Mo., 23.03.2020

Tennis: Die gesamte Saison 2020 steht auf der Kippe Federer-Festspiele, Kreisliga – alles ist fraglich

Turniere sind abgesagt. Die Verantwortlichen denken nicht über einen Ersatztermin nach, sondern planen für 2011. Bleiben im Juni auch die Tribünen in Halle leer?

Turniere sind abgesagt. Die Verantwortlichen denken nicht über einen Ersatztermin nach, sondern planen für 2011. Bleiben im Juni auch die Tribünen in Halle leer? Foto: Thomas F. Starke

Von Stephan Arend

Halle/Versmold (WB). Während viele Sportler in der laufenden Serie vom Corona-Virus ausgebremst werden, beginnt für die Tennisspieler die Saison 2020 eigentlich im Mai. Der Westfälische Tennisverband hat am Montag die Auslosung der Spielpläne von der Westfalenliga bis zur Kreisklasse veröffentlicht. Doch wann und ob überhaupt aufgeschlagen wird, das kann derzeit niemand sagen. Viele Tennisfans stellen sich eine ganz andere Frage: Wird Roger Federer auch in diesem Jahr bei den Noventi Open in Halle (13. bis 21. Juni) antreten – oder muss auch dieses Event, ebenso wie das Damen-Weltranglistenturnier Reinert Open in Versmold (5. bis 12. Juli), abgesagt werden? Noch laufen die Planungen.

Karsten Wolf ist Teamchef des Zweitligisten Tennispark Versmold und bei den Reinert Open in der Turnierleitung tätig. Seine persönliche Einschätzung und Befürchtung: Auch diese beiden Turniere müssen abgesagt werden – und für die aktiven Spieler fällt die Sommer-Saison 2020 komplett aus.

Noventi-/Reinert Open

Am 12. März hat die ATP offiziell bestätigt, dass die Tour zunächst einmal für die nächsten sechs Wochen pausiert. Während in Indian Wells noch über einen möglichen Ersatztermin nachgedacht wird, äußerte sich Monte Carlos Turnierdirektor Zeljko Franulovic recht deutlich gegen eine Verschiebung: „Wir werden nicht um einen anderen Termin bitten. Wir ertragen diese Absage und denken bereits mit viel Motivation an den April 2021.” Thorsten Liebich gehört seit Jahren zur Turnierleitung des Haller Events. Seine persönliche Einschätzung: Um das Turnier auch in diesem Jahr zu stemmen, braucht es eine Vorlaufzeit von mindestens sechs Wochen – „bis Ende April müsste eine Entscheidung fallen.“ Doch selbst wenn die ATP rechtzeitig grünes Licht geben sollte, hängt eine Austragung von der Lage vor Ort ab, vom Erlass der Landesregierung bis hin zu Verfügungen lokaler Entscheidungsträger. Und deshalb sieht Karsten Wolf auch für die Reinert Open, die in den Verantwortungsbereich des Tennisweltverbands fällt, schwarz: „Die ITF muss weltweit denken und handeln. Erst wenn sich die Lage überall auf dieser Erde so entspannt hat, dass gespielt werden kann, wird die Tour wieder starten.“

Bundesliga

Nach dem Rückzug des TC Blau-Weiß Halle ist Zweitligist Tennispark Versmold das einzige heimische Bundesligateam. Die Saison soll vom 12. Juli bis zum 9. August über die Bühne gehen. Noch scheint das Zeitfenster groß zu sein, und dennoch hält es Teamchef Karsten Wolf für unwahrscheinlich, dass aufgeschlagen wird: „Die 1. und 2. Liga ist auf Sponsoren angewiesen. Viele Firmen müssen sich einschränken, Kurzarbeit oder gar Insolvenz anmelden bzw. kämpfen um ihre Existenz. Da werden viele Sponsorenverträge gar nicht eingehalten werden können.“

Leistungssport

Solche Tendenzen hat Blau-Weiß Halles Teamchef Thorsten Liebich bereits gespürt: „Mehrere Spieler haben noch kurzfristig angefragt,  ob sie nach Halle wechseln können, weil Geldgeber ihres aktuellen Vereins pleite gehen.“ Halle spielt in dieser Saison mit einem Männer- und Frauenteam in der Westfalenliga. Dort sind die Spieler in der Regel keine Profis und bessern mit den Liga-Spielen ihr Einkommen lediglich auf. Sollte die Saison abgesagt werden, sollten die Vereine deshalb keine finanziellen Probleme bekommen. „Eine Absage würde den Spielern weh tun. Denn in den Verträgen ist festgelegt: keine Spiele, kein Geld“, erklärt Liebich. Für viele Tennisspieler, die Leistungssport betreiben, gehen in diesen Zeiten noch weitere Einnahmequellen verloren – zum Beispiel, wenn sie als Trainer arbeiten oder bei Preisgeldturnieren erfolgreich sind.

Zeitfenster der Amateure

Im Westfälischen Tennis-Verband (WTV) sollen Altersklassenteams auf Bezirks- und Kreisebene die Saison erstmals nach den Sommerferien fortsetzen und bis Ende August spielen. Die Absicht war eine Entzerrung des Spielbetriebs. Somit ergibt sich ein recht großes Zeitfenster, wenn im Mai nicht wie geplant gestartet werden kann. „Ich war schon immer für diese Entzerrung. Eine längere Saison ist generell gut für das Vereinsleben. Und angesichts der Corona- Krise könnten alle Teams im WTV ihre Saison auch im August und September austragen. Dann würden Mannschaftsspiele vorgehen und dafür Turniere ausfallen.“ Thorsten Liebich hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die Tennis-Saison stattfinden kann. Das wünscht sich auch Karsten Wolf, hält es aber nicht für realistisch: „Im Mai werden wir nicht spielen. Und die gesamte Spielrunde neu zu organisieren, das bedeutet einen Aufwand, den die Verbände wohl gar nicht leisten können.“

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7339527?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2352973%2F4029442%2F