Fr., 13.03.2020

Corona-Virus stoppt Amateurfußball: Absage des westfälischen Verbandes bedeutet viele offene Fragen für die Trainer Landesliga-Derbys fallen flach

Kein Landesliga-Derby am Sonntag: Die Trainer Mario Lüke (Steinhagen/rechts) und Markus Kleine-Tebbe (Peckeloh) haben frei.

Kein Landesliga-Derby am Sonntag: Die Trainer Mario Lüke (Steinhagen/rechts) und Markus Kleine-Tebbe (Peckeloh) haben frei. Foto: Stephan Arend

Steinhagen/Versmold (WB/guf). Mit der Entscheidung, den Fußball-Spielbetrieb in allen Klassen von der Ober- bis zur Kreisliga C mit sofortiger Wirkung einzustellen, hat auch der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen auf die aktuelle Entwicklung rund um das Coronavirus reagiert. Damit sind die beiden für Sonntag angesetzten Landesliga-Derbys Spvg. Steinhagen - SC Peckeloh (Männer) und BV Werther - TuS Langenheide (Frauen) geplatzt.

Wie sich der sportliche Endspurt der Saison unter diesen Umständen noch entwickelt, vermag keine der Betroffenen einzuschätzen. „Jeden Tag gibt es in Sachen Corona-Problematik eine neue Entwicklung, die die Menschen geradezu überrollt. Deshalb ist es aus meiner Sicht im Moment sekundär, wie am Ende Auf- und Abstieg geregelt werden“, sagt Mario Lüke.

Steinhagens Trainer, der als Redakteur bei Radio Lippe im beruflichen Alltag mit vielen unterschiedlichen Reaktionen auf die Krise konfrontiert ist, hält die Verbandsentscheidung für richtig: „Wenn man am Beispiel Italien sieht, wie die Entwicklung bei einer verspäteten Reaktion aussehen kann, muss man auf solche Maßnahmen bauen – unabhängig von Zuschauerzahlen. Es geht auch um die Gesundheit der Spieler.“ Ob der Trainingsbetrieb vorerst ausgesetzt wird, wollen die Steinhagener noch beraten: „Eine Alternative wäre wohl, die Leute alleine zum Laufen zu schicken. Einen Besuch im Fitnessstudio kann man im Moment ja auch nicht empfehlen...“

Peckelohs Trainer Markus Kleine-Tebbe, dessen Team beste Aussichten auf Platz zwei und eine mögliche Aufstiegsrelegation hat, tut die Zwangspause sportlich natürlich richtig weh. Er sagt aber auch: „Wenn geschwächte Menschen bei einer Ansteckung um ihr Leben fürchten müssen, haben wir als Amateursportler uns solchen Entscheidungen natürlich unterzuordnen.“ Über dem sportlichen Betrieb der restlichen Saison sieht der Coach riesengroße Fragezeichen: „Wir sind alle keine Krisenmanager und es gibt extrem viele Fragen, die man für unseren weiteren Saisonverlauf jetzt klären muss. Nach den Empfehlungen des Verbandes kann ich mir nicht vorstellen, dass wir in den nächsten Tagen in einer großen Gruppe mit 25 Mann trainieren. Aber das müssen wir mit dem Vorstand und einem Arzt in Ruhe besprechen.“

Keine Versammlungen - kein Trainingsbetrieb

In diversen Vereinen und Sportarten legt der Corona-Alarm weite Teile des Vereins- und Veranstaltungslebens lahm. So stellt beispielsweise die Spvg. Steinhagen nach der Entscheidung des westfälischen Verbandes zum Spielbetrieb auch den Trainingsbetrieb ihrer Fußballabteilung bis auf Weiteres komplett ein und sagt die für 20. März terminierte Hauptversammlung des Gesamtvereins ab. Die SG Oesterweg hat ihre Jahreshauptversammlung auf unbestimmte Zeit verschoben, verzichtet zudem auf Trainingsbetrieb und die Sportangebote in allen Abteilungen bis zum 30. April. Beim TuS Langenheide wird der Trainings-, Übungs- und Vereinsbetrieb bis einschließlich 31. März eingestellt. Was auch den Gartentag (14. März) und die Jahreshauptversammlung (20. März) umfasst. Im Bereich der Stadt Halle droht für die kommende Woche eine Sperrung von Sporthallen und -Plätzen für den Trainingsbetrieb.

Auch Tischtennis-Spiele abgesetzt

Wie bereits berichtet , wird auch abseits vom Fußball der Spielbetrieb in den meisten Mannschaftssportarten auf Eis gelegt. Inzwischen hat der Westdeutsche Tischtennisverband seine bis Donnerstag Abend vertretene Haltung ebenfalls revidiert. Bis einschließlich 17. April ist der Spielbetrieb in allen Klassen in NRW ausgesetzt, was auch für den Kreis Bielefeld/Halle gilt.

Der Westfälische Tennisverband hat den für diesen Samstag in Kamen geplanten Verbandstag mit Top-Gast Matthias Stach (Eurosport) abgesagt. Das für die Zeit vom 15. bis 22. März am Landesleistungsstützpunkt Kamen geplante internationale ITF-Jugendturnier wurde ebenfalls abgesagt.

