Fußball: Spvg.-Obmann Arno Hornberg blickt auf stressige Monate zurück
„Wir sind kein Kanonenfutter“

Steinhagen (WB). Arno Hornberg hat bei der Spvg. Steinhagen schon einiges bewegt, bevor er zum Fußball-Obmann gewählt worden ist. Er musste etwa bei der Kaderplanung des Landesligisten quasi bei Null anfangen. Im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT blickt der 66-Jährige auf stressige Monate bei seinem Heimatverein zurück und erklärt, warum er trotz eines Fehlstarts weiter an die Mannschaft glaubt.

Mittwoch, 14.10.2020, 23:40 Uhr aktualisiert: 15.10.2020, 02:00 Uhr
Spvg. Steinhagens neuer Fußball-Obmann Arno Hornberg bleibt zuversichtlich (rechts sein Stellvertreter Rudi Deike). Foto: Sören Voss
Spvg. Steinhagens neuer Fußball-Obmann Arno Hornberg bleibt zuversichtlich (rechts sein Stellvertreter Rudi Deike). Foto: Sören Voss

 

Sie sind seit August offiziell Fußball-Obmann. Kann man sie auch als Sportlichen Leiter und Kaderplaner bezeichnen?

Arno Hornberg: Mein Betätigungsfeld ist schon breiter als das eines „normalen“ Fußballobmanns – auch weil ich ja vor meiner Wahl den Kader mit zusammengestellt habe. Aber das ist keine One-Man-Show. Von Anfang an war klar, dass wir ein gut funktionierendes Team brauchen. Mit Rudi Deike habe ich einen Stellvertreter, der mit anpackt. Oliver Nestmann, Bastian Schwenke oder Herbert Landwehr helfen bei der Sponsorensuche. Unser Vereinsvorsitzender Bobby Wessels unterstützt uns weiterhin. Martin Schmidt kümmert sich schon seit Jahren um die An- und Abmeldungen, und Lemmi Jung und Andi Wichmann sind wieder eingestiegen.

 

Erfreulich viele helfende Hände...

Hornberg: Das stimmt. Aber um langfristig einen Gönnerkreis aufzubauen und Erfolg zu haben, braucht man auch viele Unterstützer. Ein Beispiel: Maaslingen hat 400 Einwohner und ist vielleicht mit dem Ströhen in Steinhagen vergleichbar. Allein rund um unser Spiel dort waren 30 Ehrenamtliche im Einsatz, vom Kassierer über den Schiedsrichter-Betreuer bis zum Würstchenverkäufer.

 

Sie sind zu einem sehr späten Zeitpunkt der Saisonplanung bei der Spvg. eingestiegen. Wie groß war der Aufwand, diesen Kader zusammenzustellen?

Hornberg: Ich habe die Stunden oder Tage nicht aufgeschrieben. Aber der Aufwand war riesig. Ich habe etwa 70 Spieler angesprochen und mich mit fast 50 getroffen. Ein Viertel davon konnten wir verpflichten.

 

Wie sah es zu Beginn aus?

Hornberg: Anfangs hatten wir „nur“ Spieler aus der zweiten Mannschaft und A-Jugendliche als Basis. Es sah so aus, dass wir fast alle Spieler aus dem Kader der vergangenen Saison verlieren. Allein zehn Jungs zu halten, war schwierig genug. Ein Jonas Böhme hatte zum Beispiel unter anderem ein Angebot vom FC Kaunitz vorliegen. Und dann ist es uns gelungen, auch den ein oder anderen Spieler aus höherklassigen Vereinen als Führungsspieler zu verpflichten, so wie Robin Bürmann oder Marcel Rohde.

 

Zunächst hieß es, dass nach dem Rückzug des Hauptsponsors für die erste Mannschaft überhaupt kein Geld mehr zur Verfügung steht...

Hornberg: Wir haben die „alten Steinhagener“ wie Reiner Wiechert oder Erhard Wichmann an einen Tisch bekommen. Sie haben sich sofort bereit erklärt, uns finanziell unter die Arme zu greifen oder Kontakte zu Firmen herzustellen. Und auch der Gesamtverein hat uns finanzielle Unterstützung zugesagt. Aber um es klar zu sagen: Mit unserem Etat bewegen wir uns in einem deutlich kleineren Rahmen als zu Zeiten mit unserem Hauptsponsor.

