Die Aktiven des SC Steinhagen-Amshausen halten sich mit viel Einfallsreichtum fit
Schwimmer auf dem Trockenen

Steinhagen (WB). Bundestrainer Bernd Berkhahn lässt „die nachvollziehbare Sehnsucht nach hochkarätigen Wettkämpfen“ keine Ruhe. Und was den Chefcoach der Olympia-Kandidaten unter Deutschlands Schwimmern umtreibt, geht auch den ehrgeizigen Sportlern des SC Steinhagen-Amshausen an die Nieren. Seit Jahren sind sie auf überregionaler Ebene erfolgreich, diese Saison sitzen sie wegen Corona mit Blick auf Wettkämpfe buchstäblich auf dem Trockenen.

Dienstag, 28.07.2020, 16:16 Uhr aktualisiert: 28.07.2020, 16:18 Uhr
Abwechslung ist Trumpf: Auch die Teilnahme an der Sportabzeichenaktion im Cronsbach-Stadion gehört derzeit zum Trainingsprogramm. Hier starten drei Talente der Nachwuchsriege vor vier Aktiven der Leistungsgruppe (von links): Bent Buttwill, Bette Buttwill, Nahrin Danho, Ella Wagner, Rathna Köppe, Benjamin Danho und Tim Kuhaupt. Was Wettkämpfe angeht, sind die Steinhagener diesen Sommer weiterhin Trockenschwimmer. Foto:
Abwechslung ist Trumpf: Auch die Teilnahme an der Sportabzeichenaktion im Cronsbach-Stadion gehört derzeit zum Trainingsprogramm. Hier starten drei Talente der Nachwuchsriege vor vier Aktiven der Leistungsgruppe (von links): Bent Buttwill, Bette Buttwill, Nahrin Danho, Ella Wagner, Rathna Köppe, Benjamin Danho und Tim Kuhaupt. Was Wettkämpfe angeht, sind die Steinhagener diesen Sommer weiterhin Trockenschwimmer.

Die Verlegung der Deutschen Meisterschaften tut richtig weh

„Diesmal ist es nicht damit getan, dass man sagt: ‚Lasst den Kopf nicht hängen und macht den Nacken gerade – wir machen weiter.‘ Diesmal fehlt einfach die Leistungsbestätigung“, sagt SCSA-Chefcoach Klaus Völcker. Sein Trainerteam hat nicht nur mit ausgeklügeltem Formaufbau in den vergangenen Jahren viele Talente veredelt. Auch das Thema Motivation ist ein Steinhagener Trumpf. Aber diese Tugend wird 2020 auf eine extrem harte Probe gestellt. „Vor allem die Verlegung der Deutschen Meisterschaften als großes Ziel tut uns weh. Jetzt sollen sie vom 29. Oktober bis 1. November in Berlin stattfinden, aber möglicherweise ohne Staffeln. Das wäre für uns besonders bitter“, blickt Klaus Völcker sorgenvoll voraus. Denn gerade in den Staffeln, gespeist aus der 2019 in die 2. Bundesliga aufgestiegenen Damen-Mannschaft, hat der SCSA seine Stärken und beim Jahreshöhepunkt DM Aussichten auf einstellige Platzierungen.

Das Damenteam und Karolin Kuhlmann wurden Ende Januar als Altkreis-Sportlerinnen des Jahres 2019 geehrt, Ramani Köppe als Nachwuchstalent des Jahres und Bent Buttwill als Zweitplatzierter bei den Männern: Die Wettkampftypen hatten den Schwimmclub im Vorjahr dank der Wertigkeit ihrer Resultate zum erfolgreichsten Sportverein der Region gemacht. Seit Wochen und Monaten können sie sich wegen der Pandemie nurmehr im eingeschränkten Trainingsbetrieb gegenseitig antreiben. „Den Moment werde ich nicht vergessen: Als wir am 13. März um 15 Uhr zum Training ins Steinhagener Hallenbad wollten, da drehten Schwimmmeister Ralf Aldenhoff und Heike Schiller von der DLRG gerade den Schlüssel um.“ Anweisung der Behörden – Klaus Völcker und die diversen Trainingsgruppen des SCSA waren ihrer sportlichen Heimat beraubt.

Programm mit Laufen und athletischen Übungen lag in der Schublade

Aber der Lockdown hat dem Ehrgeiz der Schwimmerinnen und Schwimmer nicht das Wasser abgegraben. Der Einfallsreichtum, mit dem der Dorfklub trotz eingeschränkter Möglichkeiten den Anschluss zu Leistungszentren der Großstädte hält, hilft auch im Ausnahmezustand. „Anfang März hatte sich schon abgezeichnet, was uns da blüht. Wir hatten deshalb unser Programm mit Laufen und athletischen Übungen schon in der Schublade. Das sind Elemente, mit denen wir seit langem erfolgreich arbeiten“, sagt Klaus Völcker. Dreimal in der Woche 30 bis 45 Minuten laufen, dazu für die Körperkräftigung mehrere Wiederholungen von Serien aus 15 Dips (Rückwärts-Liegestütz mit hoch gelegten Füßen), 30 Sit-ups, 20 Liegestützen, fünf Klimmzügen und zehn Hocksprüngen: Dieser Einblick lässt erahnen, dass die Schwimmer auch ohne Wettkämpfe Leistungssportler geblieben sind.

Dank der guten Kontakte nach Verl kann nach Öffnung des dortigen Freibades seit Mitte Mai auch wieder im Wasser trainiert werden – natürlich unter strenger Beachtung der Coronaschutz- und Abstands-Einschränkungen. Klaus und Annegret Völcker, unter normalen Umständen am Beckenrand zuhause, beschränken sich derzeit auf das Austüfteln der Trainingspläne, die dann vor Ort von den Aktiven in Eigenregie umgesetzt werden. „Es zahlt sich aus, dass die Sportlerinnen und Sportler durch unseren Trainingsbetrieb unwahrscheinlich selbstständig sind und schwimmerisch, aber auch gymnastisch genau wissen, worauf es ankommt. Hinzu kommt dank der 50-m-Bahn in Verl eine zusätzliche Motivation.“ Dazu gesellen sich inzwischen zweimal pro Woche „im Schichtdienst“ zusätzliche Einheiten nach 18.30 Uhr im Steinhagener Waldbad. Und die Teilnahme an der Sportabzeichen-Aktion im Cronsbach-Stadion. Oder der spannende Handball-Biathlon, den Klaus Völcker kürzlich im Gespräch mit seinem früheren Arbeitskollegen Michael Kölkebeck, dem Handballtrainer von Union 92 Halle, kennen gelernt hat. Corona hat den SCSA also keinesfalls gelähmt, die Wassersportler werden fit aus den Ferien kommen.

Wenn alles gut geht, drei Startmöglichkeiten im Oktober

Aber die Hoffnung auf eine Zulassung von Wettkämpfen, die bei Schwimmern ja stets von großen Starterfeldern in vielen Jahrgangsklassen geprägt sind, ist coronabedingt allenfalls vage. „Wenn alles gut geht, haben wir für Oktober drei Startmöglichkeiten im Visier: Recklinghausen und Fulda wären sehr interessant – und natürlich die Deutschen in Berlin …“ Den Satz muss Klaus Völcker mit Ungewissheit ausklingen lassen. Denn eine Prognose, ob es noch zu einer späten Saison der Schwimmer kommt, die wagt derzeit keiner.

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