Die DLRG-Ortsgruppe Halle teilte am Freitag mit, dass der Trainingsbetrieb bis zu den Osterferien vollständig eingestellt wird. Laut Dustin Schäper (Vorstand für Ausbildung) sind davon rund 300 Mitglieder betroffen. Die DLRG-Ortsgruppe Halle betonte ausdrücklich, dass ihr in den eigenen Reihen keine Covid-19-Infektion bekannt sei. Man sehe sich als Rettungsaktion verpflichtet, neben dem Eigenschutz alle Maßnahmen zu ergreifen, um die Ausbreitung der Pandemie zu verlangsamen.

Stimmen von Verantwortlichen der Fußball-Kreisligisten

Verständnis für die Aussetzung des Fußball-Spielbetriebs äußern Verantwortliche der Kreisligisten. Aber was kommt nach der Zwangspause? Einige Stimmen aus Altkreis-Klubs:

Option englische Wochen

Daniel Eikelmann (Trainer BV Werther): „Ich hatte erwartet, dass man zumindest dieses Wochenende noch spielt. Aber die Entscheidung ist natürlich absolut richtig. Wir haben den Trainingsbetrieb erst mal bis Ende März eingestellt, dann schauen wir weiter. Ich würde kein freiwilliges Training anbieten wollen: Wer will die Verantwortung tragen, wenn dann wirklich etwas passiert? Ich hoffe nur, die Leute halten sich auch an die Vorgaben. Denn was die Fans in Gladbach oder Paris gemacht haben, ist natürlich eine Farce. Sollte die Saison nicht fortgesetzt werden, wäre es das Einfachste, alles auf null zu stellen. Aber am fairsten wäre das sicherlich nicht. Auf der anderen Seite: Wie will man ohne weitere Spiele entscheiden, wer in der A-Liga aufsteigt. Oldentrup und Heepen sind punktgleich, Versmold derzeit nur Dritter, weil sie ein Spiel weniger haben. Das wäre regeltechnisch eine Katastrophe. Sollte eine Fortsetzung möglich sein, wäre eine Verlängerung der Saison mit englischen Wochen die fairste Lösung.“

Playoffs erwägen

Björn Mittendorf (Trainer SG Oesterweg): „Die Entscheidung ist nur logisch. Dass wir jetzt auch nicht trainieren, kam bei den Jungs natürlich erst mal nicht gut an. Aber man hat eine Verantwortung gegenüber den Mitmenschen. Sollte man die Saison annullieren, wäre es für mich als SGO-Trainer nicht schlimm. Aber wenn ich an Arminia denke, wird mir schlecht. Auch Mannschaften wie Dornberg in der Bezirksliga oder Espelkamp in der Landesliga haben schon großen Vorsprung. Man sollte einfach die Aufsteiger hoch lassen, die kommende Serie mit mehr Teams spielen. Es ist ja eine Ausnahmesituation, die spezielle Maßnahmen erfordert. In der A-Liga ist es ganz kniffelig. Vielleicht ist es möglich, eine Art Playoffs der Aufstiegskandidaten zu spielen. Die Situation ist sportlich total schwierig zu beurteilen.“

Stichwort Punkteschnitt

Björn Dreeß (Sportlicher Leiter Spvg. Versmold): „Ich glaube nicht, dass es im Amateursport in sechs Wochen weitergeht. Wie man dann über den Aufstieg entscheidet, wird vielleicht auch davon abhängen, wie man es in den Profiligen regelt. Da wir ein Spiel weniger haben als Heepen und Oldentrup, sollte man den Punkteschnitt nehmen. Das wäre am fairsten. Würde die Saison annulliert, wäre das für uns extrem ärgerlich. Auf der anderen Seite ist es an der A-Liga-Spitze noch sehr eng, so dass man gar nicht mit Bestimmtheit sagen könnte, ob wir es am Ende schaffen würden. Daher ginge bei uns dann auch die Welt nicht unter. Personell sind wir nächste Saison wahrscheinlich sogar noch stärker aufgestellt, so dass wir einen neuen Anlauf nehmen könnten. Aktuell steht aber allein das im Vordergrund, was gesundheitliche Risiken eindämmt. “

Wichtigeres als Aufstieg

Boris Mester (Trainer bei Spvg. Steinhagen II) wird der Empfehlung des Verbandes, vorerst auch das Training abzusetzen, nachkommen. „Es verschiebt sich alles, aber Ende April ist die Bedrohung durch das Virus ja nicht weg“, sagt Mester und fragt sich, was passiert, wenn die Saison nicht zu Ende geführt werden kann: „Es gibt meines Wissens nach keine Regelungen, wer dann auf- oder absteigt. Aber das ist derzeit auch nicht so wichtig. Der Fußball ist ein großes soziales Gefüge. Da sollte man sich unter den aktuellen Umständen nicht darüber streiten, wer in der nächsten Saison Kreisliga B, A oder Bezirksliga spielt.“

 

 

 

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