 

Hat sich ihre Meinung geändert, dass diese Steinhagener Mannschaft landesligatauglich ist?

Hornberg: Ich habe das vor der Saison so gesehen. Und meine Meinung hat sich nach fünf Spielen nicht verändert. Es war immer klar, dass es schwierig wird, den Klassenerhalt zu schaffen und wir an unsere Grenzen gehen müssen. Es gibt fünf Absteiger und wir haben keine 20 Spieler mit Landesliga-Format. Einige der Jungs müssen sich auf dem Weg dahin noch entwickeln. Deshalb darf personell nicht viel passieren, die Ausfälle von Führungsspielern sind nicht zu verkraften. Doch leider ist genau das passiert. Ein Marcel Rohde, der unheimlich wichtig für die Offensive ist, ist bisher über zwei Kurzeinsätze nicht hinausgekommen. Jonay Torres konnte noch gar nicht spielen. Reto Bechtel ist immer wieder angeschlagen, ebenso Ridvan Cinar. Und Finn Reda hat sich im ersten Spiel verletzt.

 

Sind sie vom Saisonstart enttäuscht?

Hornberg: Nur von der Leistung gegen Heide Paderborn. Das sah nach den zwei frühen Gegentoren nach einer Blockade im Kopf aus. Ansonsten ist unsere Viererkette stabil. Robin Bürmann ist der erhoffte Stabilisator im Mittelfeld. Aber wir können uns nicht darauf verlassen, zu Null zu spielen. Wir müssen auch mal zwei oder drei Tore schießen. Ich bin optimistisch, dass uns das mit Tom Junge­blodt, den wir vergangene Woche aus Holsen zurückgeholt haben, und mit Torres und Rohde gelingen wird. Und in ein paar Wochen kann uns Deniz Aygün nach seinem Kreuzbandriss vielleicht auch schon wieder helfen.

 

Ist bei aktuell nur einem Zähler das Thema Klassenerhalt schon durch, wenn in den beiden Heimspielen Sonntag gegen Eidinghausen-Werste und Donnerstag gegen Bruchmühlen nicht gepunktet wird?

Hornberg: Natürlich sind die drei nächsten Spiele gegen Eidinghausen-Werste, Bruchmühlen und Westenholz enorm wichtig, um nicht frühzeitig den Anschluss zu verlieren. Doch unabhängig davon sehe ich uns nicht als Kanonenfutter oder Abstiegskandidat Nummer eins. Ich bin guter Dinge, dass wir die Kurve bekommen.

 

Die Spvg. musste zweimal in Folge einen personellen Umbruch vollziehen. Was muss besser werden?

Hornberg: Einen dritten Umbruch innerhalb von drei Jahren wollen wir unbedingt verhindern. Ich glaube an eine weitere Saison in der Landesliga. Doch auch wenn uns nicht der Klassenerhalt gelingen sollte, wollen wir mit einer eingespielten Mannschaft in der Bezirksliga angreifen. Natürlich brauchen wir einen gewissen Etat, für 0.0 spielt niemand. Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Mannschaft harmoniert. Auch der Vorstand kann dazu beitragen, die Nähe zum Team suchen. Steinhagener Jungs wie Reda, Rajic, mein Sohn Marvin, Bechtel, Wolf und Ridvan Cinar haben das Spvg.-Gen. Wir müssen es schaffen, dass sich auch andere Spieler mit dem Verein identifizieren. Dafür müssen sie sich wohlfühlen. Und nicht zuletzt ist es wichtig, dass wir unsere jungen Talente halten. Ich schaue mir regelmäßig die Spiele der A-Jugend an. Da sind gute Jungs dabei. Wenn pro Jahr zwei oder drei von ihnen den Sprung in die Erste schaffen, dann ist uns schon geholfen.

 

Wird Arno Hornberg in Steinhagen oder anderswo noch einmal auf die Trainerbank zurückkehren?

Hornberg: Ich habe das 30 Jahre gemacht und kann mich nicht mehr motivieren, bei Wind und Wetter auf dem Platz zu stehen. Zwar fängt mit 66 Jahren laut Udo Jürgens das Leben ja erst an. Doch das gilt nicht für Fußball-Trainer. Außerdem gibt es so viele junge, gute Trainer...

 

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