Fußball-Landesliga: Steinhagens Trainer Mario Lüke blickt auf ein intensives Jahr zurück
„Habe unheimlich viel gelernt“

Steinhagen (WB/star/guf). Für Trainer Mario Lüke und die zahlreichen abwandernden Spieler war das Abschlusstreffen beim Fußball-Landesligisten Spvg. Steinhagen noch mal ein bewegender und stimmungsvoller Abend – der erst endete, als es am Sonntagmorgen zum längsten Tag des Jahres dämmerte. „Ich hatte damit gerechnet, dass man sich durch die Corona-Pause und die Orientierung zu den neuen Aufgaben etwas voneinander entwöhnt hätte. Aber da hatte ich mich getäuscht“, gestand Lüke – und beschrieb seine Gemütslage: „Wir haben noch mal ein leichtes Training gemacht, dann gegrillt und uns zusammengesetzt. Ich habe dabei gemerkt, dass mir das Zusammensein mit den Jungs auch fehlen wird.“

Montag, 22.06.2020, 23:29 Uhr
Ein unvergessener Tag: Mario Lüke zittert am 19. Mai 2019 in New York mit seiner Mannschaft und feiert auf der Brooklyn-Brigde den Aufstieg. Foto:
Ein unvergessener Tag: Mario Lüke zittert am 19. Mai 2019 in New York mit seiner Mannschaft und feiert auf der Brooklyn-Brigde den Aufstieg.

Steinhagens Aufstiegstrainer von 2019 übernimmt wie berichtet beim Oberligisten FC Gütersloh die Bereiche Marketing, Sponsoring, Kommunikation und Scouting. Die Zeit bei der Spvg., wo er im Februar 2019 Tobias Brockschnieder ablöste, möchte er nicht missen: „Es war für mich eine sehr prägende Zeit – mit allen Höhen und Tiefen, die auch das Leben im Allgemeinen so bereithält.“ Lükes Fazit: „Ich habe in Steinhagen unheimlich viel gelernt.“

 

Der Traumstart: Ich weiß noch, wie ich mir vor meinem ersten Spiel auf dem Weg zur Arbeit den Platz unseres Gegners Hörstmar/Lieme angesehen habe. Das war ein richtiger Acker. Als wir dann auch noch früh das 0:1 kassiert haben, sprach nicht viel für einen gelungenen Start. Doch wir haben nicht nur diese Partie 6:1 gewonnen, sondern alles weggehauen, was im Wege stand. Das Highlight war das 5:1 im Spitzenspiel beim Gütersloher TV, mit dem wir Platz eins der Bezirksliga erobert haben. Wir haben die Tabellenführung danach nur noch einmal für eine Woche abgegeben.

 

Aufstieg in New York: Ich konnte am vorletzten Spieltag gegen SCB nicht dabei sein. Meine Verlobte hat an diesem Tag ihren 30. Geburtstag gefeiert, und die Reise war schon vor meiner Zusage in Steinhagen gebucht. Irgendwann habe ich es im Outlet-Center nicht mehr ausgehalten und hatte Handykontakt mit unserem verletzten Torwart Philipp Schremmer. Ich werde nie vergessen, wie sich die Ereignisse am Ende überschlagen haben und ich quasi am anderen Ende der Welt fix und fertig war. Im WESTFALEN-BLATT war ein Zitat von Basti Herrmann die Schlagzeile: „Wolke sieben, Hölle, Himmel“. Genauso habe auch ich es empfunden.

 

Die größte Überraschung: Nach den vielen teils heftigen Pleiten in der Vorbereitung auf die Landesliga hatte auch ich Zweifel. Vor dem Pokalspiel gegen Oberligist Rhynern hatten wir keine Chance. Doch die haben wir genutzt. Ich hatte das Gefühl: Kommen wir ins Elfmeterschießen, dann packen wir es auch. Und so ist es gekommen. Dieser Sieg hat uns Rückenwind für die Landesliga gegeben und war der Garant für unseren starken Saisonstart.

 

Der Absturz auf den letzten Platz nach sieben Niederlagen in Folge: Ich bin auch für diese Misserfolge dankbar. In diesen Zeiten lernt man am meisten – zum Beispiel, auf wen man sich auch dann verlassen kann, wenn man am Boden liegt. So wie zum Beispiel auf unseren Vereinsvorsitzenden Andreas Wessels, der immer das Licht am Ende des Tunnels gesehen und nie an mir gezweifelt hat. Und am Ende haben wir die Wende tatsächlich geschafft. Das letzte Spiel vor der Corona-Krise haben wir in Beckum 2:1 gewonnen und ich bin mir sicher: Wir hätten den Klassenerhalt auch ohne Saisonabbruch gepackt.

 

Niemals geht man so ganz: Steinhagen ist ein unglaublich toller Verein. Ich habe auch tolle Menschen wie Bobby Wessels, unseren Betreuer Andi Rietschel oder meinen Co-Trainer Mesut Sahin kennengelernt. Wenn einem Spieler meine Meinung wichtig ist, dann kann er sich immer bei mir melden. Ich gehe auch mit einem weinenden Auge. Schade: Die Aufbruchstimmung mit Menschen wie Arno Hornberg, die mitanpacken und Gas geben, kam erst nach meinem Entschluss auf, mangels sportlicher Perspektive aufzuhören. Viele Spieler und auch ich hätten sich unter diesen Voraussetzungen vorstellen können, in Steinhagen zu bleiben.

 

 

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