mit 26:10 Punkten nach dem ersten Rückrundenspieltag haben die Hammer gemeinsam mit Spitzenreiter HSC Coburg (28:8) die besten Aussichten, am Ende einen der zwei Aufstiegsplätze zu belegen. Doch die Altmeister TuSEM Essen (24:12) und Gummersbach (23:13) sowie Erstliga-Absteiger Bietigheim (22:14) sitzen dem Fuchs-Rudel im Nacken. „Wir sind zuversichtlich, dass es diesmal klappt, denn Essen, Coburg und einige der besonders stark besetzten Konkurrenten empfangen wir noch zuhause. Jetzt stellt sich die Frage, ob wir von Verletzungen verschont bleiben und wie uns die lange EM-Pause bis Anfang Februar bekommt“, sagt Markus Fuchs.

Im März 2006 ist der Steinhagener Junge als 14-Jähriger ins Rampenlicht getreten - im Haller Gerry-Weber-Stadion: Mit der starken C-Jugend der Spvg. durfte er damals das Nachwuchs-Bezirksligaderby gegen JSG Halle/Hörste in der Riesen-Arena bestreiten – „Vorspeise“ zum Bundesliga-Leckerbissen des TBV Lemgo gegen den VfL Gummersbach.

Für Fuchs und Teamkollege Jan Phillip Lindemann wurde der starke Auftritt mit der Truppe von Trainer Daniel Haedecke zum Sprungbrett zu GWD Minden, wo der lange Rechtshänder zum Jugend-Nationalspieler avancierte und dann Erstliga-Erfahrung sammelte. Zunächst mit Zweitspielrecht, landete er 2014 endgültig beim Zweitligisten Hamm, wo er trotz einer langwierigen Patellasehnenentzündung seinen Weg zum Leistungsträger gefunden hat.

Die frühzeitige Vertragsverlängerung bis Mitte 2022 unterstreicht, wie wertvoll Fuchs den ASV-Verantwortlichen ist: „Ich spiele nur in der Abwehr, weil nach meinen Knieproblemen ein einbeiniger Sprungwurf unter Wettkampfbedingungen kaum noch möglich ist. Der Verein weiß aber, dass ich als Spezialist seit Jahren auf einem hohen Level konstant meine Leistung bringe und das wird hier wertgeschätzt“, sagt Markus Fuchs. Der Steinhagener fühlt sich in einer gewachsenen Mannschaft wohl, hat in Hamm die Frau fürs Leben gefunden und prophezeit: „Ich werde hier wohl sesshaft werden.“ Am liebsten natürlich kommende Saison als Erstliga-Spieler. Die nicht ganz ernst gemeinten SMS-Anfragen seines frühere Steinhagener Mentors Dirk Blankert, ob er nicht doch zu seinen Wurzeln zurückkehren möchte – sie werden ohne positive Rückmeldung bleiben.

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7167600?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2352973%2F4029442%2F